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Netanjahu bei Obama : Noch mehr wäre noch schöner gewesen

Netanjahu dürfte nach seiner Amerikareise zufrieden nach Israel zurückkehren Bild: REUTERS

Netanjahu hätte mit Obama gern einen Zeitplan für einen Iran-Angriff vereinbart. Doch für die amerikanische Regierung ist der Beschluss Teherans ausschlaggebend, eine Bombe zu bauen - und der sei noch nicht gefallen.

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          Pünktlich zum Beginn des jüdischen Purimfestes dürfte an diesem Mittwoch ein zufriedener Benjamin Netanjahu in Tel Aviv landen. Den israelischen Karneval wird der Regierungschef zwar nicht ausgelassen mitfeiern. Doch seine Washington-Reise sieht er als vollen Erfolg. Am Dienstag gehörte die palästinensische Politikerin Hanan Aschrawi zu den wenigen Politikern in der Region, die sich kritisch zur Wort meldete. Sie bemängelte, dass der Konflikt mit den Palästinensern in Washington völlig in den Hintergrund geraten sei, nur weil von ihnen keine Gefahr ausgehe wie derzeit von Iran. In Israel hielten sich Regierungsmitglieder an das Schweigegebot, das Netanjahu vor gut einer Woche erlassen hatte. Nur sein Stellvertreter Dan Meridor lobte, die amerikanischen Zusage, Iran an der nuklearen Aufrüstung zu hindern, als eine „wichtige Botschaft“ an die Iraner.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Freilich hätte die israelische Führung gerne noch mehr von Präsident Barack Obama bekommen. Tagelang wurde vor dem Gipfeltreffen um eine gemeinsame Abschlusserklärung gerungen. Darin sollten nach israelischen Wünschen ein möglichst verbindlicher Zeitplan stehen und weniger von einer diplomatischen Lösung die Rede sein, zu der der amerikanische Präsident aufrief. Aus Netanjahus Umgebung hieß es zwar, er habe Obama versichert, dass in Jerusalem noch keine Entscheidung über einen Angriff gefallen sei. Doch das könnte bald der Fall sein, denn aus israelischer Sicht wird die Zeit knapp.

          Gespanntes Verhältnis: Israels Ministerpräsident Netanjahu (rechts) bei dem amerikanischen Präsidenten Obama
          Gespanntes Verhältnis: Israels Ministerpräsident Netanjahu (rechts) bei dem amerikanischen Präsidenten Obama : Bild: dpa

          Man würde am liebsten militärisch aktiv werden, bevor Iran technologisch in der Lage ist, eine Atombombe zu bauen. Dann könnte das Mullah-Regime beginnen, alles in kaum zerstörbare Bunkeranlagen zu verlegen und erst einmal abwarten. Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak spricht von einer „Immunitätszone“, die Teheran noch vor Jahresende erreichen könnte. Für die amerikanische Regierung ist dagegen der Beschluss der iranischen Führung ausschlaggebend, eine Bombe zu bauen - und der sei noch nicht gefallen. Washington hat militärisch mehr Möglichkeiten als Israel, dem sich das „Fenster“ für einen Luftschlag demnach schneller schließen könnte als für die Großmacht Amerika.

          Schon lange vor Netanjahus Erinnerung an Auschwitz vor der Aipac-Konferenz hatten israelische Politiker und Militärs klargestellt: Wenn es um das Überleben Israels geht, werde man sich von niemandem abhängig machen - auch nicht von den Partnern in Washington. In Israel erwarten Sicherheitsfachleute, dass sich der amerikanische Zorn im Falle eines Alleingangs in Grenzen halten wird. Man erinnert dabei an das israelische Bombardement des irakischen Reaktors Osirak im Jahr 1981 und einer im Bau befindlichen syrischen Atomanlage 2007. Beide Militäraktionen belasteten das enge Verhältnis nicht dauerhaft.

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