https://www.faz.net/-gpf-9hsi8

Auf Verlangen Israels : Deutschland soll Förderung für Jüdisches Museum einstellen

Israel als Frage der Perspektive: Modell des Felsendoms in der Berliner Ausstellung. Bild: EPA

Israel verlangt von Deutschland, dem Jüdischen Museum Berlin die Mittel zu kürzen, gleichzeitig arbeitet Netanjahu mit Ungarn an einem fragwürdigen Holocaust-Museum. Noch immer will er die Darstellungen Israels voll kontrollieren.

          4 Min.

          Benjamin Netanjahu nahm die Sache selbst in die Hand. Während der israelisch-deutschen Regierungskonsultationen im Oktober übergab der Ministerpräsident ein Papier an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Es ist nicht gezeichnet. Deutschland wird in dem Dokument aufgefordert, seine Unterstützung für Nichtregierungsorganisationen einzustellen, die „antiisraelische Aktivitäten befördern“. Die meisten der sodann genannten, in Israel nach israelischem Recht registrierten Organisationen stehen schon lange im Visier der Regierung in Jerusalem. Zum Beispiel ist die besatzungskritische Veteranenorganisation „Breaking the Silence“ darunter, mit deren Vertretern sich der damalige Außenminister Sigmar Gabriel vergangenes Jahr traf, weshalb Netanjahu ihn dann nicht empfing.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Überraschender war für die Bundesregierung ein weiterer angeblicher Urheber „antiisraelischer Aktivitäten“, welche die Bundesregierung unterbinden möge: das Jüdische Museum in Berlin. „Das Jüdische Museum, das nicht mit der Jüdischen Gemeinschaft verbunden ist, hält häufig Veranstaltungen mit prominenten BDS-Unterstützern ab“, heißt es in dem Papier, das dieser Zeitung vorliegt; das Kürzel steht für die israelkritische Bewegung „Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen“. Außerdem beschwerte sich die israelische Seite in dem Dokument über eine Ausstellung des Museums, die schon seit gut einem Jahr läuft: „Kürzlich zeigte das Museum eine Ausstellung über Jerusalem, die hauptsächlich das muslimisch-palästinensische Narrativ wiedergab.“

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            im F.A.Z. Digitalpaket

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Streit mit Twitter : Zuckerberg stellt sich hinter Trump

          Die Plattformen sollten nicht der „Schiedsrichter der Wahrheit“ sein, sagt Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und positioniert sich damit im Streit zwischen Twitter und Trump. Twitter-Chef Jack Dorsey kontert prompt.
          Der berühmteste Berg der Schweiz: Das Matterhorn

          Renationalisierung : Zuerst die Schweiz?

          Just in diesen heiklen Tagen und Wochen melden sich die Protektionisten zurück und rufen: Zuerst die Schweiz! Dabei hätte eine Renationalisierung für das kleine Hochlohnland schwere Folgen.