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F.A.Z.-Interview : Nato: Separatisten streben stärker zusammenhängendes Gebiet an

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Nato-Oberbefehlshaber Philip M. Breedlove Bild: dpa

Der amerikanische Luftwaffengeneral und Nato-Oberbefehlshaber Philip M. Breedlove vermutet, dass die Aufständischen in der Ostukraine den Flickenteppich eroberter Gebiete zusammenschließen wollen. Er sieht sich mit dieser Analyse nicht allein.

          Herr General, es gibt neue Meldungen über die russische militärische Unterstützung für die Separatisten im Osten der Ukraine, trotz des geltenden Waffenstillstandsabkommens. Welche aktuellen Erkenntnisse hat die Nato?

          Dieser Waffenstillstand existiert bloß dem Namen nach. Die Kämpfe gehen in starker Form weiter, die Kontakte der Separatisten ins russische Hinterland sind sehr lebendig. Das ist besorgniserregend. Die Grenze, über die wir sprechen, also die frühere internationale Grenze zwischen der Ukraine und Russland, bleibt vollständig durchlässig und für die Unterstützung der Separatisten weit geöffnet. Wir können als Nato die Beobachtungen bestätigen, die schon von der OSZE gemeldet worden sind: Die Separatisten werden mit Ausrüstung und auch mit schwerem Gerät über die Grenze hinweg versorgt. Auch die Stationierung der russischen Truppen entlang der Grenze hat sich nicht wesentlich verändert in jüngster Zeit.

          Aber die Russen hatten doch angekündigt, sie würden ihre Truppenstärke an der Grenze zur Ukraine vermindern?

          Wir sehen Verschiebungen von Truppenteilen, aber die Gesamtstärke bleibt etwa gleich. Wir zählen nach wie vor acht Formationen in Bataillonsstärke an der Grenze.

          Wie viele russische Soldaten sind das?

          Ich will mich hier nicht auf eine Zahl festlegen. Es ist vielmehr wichtig, sich anzuschauen, was für militärische Fähigkeiten Russland an der Grenze zusammengezogen hat. Und diese Truppen sind zu vielen Szenarien in der Lage. Sie können erstens starken Druck ausüben; das haben wir in den Tagen der Wahlen in den Separatistengebieten Donezk und Luhansk gesehen.

          Diese russischen Truppen, die ohnehin nur Kilometer von der Grenze entfernt stehen, rückten in diesen Tagen bis auf teilweise wenige hundert Meter an sie heran. Ich denke, sie sollten eine Botschaft an Kiew aussenden, diese separatistischen Wahlen nicht zu behindern. Und zweitens sorgen die russischen Soldaten dafür, dass die Grenze weit offen bleibt für den Nachschub an die Separatisten.

          Und was ist mit der russischen Unterstützung innerhalb der abtrünnigen Gebiete?

          Die gibt es nach wie vor. Wir sehen Spezialeinheiten und reguläre Einheiten der russischen Armee im Osten der Ukraine, die viele Aufgaben erfüllen. Sie trainieren die Truppen der Separatisten, strukturieren sie und bauen sie auf. Sie schulen die Separatisten an dem neuen Gerät und der neuen Ausrüstung, die aus Russland geliefert wurde.

          Wie wird sich angesichts dieser Aufrüstung der Konflikt in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln?

          Ich stimme dem zu, was schon öffentlich vermutet worden ist: Wenn man auf das Gebiet im Donbass schaut, das die von Russland unterstützten Kräfte momentan halten, dann ist das keine abgeschlossene, vollständige Region. Da gibt es Straßenstücke, die teils innerhalb und teils außerhalb verlaufen, der Flughafen von Donezk liegt außerhalb, es gibt keinen Hafen. Also glaube ich, dass die militärischen Fähigkeiten, mit denen die von Russland unterstützten Separatisten jetzt ausgerüstet sind, dazu dienen sollen, aus den jetzt beherrschten Gegenden ein stärker zusammenhängendes, ein genauer umrissenes Gebiet zu machen, um die Nachschublinien innerhalb zu konsolidieren. Das ist übrigens eine Erwartung, die ich nicht allein hege.

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