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Neuer Nato-Oberbefehlshaber : Tod Wolters’ Lebensaufgabe

General Tod Wolters am 2. April vor dem Senatsausschuss für Streitkräfte in Washington D.C. Bild: Picture-Alliance

Donald Trump hat einen Europakenner zum neuen „Saceur“ berufen. Mit Deutschland verbindet den kampferfahrenen Luftwaffengeneral mit über 5.000 Flugstunden ein lebenslanges Band.

          An diesen Vornamen müssen sich deutsche Augen erst einmal gewöhnen. Der 19. Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Europa heißt Tod Daniel Wolters. Am Freitag hat der 58 Jahre alte Luftwaffengeneral im belgischen Mons das Kommando von seinem Vorgänger, General Curtis M. Scaparrotti, übernommen. Damit verfügt Wolters über einen der wichtigsten militärischen Posten, den es weltweit zu vergeben gibt und der traditionell von den Vereinigten Staaten besetzt wird. Schließlich ist der neue „Saceur“ für alle militärstrategischen Operationen der Allianz verantwortlich, die am Ende dafür sorgen sollen, dass die knapp eine Milliarde Menschen in den 29 Mitgliedstaaten in Frieden leben können.

          Für Wolters ist die Aufgabe weit mehr als nur eine weitere militärische Mission in seiner langen und sehr erfolgreichen Karriere. Wer ihn sprechen hört, gewinnt den Eindruck, dass sie für ihn eine Herzensangelegenheit ist. Seine Familie dient dem Bündnis seit sechs Jahrzehnten. Als er ein Kleinkind war, flog sein Vater, ein Kampfpilot, auf der amerikanischen Luftwaffenbasis in Bitburg mit einer Convair F-102 über der damals noch jungen Bundesrepublik seine Missionen. 25 Jahre später kehrte Wolters selbst als junger Hauptmann nach Bitburg zurück. Von dort patrouillierte er in einer F-15 im Luftraum über der innerdeutschen Grenze. Die vergangenen drei Jahre führte er von Ramstein aus das Kommando über die Nato-Luftstreitkräfte in Europa und die amerikanischen Luftstreitkräfte in Afrika. Der Posten als Nato-Spitzenmilitär ist nunmehr seine vierte militärische Aufgabe auf dem alten Kontinent.

          Wolters Amtsantritt fällt in eine Zeit, in der das Bündnis mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert ist. Zur angespannten Lage an der Nato-Ostflanke mit ihren schwelenden Konflikten – auf die die Nato mit langsam stärker steigenden militärischen Maßnahmen reagiert – gesellen sich bündnisintern der Streit über die Höhe der Verteidigungsausgaben und unterschiedliche Prioritäten bei den Sicherheitsinteressen. Auch über die Beschaffung russischer Raketenabwehrsysteme und über den Umgang mit chinesischen 5G-Ausrüstern herrscht Uneinigkeit.

          Für seine neue Aufgabe bringt Wolters jede Menge Führungserfahrung mit. Als Kampfpilot absolvierte er über 5.000 Flugstunden, darunter auch zahlreiche scharfe Einsätze. Die Einsatzgebiete in Afghanistan und im Irak sind ihm ebenso vertraut wie das amerikanische Verteidigungsministerium, in dem er unter anderem für das höchste militärische Gremium der amerikanischen Streitkräfte arbeitete. Andererseits lief der verbindlich auftretende Europa-Kenner bislang selbst in Nato-Kreisen eher auf der Liste der bekannten Unbekannten. Wie der zweifache Vater und fünffache Großvater die mit dem Amt aus amerikanischer Sicht stets bedeutende militärpolitische Rolle ausfüllen wird, bleibt abzuwarten. In jedem Fall hat Präsident Trump mit ihm einen Transatlantiker auf den Posten berufen. Das passt, abseits von Trumps Rhetorik, zum steigenden militärischen Engagement der Amerikaner in Europa.

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