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Syrien : Dutzende Tote bei mutmaßlichem Chemiewaffen-Angriff

  • Aktualisiert am

Rauch steigt am 7. April nach einem syrischen Luftangriff über Douma auf, der letzten Stadt in der Region Ost-Ghouta, die sich noch in Rebellenhand befindet. Bild: AP

In der Endphase der Kämpfe um Ost-Ghouta sind laut Hilfsorganisationen offenbar wieder Chemiewaffen eingesetzt worden. Ganze Familien sollen erstickt sein. Ist das Assad-Regime dafür verantwortlich?

          Bei Angriffen der syrischen Armee auf die letzte verbliebene Rebellenhochburg in der Region Ost-Ghouta sind Dutzende Menschen getötet worden. Hilfsorganisationen berichteten in der Nacht zum Sonntag von einem mutmaßlichen Einsatz von Chemiewaffen. Nach Angaben der Weißhelme hatte ein Hubschrauber am Samstagabend eine Fassbombe mit Chemikalien über der Stadt Duma abgeworfen. Dabei seien mindestens 70 Menschen getötet worden. In einer inzwischen gelöschten Mitteilung der Organisation auf Twitter war zuvor von 150 Toten die Rede. Ganze Familien seien in ihren Schutzunterkünften erstickt. Die Zahl der Opfer steige beständig. Auf ihrem Twitter-Konto veröffentlichten die Helfer schockierende Fotos der mutmaßlichen Opfer. Zu sehen sind darauf mehrere Kinder.

          Auch die Hilfsorganisation UOSSM geht von einem Chemiewaffenangriff aus. Sie sprach zunächst von 25 Toten und mehr als 500 Verletzten. „Das ist eine der schlimmsten chemischen Attacken in der syrischen Geschichte“, sagte der UOSSM-Vorsitzende Ghanem Tayara am Samstag. Die Berichte konnten zunächst nicht unabhängig verifiziert werden.

          Die Vereinigten Staaten verurteilten den mutmaßlichen Einsatz chemischer Waffen. Die Berichte seien „grauenerregend.“ Sie würden gegenwärtig geprüft. Sollten sie sich als wahr erweisen, „erfordern sie eine umgehende Reaktion der internationalen Gemeinschaft", so die amerikanische Außenamtssprecherin Heather Nauert in einer Mitteilung am Samstag. Die Regierung von Präsident Baschar al Assad und seine Unterstützter müssten dann zur Verantwortung gezogen und jegliche weitere Angriffe verhindert werden.

          Die syrische Nachrichtenagentur Sana verwarf die Berichte unterdessen als unwahr. „Einige Medien, die für ihre Unterstützung der Terroristen bekannt sind, haben behauptet, dass die Armee chemische Waffen in der Stadt Duma benutzt habe“, hieß es da. Derartige Berichte dienten nur dazu, das Vorrücken der syrischen Armee zu behindern. Die syrische Armee war zuvor begleitet von schweren Luftangriffen auf Duma vorgerückt. Dabei waren zahlreiche Zivilisten getötet worden.

          Auch das russische Militär wies die Vorwürfe von Aktivisten und Hilfsorganisationen zurück. Es handele sich um „fabrizierte Anschuldigungen“, sagte Generalmajor Juri Jewtuschenko der Agentur Interfax zufolge. Zugleich sagte er, dass der Abzug von Rebellenkämpfern aus Duma am Sonntag wieder fortgesetzt werden solle.

          Die syrische Armee hatte in den vergangenen Wochen einen massiven Militäreinsatz auf das Rebellengebiet Ost-Ghouta durchgeführt. Das Gebiet, das an die Hauptstadt Damaskus angrenzt, war jahrelang belagert. Ein Großteil der Rebellen hat sich nach Absprachen mit der syrischen Führung aus dem Gebiet zurückgezogen. Lediglich die Stadt Duma wird noch von Kämpfern der Gruppe Dschaisch al Islam gehalten.

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