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Nato-Videos : Männer unter Burkas, Waffen unter Gewändern

Luftaufklärung am Hindukusch: Niederländisches Isaf-Video Bild: Dutch MOD / Nato

Die Nato präsentiert im Internet grobgerasterte Videobilder aus dem afghanischen Krieg. Damit will das Bündnis aller Welt zeigen, dass die Taliban ein hinterhältiger Feind seien. Es geht um die „Medienschlacht“ an der Heimatfront.

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          Die Nato hat sich zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen: Zum ersten Mal seit dem Kosovo-Krieg gibt sie wieder geheimes militärisches Filmmaterial frei. Seit kurzem stehen auf der Internetseite des Bündnisses Videoclips, die aus realen Operationen in Afghanistan stammen. Damit will die Nato aller Welt zeigen, dass die Taliban ein hinterhältiger Feind seien, der sich unter Zivilisten verstecke und selbst nicht davor zurückschrecke, Kinder als Schutzschilde zu missbrauchen.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es handelt sich um vier Videos, die im Einsatzgebiet des niederländischen Kontingents der Schutztruppe Isaf in der südlichen Provinz Urusgan entstanden sind. Das ist eine der unruhigsten Gegenden Afghanistans. Zu sehen sind kurze Schwarz-Weiß-Filme, die von Hubschraubern aus aufgenommen wurden; teilweise sind sie mit dem Originalfunkverkehr in niederländischer Sprache unterlegt. Die Bilder sind nicht übermäßig scharf, aber es ist die für das ländliche Afghanistan typische Szenerie aus Lehmhäusern und unbefestigten Straßen zu erkennen.

          Tatsächlich schreiten beide fest und athletisch

          Der erste Film zeigt eine kleine Menschengruppe, die zu Fuß auf einem Feldweg unterwegs ist. Auf den ersten Blick scheint es sich um drei verhüllte Frauen (eine in schwarzem, zwei in weißem Gewand) zu handeln, die von vier Kindern begleitet werden (eines davon ist so klein, dass es getragen wird). Dann hört man die Stimme eines Niederländers, der darauf hinweist, dass die beiden Personen in den weißen Gewändern Männer sein müssen: „Schau mal, wie sie laufen.“ Tatsächlich schreiten die beiden fest und athletisch aus, wie man es von Frauen nicht vermuten würde. Gesichter oder Körperumrisse lassen sich freilich nicht erkennen (siehe auch: Video 1: Männer unter Burkas).

          Auf dem zweiten Video ist zu sehen, wie eine erwachsene Person in ein Haus geht und ein Kind vor der Haustür postiert. Die Nato hat einen kleinen Text daneben gestellt, auf dem erläutert wird, dass die Hubschrauber in diesem Fall eine Gruppe von Aufständischen nach einem Zusammenstoß mit Isaf-Kräften verfolgt hätten. Der Mann, der das Haus betrete, sei ein Verdächtiger gewesen, der das Kind vermutlich als Schutzschild am Eingang gelassen habe (siehe auch: Video 2: Kinder als Schutzschild I). Das dritte Video ist eine Fortsetzung des zweiten, diesmal nur mit mehreren Kindern, die ebenfalls vor einer Haustür warten, bis verdächtige Personen das Gebäude wieder verlassen haben (siehe auch: Video 3: Kinder als Schutzschild II).

          „Da stimmt etwas nicht“

          Auf dem vierten Film ist zu sehen, wie sich vier Männer in Zivilkleidung vor einer Siedlung treffen. Zwei sind mit Motorrädern unterwegs, zwei zu Fuß. Dem Begleittext der Nato ist zu entnehmen, dass es sich um zwei Gruppen handelte, die auf Anfrage von Bodentruppen mit je einem Hubschrauber verfolgt wurden. Es ist zu hören, wie ein niederländischer Soldat sagt, er vermute, dass einer der gehenden Männer eine Waffe trage, weil er den Arm in Brusthöhe halte. „Da stimmt etwas nicht.“ Dann schlägt der Afghane seinen Umhang zurück und ein anderer Soldat sagt, er sehe eine Waffe. Für den Laien erfolgt die Bewegung allerdings so schnell, dass nichts Genaues zu erkennen ist (siehe auch: Video 4: Waffen unter Gewändern).

          Die Veröffentlichung dieser Bänder geht auf eine Initiative von Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer zurück, der kürzlich die Mitgliedstaaten aufgefordert hatte, vertrauliches Material freizugeben, um der westlichen Öffentlichkeit zu zeigen, welche Taktiken die Taliban anwenden. Hohe Offiziere im Bündnis beklagen seit langem, dass die Nato zwar militärisch Erfolge am Hindukusch erziele, die „Medienschlacht“ an der Heimatfront aber zu verlieren drohe. Denn immer wieder melden die Nachrichtenagenturen, dass afghanische Zivilisten bei Operationen der ausländischen Truppen getötet werden. Das ruft dann sowohl in Afghanistan als auch im Westen viel Empörung hervor.

          Die Botschaft möglichst breit streuen

          Das Bündnis bestreitet nicht, dass es zu zivilen Opfern gekommen ist, sieht sich aber oft zu Unrecht an den Pranger gestellt: Zum einen gäben die Taliban nach Kampfhandlungen oft falsche Zahlen über getötete Zivilisten heraus, sagen die Verantwortlichen in Brüssel. Zum anderen legten die Aufständischen es geradezu darauf an, dass Kinder, Frauen und Unbeteiligte zu Schaden kämen, weil sie wüssten, wie sehr das dem Ansehen der Nato schade. Die nun veröffentlichten Videos sollen genau das beweisen.

          Die Nato hat diese Bänder auch schon an Fernsehsender herausgegeben, unter anderem an CNN, um ihre Botschaft möglichst breit zu streuen. Kampfhandlungen sind auf den Bändern nicht zu sehen, aber das sei keine Absicht, heißt es in der Allianz. Man könne eben nur veröffentlichen, was man von den Mitgliedstaaten erhalte. Die scheinen sich in dieser Sache aber nicht ganz einig zu sein: Während im britischen Fernsehen schon Kampfszenen aus Afghanistan zu sehen waren, hält die deutsche Regierung nicht allzu viel von der Veröffentlichung solcher Videos.

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