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Neue OSZE-Generalsekretärin : Mediation ist Schmids Stärke

Helga Maria Schmid ist designierte OSZE-Generalsekretärin Bild: Europäischer Auswärtiger Dienst

Heikle Missionen ist sie gewohnt. Bald übernimmt Helga Maria Schmid eine Organisation, deren Zerstrittenheit ihre Amtsvorgängerin an den Kalten Krieg erinnert. Welche Schwerpunkte wird sie setzen? Ein Porträt.

          2 Min.

          In Europa führt die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) ein Schattendasein. Warum das so ist, brachte der gegenwärtige Vorsitzende, der albanische Ministerpräsident Edi Rama, gerade treffend auf den Punkt: „Unsere Prinzipien werden nicht respektiert, unsere Verpflichtungen werden nicht umgesetzt.“ Die Konfrontation unter den 57 Mitgliedstaaten erinnere ihn an den Kalten Krieg. Es reichen die Stichworte Ukraine, Belarus und Berg-Karabach. Das ist jetzt das neue Arbeitsumfeld von Helga Maria Schmid, die am Freitag zur neuen Generalsekretärin der Organisation ernannt worden ist. Die deutsche Diplomatin, die kommende Woche sechzig Jahre alt wird, tritt ihr neues Amt voraussichtlich Anfang Januar an. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten.

          Thomas Gutschker

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Heikle Missionen ist Schmid gewohnt. In den vergangenen Jahren war ihr Name vor allem mit dem Iran-Atomabkommen verbunden. Als Spitzenvertreterin des Europäischen Auswärtigen Dienstes handelte sie den Vertrag 2015 auf Beamtenebene aus. Danach führte sie die Gemeinsame Kommission der Vertragsstaaten, die das Abkommen überwacht. Da folgte dann Nackenschlag auf Nackenschlag, weil der Konflikt zwischen Amerika und Iran das Abkommen aushöhlte. Schmid versuchte zu retten, was zu retten war. Mediation ist ihre Stärke.

          Helfen könnten ihr ein großes Netzwerk und Vertrauen

          Seit 2016 stand sie an der Spitze der europäischen Diplomatie und war dort für 3000 Mitarbeiter verantwortlich. Ähnlich viele werden es künftig bei der OSZE sein. Für Schmid schließt sich mit der neuen Aufgabe ein Kreis. Als sie 1990 gerade in den Auswärtigen Dienst eingetreten war, gehörte sie zur deutschen Delegation beim Gipfeltreffen der KSZE, wie es da noch hieß. Mit der Charta von Paris wurde damals der Kalte Krieg feierlich für beendet erklärt. Die Hoffnungen, die sich damit verbanden, insbesondere auf eine Integration Russlands, erfüllten sich freilich nicht.

          In den nächsten Jahren muss Schmid versuchen, die Organisation als Vermittlerin in den Konflikten zwischen Russland und der Ukraine, Aserbaidschan und Armenien wieder zu stärken. Sie selbst will einen Schwerpunkt auf die Konfliktprävention legen. Da geht es auch um die Folgen des Klimawandels, etwa die Wasserknappheit in Zentralasien. Helfen könnten ihr das große Netzwerk und das Vertrauen, das sie sich in ihren 15 Jahren in Brüssel erworben hat. Nach Wien wechselt sie auch persönlich gerne. Schmid kennt die Stadt gut, dort waren oft Atom-Verhandlungen. Künftig wird sie auch mal ins Museum gehen können, sie hat ein Faible für Kunst. Außerdem ist sie ihrer bayerischen Heimat näher. Nach München, wo sie aufwuchs und studierte, und nach Regensburg hat sie enge Bindungen.

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