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Navy Seal im Irak : Kriegsverbrecher in der Elite-Einheit?

  • -Aktualisiert am

Die Anklage-Dokumente, die sich Dave Philipps von der „New York Times“ beschaffte, umfassen 440 Seiten. Darunter sind Hunderte SMS-Nachrichten. „Diese Nachrichten haben uns einen fast noch nie dagewesenen Einblick gegeben“, sagte Philipps in einem Interview mit „Democracy Now“. „Darin gab es eine Fülle von Details, über Tötungen, über wahllose Schießereien.“ An einen Vertrauten schrieb G. demnach, die sieben Soldaten hätten sich bei den Falschen „ausgeweint“ und seien „Verräter“. Die Männer versuchten Philipps zufolge monatelang, die Taten zu melden und dabei die Befehlskette einzuhalten – und seien dabei immer frustrierter geworden.

Trump stellt sich hinter G.

Der Fall steht wie andere für eine Kriegsmaschinerie, in der Menschen außer Kontrolle geraten können und in der bei der anschließenden Aufarbeitung der Kriegsverbrechen militärische Loyalität oftmals wichtiger genommen wird als die Menschenrechte. Die Amerikaner mussten sich in den Kriegen der vergangenen Jahrzehnte immer wieder mit Straftaten ihrer Soldaten auseinandersetzen, so etwa mit dem Massaker von My Lai in Vietnam 1968, oder mit den Folterverbrechen im Irak und in Afghanistan nach dem 11. September 2001.

In allen Fällen gab es Politiker, die die Männer und Frauen in Uniform verteidigten. Präsident Donald Trump jedenfalls steht vorerst hinter G. – mindestens bis zum Beweis von dessen Schuld. Trump twitterte kürzlich: In Anerkennung seines Dienstes für die Vereinigten Staaten werde er „bald Hafterleichterungen erhalten, während er auf einen Prozess wartet. Das Verfahren sollte schnell vorangehen!“

Seine Verlegung in das Navy Medical Center in San Diego hat G. der Initiative von vierzig republikanischen Kongressabgeordneten zu verdanken, die Duncan Hunter aus Kalifornien angeführt hat. Sie forderten in einem Brief die Freilassung des Verdächtigen bis zum Prozessbeginn. Die Hafterleichterungen sehen viele in der amerikanischen Marine kritisch – den Recherchen von Philipps zufolge soll G. bislang jede Gelegenheit genutzt haben, um Zeugen einzuschüchtern und die Ermittlungen zu beeinflussen.

Derweil setzt sich seine Familie für ihn ein und Freunde sammelten online via Crowdfunding bereits rund 400.000 Dollar – auch „Free Eddie“-Shirts wurden schon gesichtet. „Seine Aufgabe war, Mossul zu räumen, und er hat es doppelt so schnell geschafft wie erwartet“, sagte G.s Frau Andrea in einem Interview mit WVW TV. Sie verwies auf die Anweisungen des ehemaligen Verteidigungsministers James Mattis im Kampf gegen den „Islamischen Staat“: „Also, als Mattis sagte, zieht die Samthandschuhe aus, da hörte mein Mann zu.“

„Das ist sein Job“

Der Abgeordnete Hunter, der ein Anhänger des „Tea Party“-Flügels der republikanischen Partei ist und mit der Marineinfanterie in Afghanistan und im Irak eingesetzt war, sieht das genauso. Er sagte gegenüber „Democracy Now“: „Wir haben es mit Juristen zu tun, die keine Ahnung haben, was ein Kampfeinsatz bedeutet, die Jungs dafür anklagen, dass sie den Feind töten.“

Selbst, wenn alles stimme, was die Anklage sage, so Hunter, und G. einen nachweisbar dem IS angehörenden Kämpfer getötet habe, sei seine Antwort darauf: „Na und? Das ist sein Job, den Feind zu zerstören, durch Feuer und Nahkampf. Das ist das, was unser Militär macht. Wenn wir so gekämpft hätten, wie wir jetzt kämpfen sollen, hätten wir weder den Ersten noch den Zweiten Weltkrieg gewonnen.“

G.s Prozess in San Diego beginnt Ende Mai. Er streitet alle Vorwürfe ab. Falls der Soldat schuldig gesprochen wird, droht ihm lebenslange Haft. Auch sein nächsthöherer Vorgesetzter muss sich vor Gericht verantworten, weil er die Taten nicht meldete – auch er plädierte auf „nicht schuldig“.

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