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Getöteter Afroamerikaner : Neue Aufnahmen zeigen letzte Minuten von George Floyd

  • Aktualisiert am

Der Rechtsanwalt der Familie von Floyd, Ben Crump, spricht auf der Pressekonferenz, nachdem die Zivilklage gegen die Stadt Minneapolis und die Polizeibeamten bekanntgeben wurde. Bild: AFP

Bislang unveröffentlichtes Videomaterial gibt neue Einblicke in die Momente kurz vor Floyds Tod. Der Anwalt der Familie sagt, er sei gestorben, „weil das Gewicht der gesamten Polizei von Minneapolis auf seinem Hals war“.

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          Die Familie des getöteten Schwarzen George Floyd hat die in dem Fall beschuldigten Polizisten und die amerikanische Stadt Minneapolis verklagt. In der am Mittwoch eingereichten Klage warfen die Angehörigen den vier Männern vor, Floyds Grundrechte verletzt zu haben, als sie ihn bei seiner Festnahme Ende Mai brutal festhielten. Die Stadt Minneapolis, in der es zu dem tödlichen Einsatz kam, beschuldigten sie, in ihrer Polizei eine Kultur exzessiver Gewaltanwendung, Rassismus und Straflosigkeit für die Verantwortlichen gewähren haben zu lassen.

          Einer der vier Beamten drückte Floyd sein Knie fast neun Minuten lang in den Hals und hörte auch nicht auf damit, als der Mann am Boden mehrfach sagte, er könne nicht atmen. Er wurde bereits wegen der Tötung von Floyd angeklagt, die drei anderen beteiligten Polizisten wegen Beihilfe.

          „Diese Klage zeigt, was wir immer schon gesagt haben: dass Herr Floyd gestorben ist, weil das Gewicht der gesamten Polizei von Minneapolis auf seinem Hals war“, sagte Anwalt Ben Crump. Ziel sei es, einen Präzedenzfall zu schaffen, der es Polizisten auch in finanzieller Hinsicht verbiete, Randgruppen unrechtmäßigerweise zu töten.

          Szenen kurz vor Floyds Tod

          Derweil gibt bis dahin unveröffentlichtes Videomaterial, das von den Körperkameras umstehender Polizisten aufgenommen wurde, weitere Einblicke in die letzten Minuten im Leben von Geroge Floyd. Wie der Fernsehsender „CNN“ berichtet, ist darauf zu sehen, dass Floyds letzte Worte „Ich kann nicht atmen“ waren. Dieser Satz hatte in dem vergangene Woche veröffentlichten Transkript der Ereignisse gefehlt.

          Die beiden Videos beginnen nach Angaben des Senders damit, dass die Beamten Thomas Lane und J. Alexander Kueng zu einem Polizeieinsatz wegen einer gefälschten Dollar-Note fahren. Anschließend ist zu sehen, dass die Polizeibeamten an der Tür des Wagens stehen, in dem George Floyd sitzt. Nach einem ersten Klopfen mit einer Taschenlampe an das Auto, brüllt einer der Beamten: „Nehmen Sie sofort Ihre verdammten Hände hoch!“ Floyd schluchzt verängstigt und legt kurze Zeit später seinen Kopf auf das Lenkrad des Wagens.

          Etwa drei Minuten nach Beginn des Videos wird Floyd gewaltsam aus dem Auto gezogen, während die Beamten versuchen, ihm Handschellen anzulegen. Anschließend kommt es zum Gerangel bei dem Versuch, Floyd in den Streifenwagen zu setzen. Einer der beiden Polizisten versucht, Floyd in das Auto zu drücken, während der zweite Beamte um das Auto herum geht, und von der anderen Seite an Floyd zerrt. Dabei zieht er ihn durch das Auto hindurch.

          Kurz darauf tauchen zwei weitere Polizisten auf – darunter auch Derek Chauvin, unter dessen Knie George Floyd zu Tode kam – und helfen dabei, Floyd zu fixieren. Elf Minuten und 23 Sekunden nach dem Start des Videos ist zu sehen, wie Chauvin beginnt, mit seinem Knie auf Floyds Hals zu drücken. Zu diesem Zeitpunkt trägt Floyd bereits Handschellen. Mehrmals sagt Floyd anschließend er könnte nicht atmen. Das zeigen auch zuvor veröffentlichten Handyaufnahmen des Geschehens. 16 Minuten nach Beginn der Aufzeichnung sind Floyds letzte Worte zu hören: „Mann, ich kann nicht atmen“.

          Floyds Tod hatte Proteste und Unruhen in den gesamten Vereinigten Staaten ausgelöst. In Minneapolis wird erwogen, die Polizeitruppe aufzulösen und durch eine neue Behörde zu ersetzen.

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