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Großübung von NATO-Staaten : Ein Manöver, das an den Zweiten Weltkrieg erinnert

Größte westliche Landeübung seit dem Zweiten Weltkrieg: US-Militärfahrzeuge im Hafen von Durres in Albanien Bild: dpa

Die Amerikaner und Verbündete aus 25 weiteren Staaten üben bis Mitte Juni am westlichen Balkan und am Schwarzen Meer. Der diesjährige Manöverort ist auch ein Signal der NATO an Russland.

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          Die amerikanischen Streitkräfte und ihre Verbündeten haben am Dienstag ihre Großübung „Defender-Europe 21“ begonnen. Bis Mitte Juni werden 28.000 Soldaten aus 26 Staaten die Verteidigung der NATO an ihrer östlichen Flanke üben. Der Schwerpunkt liegt in diesem Jahr in Südosteuropa. Der Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte und der NATO-Truppen in Europa, General Tod Wolters, beschrieb das Übungsszenario als „joint forcible entry“, als gewaltsames Eindringen aller Waffengattungen in von feindlichen Kräften beherrschtes Gebiet. Der Auftakt dazu war eine Logistik-Landeübung in Albanien, wie es sie nach Wolters Worten seit dem Zweiten Weltkrieg in Europa nicht mehr gegeben hat.

          Thomas Gutschker
          (T.G.), Politik

          Während amerikanische Truppen bei bisherigen Übungen stets in großen Überseehäfen anlandeten, wurde diesmal ein Einsatz in feindlicher Umgebung und ohne sicheren Hafen geübt. Mehr als tausend Fahrzeuge sollten vor der Küste vom Marine-Transporter Bob Hope auf kleinere Landungsschiffe umgeladen und an einem improvisierten Umschlagplatz im Hafen von Durres nahe der albanischen Hauptstadt Tirana an Land gebracht werden.

          Washington verspricht Transparenz

          Das habe man in diesem Ausmaß seit den 1940er Jahren nicht mehr praktiziert, sagte Wolters, und erinnerte an die alliierten Invasionen in Sizilien und in der Normandie. Freilich war seinerzeit ein Vielfaches an Truppen im Einsatz. In diesem Jahr wird nur eine einzige Kampfbrigade mit 3000 Soldaten aus Amerika nach Europa gebracht. Im vorigen Jahr wollten die Amerikaner 20.000 Soldaten verlegen, mussten die Übung jedoch wegen der Corona-Pandemie verkürzen.

          In den nächsten Wochen werden die Amerikaner mit ihren europäischen Verbündeten auf dreißig Übungsplätzen in zwölf Mitgliedstaaten üben. Der regionale Schwerpunkt liegt diesmal nicht im Nordosten, sondern im Südosten, am westlichen Balkan und am Schwarzen Meer. An den Manövern beteiligen sich auch das Kosovo, Moldau und die Ukraine, die nicht der NATO angehören. Russland hatte im April rund 100.000 Soldaten an den Grenzen der Ukraine zusammengezogen und dies mit einer Bedrohung durch die NATO begründet. Allerdings leitete es den Abzug von Einheiten ein, bevor das Manöver „Defender-Europe 21“ begann.

          Der Sprecher des amerikanischen Verteidigungsministeriums hob am Montag hervor, dass es sich um eine Übung zur Verteidigung handele: „Während sie defensiv angelegt und darauf gerichtet ist, einen Angriff abzuschrecken, werden unsere Truppen darauf vorbereitet, auf eine Krise zu reagieren, und, falls erforderlich, großangelegte Kampfeinsätze zu führen.“ Anders als Moskau werde man transparent über jede Phase der Übung informieren.

          Der albanische Ministerpräsident Edi Rama bekräftigte bei der Zeremonie zum Auftakt des Manövers die Zugehörigkeit seines Landes zur NATO, der es seit 2009 angehört. Er selbst gehöre noch einer Generation an, sagte der 1964 geborene Politiker in Richtung Amerika, die „von der Propaganda des vorigen Regimes geprägt wurde, dass sie das größte Übel für Albanien und die gesamte Welt wären“. Verteidigungsminister Niko Peleshi sagte, das Manöver sende „die klare Botschaft an die Völker des Balkans, dass ihre Zukunft in der Integration in euroatlantische Strukturen liegt“.

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