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Nawalnyjs Wahl-Strategie : Mit Schlauheit gegen den Kreml

Wahlwerbung für „Einiges Russland“ in Nowosibirsk Bild: AFP

In den russischen Regionalwahlen wollen Nawalnyjs Mitstreiter der Kreml-Partei das Leben schwermachen: durch „kluges Abstimmen“. Die Machthaber reagieren mit Schikane und Attacken.

          4 Min.

          Wahlkampf in Russland ist für Rivalen der Machthaber oft buchstäblich ein Kampf. Am Dienstagmorgen erlebten das Unterstützer und Mitglieder des Oppositionsbündnisses „Nowosibirsk 2020“ in dieser mit mehr als eineinhalb Millionen Einwohnern drittgrößten Stadt des Landes. Gerade fand eine Schulung für Beobachter der Wahl zum Stadtrat statt, die an diesem Freitag beginnt und am Sonntag endet, als ein Mann mit Maske und Kapuze in den Raum stürmte und ein Fläschchen mit einer Flüssigkeit auf den Boden schleuderte. Der Angreifer und ein weiterer Mann, der ihm ausweislich der Videoüberwachung die Tür aufhielt, flohen, während im Raum ein Antiseptikum, das Tierärzte verwenden, seine immunsystemstimulierende Wirkung entfaltete und stank. Die Angegriffenen klagten über Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit, erhöhte Temperatur.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Die Beobachterschulung fand in der Vertretung des Oppositionellen Aleksej Nawalnyj statt. Denn um den Leiter von dessen Nowosibirsker „Stab“, den 37 Jahre alten IT-Spezialisten Sergej Bojko, hat sich die Koalition „Nowosibirsk 2020“ gebildet. Sie stellt 31 Kandidaten für die 50 Sitze im Stadtrat. Unter ihnen sind Mitstreiter Nawalnyjs, dem die Gründung einer Partei verwehrt wird; solche der liberalen Partei Jabloko und anderer Parteien; zudem Aktivisten, die ihre Stadt verbessern und die Herrschaft der Machtpartei „Einiges Russland“ und deren Verbündeter brechen wollen. Das macht Feinde. Drei der attackierten Freiwilligen ging es so schlecht, dass sie sich behandeln lassen mussten. Doch die Ärzte im Krankenhaus, berichteten die Verletzten, seien sehr nervös geworden, als sie erfuhren, dass Letztere für Nawalnyj arbeiten. Demnach halfen die Mediziner widerwillig und erklärten, der Zustand der drei habe sich jeweils „wegen unterschiedlicher chronischer Krankheiten verschlechtert“.

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