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Nato-Manöver Trident Juncture : Glaubwürdige Abschreckung

Für Amerika ist das keine Riesensache. Aber für Deutschland bedurfte es großer Anstrengung, alles zu bewältigen. Denn jahrelang hat die Bundeswehr ihre schwindenden Kräfte auf die Auslandseinsätze konzentriert, auf Bosnien, Afghanistan oder aktuell Mali. Nun geht es wieder um Verteidigung im großen Stil. Nach dem wochenlangen Anmarsch von insgesamt ungefähr 10.000 Fahrzeugen, mehr als 100 Flugzeugen und 70 Schiffen in Nordmeer und Ostsee kommt nun die eigentliche Nato-Übung in Gang. Sie beginnt mit einem angenommenen Angriff der nördlichen Verbände, der Roten. Die werden unter anderem von anlandenden amerikanischen Marines, norwegischen, schwedischen und finnischen Verbänden sowie deutschen Gebirgsjägern gestellt. Die Verteidiger sind die Blauen, darunter die Brigade von Spannuth. Nach dem Angriff eilen sie gen Norden und halten die Roten zunächst auf. Dann ergreifen sie laut Drehbuch zwischen dem 4. und 7. November die Initiative und drängen die Gegner in einem Gegenangriff zurück. Dabei wirken Land-, See- und Luftstreitkräfte eng zusammen, Truppenteile, die sich im Alltag nur vom Papier her kennen. Jetzt aber tauchen bei Camp Rena im waldigen und leicht überfrorenem Gelände amerikanische Kampfhubschrauber über den deutschen Panzern und Grenadieren auf. Lettische Pioniere üben nachts neben ihren europäischen Kameraden mit dem höchst treffsicheren G36-Sturmgewehr. Über die Amphibienbrücken der Mindener Pioniere fahren norwegische, britische und tschechische Fahrzeugkolonnen. Das Camp ist eines von 50, die im ganzen Land aufgeschlagen wurden, freilich das größte mit bis zu 5000 Soldaten. Sie schlafen in Zelten für bis zu 500 Mann (auch Frau), die der norwegische Heimatschutz aufgebaut hat. Drinnen gibt es Unterteilungen für jeweils 16 Feldbetten. Manche leben in solchen Unterkünften schon seit Anfang September, als die Vorbereitungen hier begonnen haben. Morgens und abends gibt es in zwei riesigen Zelten das Essen für jeweils 2500 Personen. Um kurz vor sieben sind die Zelte rammelvoll, halb acht ist keiner mehr da und fast alle unterwegs im Gelände des größten norwegischen Truppenübungsplatzes.

Die Mindener Panzerpioniere sind mit ihren Amphibienfahrzeugen da schon seit anderthalb Stunden unterwegs. Sie haben am Fluss Glomma eine Übergangsmöglichkeit erkundet und ihre Fahrzeuge in Stellung gebracht. Die sehen auf den ersten Blick aus wie Tanklaster. Aber dann teilt sich der vermeintliche Tank hydraulisch in zwei Teile und wird rechts und links nach unten geklappt. Es entsteht ein Boot mit einem kleinen Führerstand und einer befahrbaren Stahlfläche. Sie fahren in den Fluss. Zusammengekoppelt können sie eine schwimmende Brücke oder eine Fähre von bis zu 180 Metern Länge bilden. Einige Taucher und ein Schlauchboot sichern das Gelände, Reserveboote liegen bereit, der Gefechtsstand ist ebenfalls fertig. Die Kolonnen der nordwärts marschierenden Bataillone können kommen. Da die Pioniere im Ernstfall ein leichtes Ziel für Fliegerangriffe bilden, muss alles schnell gehen – in weniger als einer halben Stunde ist unter dem Kommando eines jungen Majors eine Fähre gebaut; wenn alle über den Fluss gebracht sind, fahren die Boote an Land, verwandeln sich zurück in Lastwagen und verschwinden im Winterwald. Keine Viertelstunde später liegt die Stelle wieder so unberührt da wie ein hübscher Angelplatz am See.

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