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Neue Proteste in Thailand : Von Hongkong und Bruce Lee lernen

Lichtermeer in der Dunkelheit: Zum sechsten Mal in Folge gingen am Sonntag Demonstranten in Bangkok für Demokratie und Reformen auf die Straße. Bild: EPA

Trotz des Ausnahmezustands protestiert die Jugend in Thailand weiter für Demokratie und Reformen. Nach der Festnahme ihrer Anführer organisiert sich die Bewegung spontan über das Internet - und folgt dabei einem Vorbild.

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          Ungeachtet eines Versammlungsverbots protestieren in Bangkok und anderen thailändischen Städten seit Tagen wieder Tausende überwiegend junge Menschen für Demokratie und Reformen. Sie trotzen dem verschärften Ausnahmezustand, den die Regierung in der vergangenen Woche verhängt hatte und der Versammlungen von mehr als vier Personen untersagt. Die Protestbewegung lässt sich auch nicht davon einschüchtern, dass viele ihrer führenden Köpfe mittlerweile in Haft sitzen. „Wir sind heute alle Anführer“, heißt es immer wieder aus ihren Reihen. Damit nehmen sich die thailändischen Schüler und Studenten auch ein Vorbild an der aufständischen Jugend in Hongkong, dem jüngeren Paradebeispiel einer modernen, führungslosen und spontan über das Internet organisierten Protestbewegung. „Wir müssen wie Hongkong sein: ‚Be like water‘“, sagte der Aktivist Netiwit Chotiphatphaisal der F.A.Z.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Dieser Ausspruch, „Sei wie Wasser“, der auf den früheren Kung-Fu-Filmstar Bruce Lee zurückgeht und den sich schon die Protestbewegung in Hongkong zum Motto erkoren hatte, wird nun auch von den thailändischen Demonstranten verwendet. Daran angelehnt organisierten sie an verschiedenen Orten der Hauptstadt auch am Montag, zum sechsten Mal in Folge, ihre Kundgebungen. Bis kurz zuvor waren die Protestorte geheim gehalten worden, um eine Sperrung der Straßen zu verhindern.

          Schon länger üben die Aktivisten aus Hongkong, Thailand und einigen anderen asiatischen Ländern auch den Schulterschluss im Internet. Bekannte Hongkonger Bürgerrechtler haben der Demokratiebewegung ihre Unterstützung ausgesprochen. Der Aktivist Joshua Wong stellte sich am Montag vor das thailändische Generalkonsulat in Hongkong und zeigte den „Drei-Finger-Salut“, das Erkennungszeichen der Protestbewegung.

          Mit Regenschirmen gegen die Wasserwerfer

          Auch die Bilder von den Demonstrationen selbst erinnern nun bisweilen an Hongkong im vergangenen Jahr. Vor allem am Freitag, als die Polizei in Bangkok erstmals mit Wasserwerfern gegen die Proteste vorgegangen war: Junge Demonstranten stellten sich mit Regenschirmen bewaffnet gegen die Wasserkanonen, die auf sie niederschossen. Immer mehr Schirme segelten aufgespannt von den Fußgängerüberwegen hinab, um dort von der Menge zu deren Schutz aufgefangen zu werden. Fahrradhelme gegen die Polizeiknüppel, Schutzbrillen und Schutzmasken gegen Tränengas wurden über die Köpfe der Menge von Hand zu Hand an ihre Spitze transportiert, wo sich die Frontreihe der Demonstranten den Polizeistaffeln in Schutzmontur entgegenstellte. Bei Einbruch der Dunkelheit erzeugten die Demonstranten mit ihren Handybildschirmen ein digitales Lichtermeer.

          All dies war schon in der chinesischen Sonderverwaltungszone geprobt worden. Die thailändischen Behörden versuchen wiederum auf ihre Weise, die Demonstrationen unter Kontrolle zu bringen. Dazu gehört die Festnahme von Dutzenden Aktivisten in den vergangenen Tagen. Am Montag wurde zudem eine Anordnung der Behörden bekannt, wonach die Berichterstattung mehrerer bekannter Online-Nachrichtenportale über die Proteste zensiert werden soll. Ihnen wird vorgeworfen, „verzerrte Informationen“ zu verbreiten und damit Unruhe zu stiften. Außerdem wird die Sperrung der Messaging-App Telegram erwogen, die wie schon in Hongkong nun auch in Thailand zur Organisation der Kundgebungen genutzt wird. In den vergangenen Tagen hatten die Behörden außerdem durch die Lahmlegung des U-und Hochbahn-Netzwerks in Bangkok versucht, einige Thais von der Teilnahme an den Demonstrationen abzuhalten.

          Bis zu 15 Jahre Haft für Kritik an der königlichen Familie

          Gleichzeitig hat die Regierung von Ministerpräsident Prayuth Chan-ocha aber auch Gesprächsbereitschaft signalisiert. Unter anderem wird eine Sondersitzung des Parlaments zu den Protesten erwogen und ein Treffen der Regierung mit Oppositionsführern. Jedoch hat der Regierungschef die Rufe der Demonstranten nach seinem Rücktritt schon wiederholt zurückgewiesen.

          Die Kernforderungen der Demokratiebewegung lauteten ursprünglich: Rücktritt des Ministerpräsidenten, Änderung der Verfassung und ein Ende der Drangsalierung von Regimekritikern. Die letzte Forderung wurde mittlerweile aber durch eine andere ersetzt, die deutlich mehr Sprengkraft besitzt. So hatten einige der Köpfe der Demokratiebewegung im August erstmals öffentlich die Rolle des Königshauses in Thailand in Frage gestellt. Nun ruft sie öffentlich nach einer Reform der Monarchie unter König Maha Vajiralongkorn. Damit haben sie eines der größten Tabus gebrochen, die es in Thailand gibt. Kritik an der königlichen Familie kann dort mit bis zu 15 Jahren Haft verurteilt werden.

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