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Nato verstärkt Truppen in Afghanistan : „Das ist nicht bloß Amerikas Krieg“

  • Aktualisiert am

Nato-Generalsekretär Rasmussen: „Wir laufen nicht weg” Bild: REUTERS

Obamas Afghanistan-Strategie bringt die Verbündeten in Zugzwang: 2010 wollen die Nato-Partner mindestens 5000 weitere Soldaten schicken. „Das ist nicht bloß Amerikas Krieg“, sagte Generalsekretär Rasmussen. Polen entsendet 600 Mann, Frankreichs Beitrag ist noch unklar.

          Die Verbündeten der Vereinigten Staaten wollen ihre Truppen in Afghanistan deutlich verstärken. Im kommenden Jahr wollten sie mindestens 5000 zusätzliche Soldaten entsenden, sagte Nato-Generalsekretär Rasmussen am Mittwoch in Brüssel. „Das ist nicht bloß Amerikas Krieg“, sagte er. „Wir laufen nicht weg.“ Zuvor hatte der amerikanische Präsident Obama angekündigt, weitere 30.000 Soldaten in den Kampf gegen die radikalislamischen Taliban zu entsenden.

          Rasmussen bekräftigte, die von der Nato geführte Afghanistan-Schutztruppe Isaf werde im kommenden Jahr die Verantwortung für die Sicherheit „in etwa 10 bis 15 Gebieten und Distrikten“ außerhalb der Hauptstadt Kabul in afghanische Verantwortung übergeben. Auch für die Öffentlichkeit in Europa sei es wichtig, „Licht am Ende des Tunnels“ zu sehen. Der Einsatz ende, „wenn die Afghanen ihr Land selbst absichern können“.

          Polen schicken 600 weitere Soldaten

          Das polnische Verteidigungsministerium kündigte am Mittwoch an, seine Truppe in Afghanistan mit 600 zusätzlichen Soldaten zu verstärken. Allerdings müsse Präsident Kaczynski dem noch zustimmen, sagte eine Beraterin von Verteidigungsminister Klich. Die Zustimmung Kaczynskis gilt als sicher, obwohl eine Mehrheit der Polen einen Abzug ihrer Truppen wünscht. Bislang sind 2000 polnische Soldaten am Hindukusch stationiert.

          Der französische Präsident Sarkozy bekundete seine Bereitschaft, „Frankreichs Beitrag zu internationalen Strategie zu überdenken“. In einem Kommuniqué lobte er Obamas Rede als „mutig, entschlossen und klarsichtig“, Frankreich werde Amerika in Afghanistan „voll unterstützen“. Auf konkrete Zahlen für eine mögliche Erweiterung seiner Truppe legte sich Sarkozy nicht fest. Priorität solle die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte haben. Ob Frankreich zusätzliche Militärausbilder nach Afghanistan schicke, solle nicht vor der Afghanistan-Konferenz in London entschieden werden. Sie ist für den 28. Januar geplant.

          Ähnlich drückte sich der französische Außenminister Kouchner in einem Radiogespräch aus. „Zurzeit brauchen wir in unserer Zone keine weiteren Kampftruppen“, sagte Kouchner im staatlichen Sender „France Info“. Der Außenminister unterstützte die amerikanische Ankündigung, von Juli 2011 an schrittweise die Truppen abzuziehen. Zur amerikanischen Truppenverstärkung äußerte er sich verhalten. „Wir müssen auch wissen, wozu sie (die Soldaten) eingesetzt werden“, sagte Kouchner. Es sei unmöglich, ein so großes Land wie Afghanistan zu besetzen. „Wir werden unseren Beitrag den Gegebenheiten anpassen“, sagte Kouchner. Es mangele aber in der von Frankreich kontrollierten Zone nicht an Kampftruppen.

          Nach einem Telefongespräch zwischen Obama und Sarkozy am Montag hatte die Zeitung „Le Monde“ gemeldet, dass Obama Frankreich um 1500 zusätzliche Soldaten, Deutschland um 2000 Mann mehr gebeten habe. Aus dem Elysée-Palast verlautete, dass Frankreich der Bitte Obamas entspreche, aber zunächst die Ergebnisse der Afghanistan-Konferenz Ende Januar abwarten wolle.

          „Das Gleichgewicht im Bündnis steht auf dem Spiel“

          In den Niederlanden löste Obamas Rede einen neuen Streit über das eigene militärische Engagement am Hindukusch aus. Während der christdemokratische Außenminister Verhagen Obamas Afghanistan-Strategie lobte, betonten die mitregierenden Sozialdemokraten am Mittwoch, Hollands Einsatz in Afghanistan müsse wie geplant im Jahr 2010 beendet werden. Das Parlament in Den Haag hatte im Oktober mit den Stimmen der sozialdemokratischen Partei der Arbeit (PvdA) beschlossen, die in der südafghanischen Provinz Urusgan stationierten niederländischen Soldaten bis Ende 2010 abzuziehen. Die Partei Christdemokratischer Appell (CDA) von Ministerpräsident Balkenende lehnte es ab, ein Rückzugsdatum festzulegen.

          Die Außenminister der 28 Nato-Staaten treffen sich ab diesem Donnerstag in Brüssel. Am Freitag ist Afghanistan das Hauptthema der Gespräche. „Ich bin zuversichtlich, dass wir eine ganze Reihe von Ankündigungen erleben werden“, sagte Nato-Generalsekretär Rasmussen. Über die Absicht der Niederlande, sich aus dem Afghanistan-Einsatz zurückzuziehen, sagte er: „Ich hoffe, alle Verbündeten werden berücksichtigen, wie wichtig es ist, dass wir das weiterhin als einen Einsatz des Bündnisses sehen. Das Gleichgewicht im Bündnis steht auf dem Spiel.“

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