https://www.faz.net/-gpf-97v7k

Nervengift-Angriff : Ärzte befürchten Tod von russischem Agenten

  • Aktualisiert am

Der ehemalige russische Agent Sergej Skripal in einem Gericht in Moskau im August 2006 Bild: Reuters

Die Aussichten auf eine Genesung des ehemaligen russischen Doppelagenten seien laut Medienberichten eher düster. Fortschritte scheinen die Behörden bei der Suche nach dem benutzten Gift zu machen.

          Nach dem Nervengift-Anschlag in Großbritannien bangen die Ärzte laut Medienberichten um das Leben der Opfer. Die Londoner „Times“ berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, der Zustand des früheren russischen Agenten Sergej Skripal sei besonders ernst: „Die Befürchtung ist, dass er es nicht schaffen wird“, zitierte die Zeitung eine ungenannte Regierungsquelle. Für Skripals Tochter Julija und den Polizisten, der den beiden zu Hilfe kam, gebe es mehr Hoffnung. Alle drei liegen derzeit im Koma.

          Bei dem Attentat ist ein sehr seltenes Nervengift verwendet worden. Das sagte die britische Innenministerin Amber Rudd am Donnerstag in einem Interview mit dem BBC-Radio. Welches Gift genau zum Einsatz kam, wollte Rudd nicht sagen. Einem BBC-Bericht zufolge handelt es sich weder um Sarin, das einem UN-Bericht zufolge zuletzt im Syrienkrieg zum Einsatz kam, noch um VX, mit dem im vergangenen Jahr der Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un getötet wurde.

          Nervengifte greifen das Nervensystem an und legen die Funktion lebenswichtiger Organe lahm. Die britischen Ermittler versuchen nun herauszufinden, wo der betreffende Stoff hergestellt wurde. Fachleuten zufolge gibt es nur wenige Labore auf der ganzen Welt, die dazu in der Lage sind.

          Der frühere russische Geheimagent Skripal und seine Tochter waren am Sonntag bewusstlos, aber ohne sichtbare Verletzungen, auf einer Bank vor einem Einkaufszentrum im englischen Salisbury südwestlich von London gefunden worden. Der 66 Jahre alte ehemalige Doppelagent und seine 33 Jahre alte Tochter wurden in ein Krankenhaus in Salisbury eingeliefert. Die britische Polizei geht von einem Mordversuch mit Nervengift aus.

          Skripal war 2006 in Russland wegen des Vorwurfs der Spionage für Großbritannien zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Er soll russische Agenten an den britischen Geheimdienst MI6 verraten haben. Im Zuge eines Gefangenenaustauschs zwischen Russland und den Vereinigten Staaten kam er 2010 nach Großbritannien.

          Während die Polizei erklärte, in alle Richtungen zu ermitteln, hatte der britische Außenminister Boris Johnson eine „angemessene und robuste“ Antwort seiner Regierung angekündigt, sollte ein Staat hinter der Attacke stecken. In diesem Zusammenhang nannte er Russland. Moskau erklärte, über keinerlei Informationen über den „tragischen“ Vorfall zu verfügen. Das russische Außenministerium prangerte eine „anti-russische Kampagne“ an.

          Weitere Themen

          Mächtig, aber unbeliebt

          Umfrage zu Russland : Mächtig, aber unbeliebt

          Wer Macht hat, ist nicht automatisch beliebt. Auf Russland trifft das zu, wie eine neue Umfrage des Pew-Instituts zeigt. Auf den zweiten Blick offenbaren sich interessante Unterschiede unter den Befragten.

          Topmeldungen

          Umfrage zu Russland : Mächtig, aber unbeliebt

          Wer Macht hat, ist nicht automatisch beliebt. Auf Russland trifft das zu, wie eine neue Umfrage des Pew-Instituts zeigt. Auf den zweiten Blick offenbaren sich interessante Unterschiede unter den Befragten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.