https://www.faz.net/-gpf-974qx

Korruptionsaffäre : Die Freunde und Feinde Netanjahus

Im vergangenen September entschied der Generalstaatsanwalt, Sarah Netanjahu für die Verschwendung von 100.000 Dollar Steuergeld anzuklagen, das sie für die Lieferung edler Gerichte von auswärtigen Restaurants ausgegeben hatte, obwohl den Netanjahus bereits zwei vom Staat bezahlte Privatköche zur Verfügung stehen. Vorwürfe und Ermittlungen, dass die Netanjahus Steuergelder oder Mittel reicher Gönner für ihren hedonistischen Lebensstil empfangen haben, ziehen sich durch Netanjahus politisches Leben, seit er mit Sara zusammen ist. Ein Jerusalemer Bauunternehmer erhielt vom Staat eine halbe Million Schekel für Renovierungsarbeiten im damaligen Privathaus der Netanjahus, Zeitungsberichten zufolge auch für Arbeiten im Hause der Eltern von Sara Netanjahu. Im Zuge der Ermittlungen kam zutage, dass der Bauunternehmer während der ersten Amtszeit Netanjahus lukrative Staatsaufträge bekommen hatte, von denen die Netanjahus nichts gewusst haben wollten.

Der Ministerpräsident macht die Medien verantwortlich

Einer der letzten Aufträge bestand indes darin, nahezu tausend Geschenke, die der Ministerpräsident auf Staatsbesuchen bekommen hatte, auf Geheiß Saras fortzuschaffen. Nach israelischem Recht stehen diese Geschenke dem Staat zu. Ermittler stellten unter Begleitung von Fernsehkameras später 700 Staatsgeschenke sicher, 150 sind bis heute verschollen.

Israelis demonstrieren in Tel Aviv gegen staatliche Korruption.
Israelis demonstrieren in Tel Aviv gegen staatliche Korruption. : Bild: EPA

Schon damals stand das Ehepaar Netanjahu vor einer Anklage, und schon damals gab Benjamin Netanjahu den Medien und politischen Konkurrenten die Schuld, die ihm nach seiner Wahlniederlage im Jahr 2000 die Rückkehr unmöglich machen wollten. Zu diesen politischen Konkurrenten zählte Netanjahu schon damals auch die „linken“ Ermittlungsbehörden. „Ich weiß, dass Ihr alles Linke seid“, soll Netanjahu beim Besuch des Polizeihauptquartiers in Jerusalem vor Jahren gesagt haben, als er auf dem Gang ein Foto des ermordeten Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin sah, wie der Journalist Anshel Pfeffer schreibt. Damals waren es andere Ermittler und ein anderer Polizeichef. Netanjahus Verteidigung ist dieselbe.

Den Begriff „Fake News“ hat auch Netanjahu längst im Standardrepertoire. Seit seiner Wahlniederlage 1999 sieht er sich einer Medienkampagne gegenüber von Journalisten, die die Großartigkeit seines Regierens verkennen würden. Die liberalen Zeitung „Haaretz“ verachtet Netanjahu offen. Die Lösung fand Netanjahu schließlich darin, seine reichen amerikanischen Freunde zu überzeugen, selbst in Medienunternehmen zu investieren.

Erdbeben auf dem Zeitungsmarkt

Der Kosmetikunternehmer Ronald Lauder kaufte die Mehrheitsanteile am Sender Kanal 10, ohne dass die dort angestellten Journalisten jedoch in Hofberichterstattung verfielen. Die Freundschaft zu Lauder soll erkaltet sein, als sich Lauder weigerte, seine Journalisten zu zwingen, nicht mehr über „Bibitours“ zu berichten – ein weiterer Fall an der Schwelle zur Korruption, der die Bezahlung teurer Reisen für den Ministerpräsidenten und seine Familie durch reiche Gönner betraf.

Weitere Themen

Attentat nach dem Kalender

Angriff in Iran : Attentat nach dem Kalender

Bis Biden kommt, will Israel die Fähigkeiten Irans soweit es geht schwächen – und die angekündigten Verhandlungen über ein wiederaufgelegtes Atomabkommen verderben.

Meuthen startet Angriff auf rechtes Lager Video-Seite öffnen

AfD-Parteitag : Meuthen startet Angriff auf rechtes Lager

Auf dem AfD-Bundesparteitag hat Parteichef Jörg Meuthen einen Frontalangriff auf das rechte Lager gestartet. In seiner Rede in Kalkar kritisierte er eine zunehmend radikale Wortwahl und warnte vor der Nähe zur Querdenken-Bewegung.

Topmeldungen

Unser Autor: Oliver Georgi

F.A.Z.-Newsletter : Die Spielchen des Markus Söder

Viele Karten sind im Spiel, wenn es um den künftigen Vorsitz der Union geht. Eine trägt sicherlich den Namen von CSU-Chef Markus Söder. Der gab sich bei der Jungen Union vielsagend zu dieser Frage. Der Newsletter für Deutschland.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.