https://www.faz.net/-gpf-97bfp

Großbritannien : Neue Partei „Renew“ will gegen den Brexit kämpfen

  • Aktualisiert am

Keine landesweit bekannten Namen: Sandra Khadouri, James Clarke und James Torrance (v.l.n.r.) Bild: AP

Meinungsumfragen sehen seit einiger Zeit einen Umschwung zugunsten eines Verbleibs Großbritanniens in der EU. Eine neue Partei will diese Stimmung aufgreifen – und orientiert sich an einem prominenten Vorbild.

          2 Min.

          Mit einer neuen Partei wollen Brexit-Gegner Zustimmung für den Verbleib Großbritanniens in der EU mobilisieren. Ziel sei es, „den Brexit rückgängig zu machen und unsere einflussreiche Stellung in Europa wiederherzustellen“, heißt es in der am Montag in London veröffentlichten Gründungserklärung der neuen Gruppierung Renew (Erneuern). Sie will bei der kommenden Unterhauswahl antreten.

          Renew wolle jenen Wählern eine Heimat bieten, „die sich derzeit politisch heimatlos fühlen“, sagte James Clarke, einer der drei Ko-Vorsitzenden. Seine Gruppierung wolle sich an der neuen Bewegung orientieren, die in Frankreich den proeuropäischen Jungpolitiker Emmanuel Macron ins Präsidentenamt getragen hat. „Macron hat gezeigt, dass man in einer kurzen Zeit Außerordentliches leisten kann“, sagte Clarke.

          Renew verfügt nach eigenen Angaben bereits über rund 450 Interessenten, die in einem der 650 britischen Wahlkreise kandidieren wollen. Landesweit bekannte Namen finden sich allerdings nicht darunter. Ko-Parteichef Clarke sah darin aber kein Problem: „Renew betreibt keinen Personenkult, wir wollen kein Vehikel für die Ambitionen von Politikern sein“, sagte er zu AFP in London.

          Die nächste Parlamentswahl ist regulär für 2022 vorgesehen, wobei ein früherer Termin wegen der schwächelnden Regierung von Theresa May nicht ausgeschlossen wird. Die ursprüngliche Gründung von Renew geht auf den ehemaligen Banker Chris Coghlan zurück. Er kandidierte bei der Parlamentswahl im Juni 2017 auf der Liste als unabhängiger Anti-Brexit-Kandidat im Süden Londons und belegte dort den vierten Rang.

          Vorsichtiger Stimmungsumschwung

          In den vergangenen Wochen haben sich verschiedene Anti-Brexit-Initiativen gebildet. Sie wollen den Volksentscheid vom 23. Juni 2016 rückgängig machen, der eine Mehrheit von fast 52 Prozent für den Ausstieg aus der EU ergab.

          Der Austritt Großbritanniens aus der EU ist für März 2019 vorgesehen. Meinungsumfragen stellen seit einiger Zeit einen vorsichtigen Umschwung zugunsten eines Verbleibs Großbritanniens in der Europäischen Union fest.

          Der amerikanische Milliardär George Soros unterstützte eine britische Pro-EU-Kampagne namens „Best for Britain“ mit umgerechnet knapp einer halben Million Euro. Der ehemalige Labour-Politiker Andrew Adonis, ein Mitglied des Oberhauses, startete eine eigene Anti-Brexit-Kampagne an der Seite einer Jugendgruppe namens „Our Future, Our Choice“.

          Die neue Partei Renew will sich besonders um die Probleme kümmern, die ihrer Meinung nach zum Sieg des Brexit-Lagers führten. Sie setzt sich für eine Erhöhung des Mindestlohns, mehr bezahlbaren Wohnraum und bessere Infrastrukturen ein. Außerdem will sie sich darum kümmern, dass die Einwanderungsfrage besser geregelt wird.

          Weitere Themen

          Auf Augenhöhe mit Olaf Scholz

          Britta Ernst im Porträt : Auf Augenhöhe mit Olaf Scholz

          Seit langem sind sie ein Paar: Olaf Scholz und Britta Ernst. In der SPD hat die Ehefrau des Kanzlers eine eigene erfolgreiche Karriere gemacht. Eine First Lady will die Bildungsministerin von Brandenburg nicht sein.

          Topmeldungen

          Gleichberechtigung ist das A und O ihrer Partnerschaft und Ehe: Britta Ernst und Olaf Scholz

          Britta Ernst im Porträt : Auf Augenhöhe mit Olaf Scholz

          Seit langem sind sie ein Paar: Olaf Scholz und Britta Ernst. In der SPD hat die Ehefrau des Kanzlers eine eigene erfolgreiche Karriere gemacht. Eine First Lady will die Bildungsministerin von Brandenburg nicht sein.
          Hart verteidigte Fakten: Joschka Fischer ließ sich von Donald Rumsfelds manipulierten Wahrheiten nicht von der Notwendigkeit des Irak-Kriegs überzeugen

          Postfaktische Demokratie? : Bleiben wir bei den Fakten

          Hat die Politik noch einen Bezug zu den Fakten? Nach einer Studie der Universität Bamberg bezweifeln das vor allem Politiker selbst. Die Empörung darüber lässt allerdings nicht nach.