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Größte Freihandelszone : Trumps Scherbenhaufen

  • -Aktualisiert am

Die vietnamesischen Gastgeber präsentieren das neue Freihandelsabkommen. Bild: dpa

Donald Trump hat ein pazifisches Freihandelsabkommen gekündigt. Jetzt präsentiert Peking ein eigenes. Und Joe Biden darf die Scherben zusammenkehren.

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          Wenige Wochen vor dem Ende der Amtszeit Donald Trumps wird den Vereinigten Staaten eine besonders hohe Rechnung für die wenig durchdachte Politik dieses Präsidenten präsentiert. Unter Führung Chinas schließen sich die Staaten des südostasiatischen Asean-Verbundes sowie Japan und andere asiatische und pazifische Staaten zur größten Freihandelszone der Welt zusammen.

          Wie China „Führung“ versteht, wissen viele der Staaten, die bei dem neuen Abkommen mitmachen, nur zu genau. Die Territorialstreitigkeiten im Südchinesischen Meer, wo China internationale Gerichtsurteile souverän ignoriert, sind nur ein Beispiel.

          Dass der Umgang Pekings mit Schwächeren trotzdem nicht abschreckend genug war, ist zum einen völlig verständlich, andererseits aber eben auch eine indirekte Auswirkung des Trump’schen Kurses der „Abkopplung“ der Vereinigten Staaten vom Rest der Welt.

          Südostasiaten hoffen auf Vertragstreue Chinas

          Die Südostasiaten und die anderen Mitglieder des neuen Zusammenschlusses hatten ökonomisch kaum eine andere Wahl. Sie müssen nun freilich hoffen, dass sich China an die Regeln hält, die in dem Abkommen festgeschrieben sind. Dass solches Wohlverhalten durchaus nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden darf, haben innerhalb der vergangenen Monate vor allem die Bürger in Hongkong schmerzhaft erfahren.

          Wie eine ferne Erinnerung wirkt das vor Jahren fertig ausgehandelte Transpazifische Freihandelsabkommen, mit dem die Vereinigten Staaten hofften, China zumindest etwas im Zaum halten zu können. Diesen Vertrag hat aber der Immobilienkaufmann aus New York, der sich immer noch für den größten Präsidenten der Geschichte hält, gleich zu Beginn seiner Amtszeit mit großer Geste gekündigt.

          Die Scherben, die Donald Trump hinterlassen hat, muss jetzt sein Nachfolger Joe Biden zusammenkehren. Das ist keine Aufgabe, um die man den gewählten Präsidenten beneiden sollte. Europa, das zumindest in der Handelspolitik für sich eine wichtige Stellung in der Welt beanspruchen darf, sollte Biden dabei unterstützen.

          Peter Sturm
          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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