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Prozess um Kriegsverbrechen : Navy Seal entlastet Vorgesetzten mit Geständnis

  • Aktualisiert am

Der Angeklagte Edward G. mit seiner Frau auf dem Weg zum Gericht Bild: AP

Ein amerikanischer Soldat hat vor Gericht gestanden, einen minderjährigen IS-Kämpfer getötet zu haben – um diesem weiteres Leid zu ersparen, behauptet er. Zuvor war sein Vorgesetzter des Mordes beschuldigt worden.

          In einem Prozess um Kriegsverbrechen im Irak hat ein Soldat der Navy Seals seinen Vorgesetzten entlastet und den Mord an einem IS-Kämpfer zugegeben. Die „New York Times“ berichtet, dass Corey S. den Chef der Spezialeinheit, Edward G., dabei beobachtet habe, wie dieser einem 15 Jahre alten Gefangenen in den Hals gestochen habe. Der Kämpfer der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) war zu dem Zeitpunkt unbewaffnet und wehrlos.

          S. erklärte vor einem Militärgericht in San Diego, die Stichwunde sei nicht lebensgefährlich gewesen. In Anspielung auf weitere Foltermaßnahmen sagte S. über den IS-Kämpfer: „Ich wusste, dass er ohnehin sterben wird.“ Deshalb habe er den Jugendlichen vor weiteren Übergriffen bewahren wollen. 

          S. bezog sich bei seiner Zeugenaussage auch auf G. und dessen Familie: „Er hat eine Frau und Familie. Er sollte nicht den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen.“

          In den Befragungen zuvor hatte S. keine Hinweise auf seine Beteiligung an der Tat gegeben. Das Geständnis erfolgte nun, nachdem ihm Immunität gegen eine Verfolgung in diesem Fall versprochen worden war. Allerdings droht dem Soldaten der amerikanischen Eliteeinheit ein Ausschluss aus der Armee.

          Dem eigentlich in dem Prozess Angeklagten Edward G. war vorgeworfen worden, den minderjährigen IS-Kämpfer erstochen sowie einen alten Mann und ein junges Mädchen erschossen zu haben. Zudem berichteten Soldaten davon, wie G. immer wieder ziellos in Ansammlungen von Zivilisten gefeuert haben soll.

          Der Anwalt von G., Tomthy Parlatone, sprach im Prozess von „Meuterei“ gegen den Chef der Spezialeinheit. Die Soldaten waren von Kommandeuren unter Druck gesetzt worden, nicht über die Vorfälle zu berichten. Sieben Navy Seals brachen allerdings das Schweigen. Donald Trump hatte sich im März hinter G. gestellt und Hafterleichterungen für ihn gefordert.

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