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Nato-Manöver Trident Juncture : Glaubwürdige Abschreckung

Übung macht den Meister: Bundeswehr-Pioniere bauen in Norwegen in Windeseile eine provisorische Brücke auf. Bild: Peter Carstens

In Norwegen übt die Nato beim größten Manöver seit einer Generation die Abwehr eines Angriffs. Die Bundeswehr ist dabei – und erstaunlich gut ausgerüstet. Die Soldaten sind froh, endlich zu zeigen, was sie können.

          Die Waldwege haben sich in Humusschlamm verwandelt, Schneeregen segelt zwischen Birken und Fichten zu Boden. In der Nacht haben sie wenig geschlafen, in der Dämmerung sind sie hundert Meter zum nächsten Wasserkran getaumelt. Das Weißbrot zum Frühstück war noch leicht gefroren, der Geschmack der Tubenwurst changiert zwischen Fisch und Elch. Dennoch sieht man um sechs Uhr morgens fast 4000 zufriedene Männer und Frauen. Soldaten. Mittendrin ein General. Der hat 150 Kilometer nördlich von Oslo ebenfalls in einem der Zelte übernachtet und nennt das Ganze „eine Sternstunde“ seines Berufslebens. In drei Tagen sollen hoch im Norden die Roten angreifen. Darauf freuen sich hier die allermeisten, besonders die von der Bundeswehr.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Freuen, das klingt zunächst befremdlich. Haben Soldaten eine eigene Glücksskala? Man muss das Leben unter Uniformierten grundsätzlich schon mögen und eine gewisse Freude daran haben, bei diesigem Mondlicht mit einen Leopard-Panzer durchs Unterholz zu pflügen. Doch das ist es nicht allein. Für den General Ullrich Spannuth, den Kommandeur der hier versammelten Brigade, und für seine Leute ist es vor allem ein erstes Mal seit langer Zeit, dass sie nahezu perfekt ausgerüstet in eine Nato-Übung dieser Größe ziehen. Panzer, Kanonen, Amphibienfahrzeuge, Tanklaster, Werkstattcontainer, medizinische Einsatzversorgung, das alles wurde herangeschafft, fast alles ist in gutem Zustand. Angekommen sind auch die Winterkampfanzüge und die moderne Funktionswäsche. Deren angebliches Fehlen sorgte noch im Frühjahr als Ausrüstungstiefpunkt für bösen Spott. Jetzt endlich können die Soldaten zeigen, was sie können, wenn Politik und Ministerium sie ordentlich ausstatten. Und das ist es, was die Kampierer im norwegischen Rena zufrieden macht.

          Unter den fast 8000 Soldaten einer mechanisierten Notfall-Brigade der Nato stellen die Deutschen das größte Kontingent. Dazu hunderte Franzosen, Niederländer, Tschechen und Belgier, aber auch estnische Pioniere, amerikanische Sanitäter und natürlich die norwegischen Gastgeber. Sie alle nehmen teil an der größten Übung der westlichen Allianz seit einer Generation: „Trident Juncture 2018“. In einem Gebiet von Oslo bis fast zum Nordkap hinauf trainieren insgesamt etwa 50.000 Soldaten aus den Nato-Staaten unter heftigen klimatischen Bedingungen die rasche Reaktion auf einen Angriff aus dem hohen Norden. Darunter versteht sich nach Lage der Dinge Russland, auch wenn das in den Nato-Papieren nicht ausdrücklich gesagt wird. Deutschland stellt für diese Übung mit etwa 10.000 beteiligten Soldaten neben Amerika und Norwegen das größte Kontingent. Dass die Amerikaner trotz Trumps Wurstigkeiten ihre Nato-Aufgaben ernst nehmen, beweisen nicht zuletzt der amerikanische Flugzeugträger Harry S. Truman und seine Begleitschiffe, die vergangene Woche als kleine Überraschung im Nordmeer eingetroffen sind. Zum ersten Mal seit 20 Jahren sei ein solcher Verband mit mehr als 6000 Mann Besatzung in arktischen Gewässern unterwegs, berichtete die Zeitung „New York Times“.

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