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Nawalnyjs Ärztin : „Offensichtlich wollen sie Alexej hier umbringen“

Nawalnyjs Ärztin Anastassija Wassiljewa wird am Dienstag vor dem Straflagers in Pokrow von Polizisten festgehalten. Bild: dpa

Nawalnyjs Ärztin Anastassija Wassiljewa will vor seinem Straflager ausharren, bis sie zu dem russischen Oppositionellen vorgelassen wird. Die Nachrichten um ihn werden jeden Tag düsterer.

          2 Min.

          Anastassija Wassiljewa leitet nicht nur eine unabhängige Ärztegewerkschaft, die mit Alexej Nawalnyj zusammenarbeitet. Sie ist zudem Ärztin des inhaftierten russischen Oppositionsführers und hat selbst ständig Ärger mit der Justiz, die ihr zum Beispiel wegen eines Protestaufrufs einen Verstoß gegen „sanitär-epidemiologische Regeln“ vorwirft. Am Dienstag versuchte Wassiljewa, mit einigen Mitstreitern in die Strafkolonie in Pokrow hundert Kilometer östlich von Moskau vorgelassen zu werden. Dort wird Nawalnyj aufgrund eines Urteils, das der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte für willkürlich erachtet, seit Mitte März festgehalten.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Wassiljewa kam nach eigenen Angaben „nicht um zu protestieren, sondern um einen Menschen zu retten“. Denn die Nachrichten um Nawalnyj werden jeden Tag düsterer. Am Montagabend teilte die Strafvollzugsbehörde mit, er sei mit Anzeichen einer Atemwegserkrankung und Fieber auf die Krankenstation der Strafkolonie verlegt worden.

          Stunden zuvor war auf Nawalnyjs Instagram-Auftritt ein Beitrag in seinem Namen erschienen, in dem es hieß, aus seiner Abteilung würden drei von 15 Personen wegen Tuberkulose behandelt; die Krankheit ist in russischen Haftanstalten verbreitet. Nawalnyj selbst leide an starkem Husten und Fieber. Den am Mittwoch voriger Woche begonnenen Hungerstreik setze er fort. Nawalnyjs Anwältin Olga Michajlowa erläuterte, ihr Mandant sei entkräftet, habe in drei Wochen 13 Kilogramm Gewicht verloren.

          Der Kreml setzt auf Diskreditierung

          Schon vor Beginn des Hungerstreiks hatte Nawalnyj von seinem Ausgangsgewicht, 93 Kilogramm, angeblich acht Kilogramm verloren und dies damit erklärt, dass er als „fluchtanfällig“ nachts stündlich geweckt werde. Mit dem Hungerstreik will Nawalnyj erreichen, sein Recht auf Untersuchung durch einen Arzt seiner Wahl wahrnehmen zu können, denn er leide an starken Rückenschmerzen und Lähmungen in den Beinen.

          Die Ärztin Wassiljewa erklärte diese Symptome mit der Vergiftung mit dem Nervengift Nowitschok, die Nawalnyj im vergangenen August knapp überlebte. Doch die Anstaltsleitung weigerte sich am Dienstag, Wassiljewa zu empfangen oder auch nur eine Erklärung anzunehmen, laut der Ärztin mit der Begründung, das Papier könne das Coronavirus übertragen. „Offensichtlich wollen sie Alexej hier einfach umbringen“, sagte Wassiljewa vor der Strafkolonie und kündigte an, täglich wiederkommen.

          Doch kurz darauf wurden Wassiljewa, weitere Mediziner, Mitstreiter Nawalnyjs sowie mehrere Journalisten festgenommen, so ein Korrespondent des amerikanischen Senders CNN. Zugleich setzt der Kreml darauf, Nawalnyj zu diskreditieren: Vorige Woche besuchten mehrere Kreml-Medien die Strafkolonie in Pokrow und berichteten, dort sei es wie in einem Hotel, Nawalnyj simuliere.

          Agnès Callamard, die Generalsekretärin der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, twitterte, sie habe an Präsident Wladimir Putin geschrieben. Es sei eine realistische Erwartung, dass Russland Nawalnyj „einem langsamen Tod aussetzt“, er müsse Zugang zu einem Arzt bekommen und freigelassen werden. Putins Sprecher sagte nun, er wisse nicht, ob der Präsident einen Brief von Callamard erhalten habe.

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