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Zwangsarbeiter entschädigen : In Korea ruht die Vergangenheit nicht

Letzter überlebender Kläger: Der 94 Jahre alte Lee Chun-sik wird am Dienstag zur Urteilsverkündung in Seoul gebracht. Bild: EPA

Die Frage von Entschädigungen für Japans koloniale Verbrechen steht bis heute zwischen Seoul und Tokio – jetzt erhält sie neue Nahrung durch ein Gerichtsurteil. Dabei müssten die Staaten vor allem in Hinblick auf Nordkorea kooperieren.

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          Die angespannten Beziehungen zwischen Japan und Südkorea stehen vor einer neuen Belastungsprobe. Es geht wie immer um die Aufarbeitung der Geschichte, um die japanische koloniale Besetzung Koreas bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Das Oberste Gericht Südkoreas entschied am Dienstag in einem Urteil mit Präzedenzcharakter, dass das japanische Unternehmen Nippon Steel & Sumitomo Metal vier ehemalige südkoreanische Zwangsarbeiter entschädigen muss. Das Gericht erhielt ein früheres Urteil aufrecht und sprach den Klägern eine Entschädigung von je 100 Million Won (77.000 Euro) zu. Damit endet nach 13 Jahren der Rechtsstreit mit einem Erfolg der Kläger, von denen mittlerweile nur noch einer lebt.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Ausgestanden ist die Sache aber noch lange nicht. Die japanische Regierung reagierte ohne Verzug: Außenminister Taro Kono bestellte den koreanischen Botschafter ein und sagte, die Entscheidung des Gerichts sei „extrem bedauerlich und völlig unakzeptabel“. Tokio verlangt von Seoul sofortiges Handeln, um den internationalen Rechtsbruch zu heilen. Die Regierung droht, ansonsten vor ein internationales Gericht zu ziehen. Japan wirft Korea vor, einen bilateralen Vertrag zu brechen und die rechtliche Basis über Bord zu werfen, auf der beide Länder ihre freundschaftlichen Beziehungen seit der Normalisierung der diplomatischen Beziehungen 1965 entwickelt hätten. Südkoreas Ministerpräsident Lee Nak-yon teilte am Dienstag indessen wie schon früher Präsident Moon Jae-in mit, dass die Regierung das Urteil des Gerichts respektiere.

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