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Die NATO richtet sich neu aus : Sicherheit gegen Putin

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Auf dem NATO-Gipfel: Der türkische Präsident Erdogan, US-Präsident Biden, NATO-Generalsekretär Stoltenberg und der britische Premierminister Johnson Bild: AFP

Putin wollte die NATO zurückdrängen, jetzt kommt sie ihm im Norden und an der Ostflanke näher. Er ist offenbar nicht der Stratege, für den er sich hält.

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          Niemand kann sich darüber freuen, wie sich die Sicherheitslage in Europa verändert hat. Vor dem 24. Februar galt ein großer Krieg als unwahrscheinlich. Trotz aller Differenzen bestanden Arbeitsbeziehungen zwischen dem Westen und Russland. Die Ukraine lebte zumindest jenseits des Donbass in Frieden.

          Putin hat das alles zerstört, und er gibt es inzwischen als großen Feldzug gegen die herrschende Weltordnung aus. Für ein Land, das zu Recht als Tankstelle mit Nu­klearwaffen beschrieben wurde, ist das ein verwegener Anspruch. Die Treffen der G 7 und der NATO in dieser Woche zeigen, dass er damit nicht leicht durchkommen wird.

          Es entsteht ein Gegengewicht

          In der internationalen Politik gibt es ein paar verlässliche Gesetzmäßigkeiten. Dazu gehört, dass eine militärische Bedrohung ein Gegengewicht hervorruft. Genau das geschieht jetzt in Europa.

          Die NATO verstärkt ihre Ostflanke, erstmals werden sogar amerikanische Soldaten permanent in Polen stationiert. Das neue strategische Konzept, das die Staats- und Regierungschefs in Madrid verabschiedet haben, richtet die Allianz wieder auf die Abschreckung Russlands aus. Sie wird ihren Schutzschirm nach Nordeuropa ausdehnen, womit auch diese strategisch wichtige Region sicherer wird vor Putin. Die Ukraine, die einen hohen Preis dafür zahlen musste, dass ihr der Schutz des Bündnisses versagt blieb, erhält weiter Unterstützung.

          Es fällt schwer zu glauben, dass Putin all das sehenden Auges in Kauf genommen hat, von den wirtschaftlichen Folgen des Krieges für Russland ganz zu schweigen. Offenbar ist er nicht der Stratege, für den er sich hält.

          Den Krieg in der Ukraine kann er noch gewinnen. Aber gegen die NATO, die er doch zurückdrängen wollte, hat er keine guten Karten. Sie ist geeinter denn je, selbst Erdogan stört die Neuausrichtung des Bündnisses nicht mehr. Europa hat lange versucht, Sicherheit mit Putin herzustellen. Nun muss sie leider gegen ihn gewährleistet werden. Das wird noch viel Kraft erfordern, nicht nur militärische.

          Nikolas Busse
          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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