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Korruptionsaffäre : Die Freunde und Feinde Netanjahus

Der amerikanische Kasinomilliardär Sheldon Adelson brachte Netanjahu mehr Erfolg. Adelson und Netanjahu kennen sich seit Jahrzehnten, und 2007 gründete der greise Adelson die Zeitung „Israel Hajom“, ein Gratisblatt, das eine große Mannschaft zum Teil schon bekannte Journalisten anstellte, diese gut bezahlte und eine thematisch breitgefächerte Berichterstattung darbot – mit der Bewandtnis, dass diese genau auf die politische Linie Netanjahus zugeschnitten war. Die Investition zahlte sich aus: 2009 wurde Netanjahu wieder zum Ministerpräsidenten gewählt. Ermittlungen brachten zutage, dass Netanjahu allein zwischen 2010 und 2015 insgesamt dreihundert Mal mit dem Chefredakteur der Zeitung telefoniert hat.

„Israel Hajom“ sorgte für ein Erdbeben im israelischen Zeitungsmarkt. Vor allem der bisherige Marktführer „Yedioth Ahronoth“ sah seine Pfründe wegbrechen. Die politisch zentristische Tageszeitung und ihre Website haben Gewicht im bürgerlichen Israel, und wie viele Medien stand auch „Yedioth Ahronoth“ Netanjahu kritisch gegenüber. Vor der Wahl 2015 traf sich dessen Herausgeber Arnon Mozes mehrfach mit Netanjahu. Den Ermittlungen zufolge besprachen die beiden, dass Mozes dafür sorge, die Berichterstattung Netanjahu genehmer zu gestalten, während der im Gegenzug dafür sorge, dass die Auflage von „Israel Hajom“ reduziert werde. Dazu kam es in beiden Fällen nicht, aber für die israelische Polizei reichen die bekannten Geschehnisse aus, eine Anklage zu empfehlen.

Reiche Freunde aus Amerika

Netan­ja­hus Va­ter Ben­zi­on sag­te 1998 über Bi­bi: „Ihm ge­lingt es nicht im­mer, sich die an­ge­mes­sens­ten Leu­te aus­zu­su­chen.“ Seit Jah­ren um­gibt sich Netan­ja­hu mit rech­ten, in Ame­ri­ka ge­bo­re­nen Ver­trau­ten, et­wa dem in Mia­mi ge­bo­re­nen Ron Der­mer, Is­ra­els heu­ti­gem Bot­schaf­ter in Ame­ri­ka, oder dem Ka­li­for­ni­er Ari Ha­row, der nach dem Wehr­dienst in Is­ra­el in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten Spen­den für den Li­kud ein­warb, bis er Netan­ja­hus Be­ra­ter wur­de. Der Kon­takt Netan­ja­hus zu Mil­lio­nä­ren und Mil­li­ar­dä­ren in Ame­ri­ka blieb be­ste­hen. Sie fi­nan­zier­ten den größ­ten Teil sei­ner Wahl­kämp­fe. Heu­te hat sich Ha­row, der selbst un­ter Kor­rup­ti­ons­er­mitt­lun­gen steht, als Be­las­tungs­zeu­ge im Fall der Zei­tungs­ab­spra­chen zur Ver­fü­gung ge­stellt – er hat­te ei­ni­ge der Ge­sprä­che zwi­schen Netan­ja­hu und Her­aus­ge­ber Mo­zes mit sei­nem Te­le­fon auf­ge­zeich­net.

Ein an­de­rer aus Ame­ri­ka Zu­rück­ge­kehr­ter ist Nafta­li Ben­nett, der mit ei­ner Soft­ware­fir­ma in New York zum mehr­fa­chen Mil­lio­när wur­de, nach Is­ra­el zu­rück­ging und spä­ter Netan­ja­hus Bü­ro­lei­ter wur­de. Sei­nen bal­di­gen Ab­gang be­grün­de­te Ben­nett spä­ter mit der Ein­fluss­nah­me Sa­ra Netan­ja­hus, die ihm un­ter an­de­rem die Herr­schaft über den Ter­min­ka­len­der strei­tig mach­te. Heu­te ist Ben­nett der Vor­sit­zen­de der Sied­ler­par­tei, die mit dem Li­kud ko­aliert – und von der Netan­ja­hus Zu­kunft min­des­tens eben­so sehr ab­hängt wie von den Kor­rup­ti­ons­er­mitt­lun­gen. Die um­fas­sen noch ei­nen wei­te­ren of­fe­nen Fall: Zum Er­werb deut­scher Un­ter­see­boo­te wird ge­gen Netan­ja­hus Nach­barn so­wie sei­nen An­walt und Cou­sin er­mit­telt un­ter dem Ver­dacht, Schmier­geld er­hal­ten zu ha­ben. Wann die Po­li­zei die­se Er­geb­nis­se prä­sen­tiert, ist un­ge­wiss.

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