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Nato-Gipfel in London : Eine nicht ganz harmonische Familienfeier

„Lass uns ernsthaft reden“: Donald Trump und Emmanuel Macron am Dienstag während des Nato-Gipfels in London Bild: AFP

Die Differenzen innerhalb der Nato sind auch während ihres Jubiläumsgipfels in London unübersehbar – trotz vieler freundlicher Worte.

          4 Min.

          Als die Nato vor siebzig Jahren gegründet wurde, richtete sie ihren ersten Sitz in London ein. Die britische Hauptstadt wurde als Brücke zwischen der alten und der neuen Welt betrachtet. Erst als die militärische Bedrohung durch den Warschauer Pakt immer größer wurde, rückte die Allianz 1952 ihre politische Zentrale näher an das militärische Hauptquartier in Belgien heran. Zum siebzigjährigen Bestehen kehrten die Staats- und Regierungschefs der 29 Mitgliedstaaten am Dienstag nach London zurück. Am frühen Abend wurden sie von Königin Elisabeth II. empfangen. Danach ging es weiter in die Downing Street, wo Boris Johnson auf seine Gäste wartete. Am Mittwochvormittag ist die einzige Arbeitssitzung vorgesehen. Beschlüsse fallen nicht, am Ende soll eine „Londoner Erklärung“ veröffentlicht werden.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Schon daran ist zu erkennen, wie sich die Allianz ihr Jubiläumstreffen wünschte: als harmonische Familienfeier, bei der die Teilnehmer in Erinnerungen schwelgen und transatlantische Harmonie vorführen. Im Brüsseler Hauptquartier wollte man alles vermeiden, was die gute Stimmung trübt. Den Beamten und Diplomaten sitzt noch der Nato-Gipfel im Juli vorigen Jahres in den Knochen. Damals kam es hinter verschlossenen Türen zum Eklat über die Lastenteilung. Der amerikanische Präsident Donald Trump warf seinen Verbündeten vor, besonders Deutschland, dass sie seinem Land auf der Tasche lägen. Wie Diplomaten hernach bestätigten, drohte Trump, die Vereinigten Staaten könnten „auch eigene Wege gehen“ – das wurde als Austrittsdrohung verstanden. Diesmal sollte Trump besänftigt werden.

          Trump feuert aus allen Rohren

          Kurz vor dem Treffen einigten sich die Mitgliedstaaten, den Gemeinschaftshaushalt von zwei Milliarden Euro neu zu berechnen. Die Amerikaner zahlen künftig weniger – dieselbe Summe wie Deutschland. Die anderen Mitglieder erhöhen ihre Beiträge, mit Ausnahme Frankreichs. Und Generalsekretär Jens Stoltenberg zählte stolz auf, wie viele Milliarden zusätzlich die Europäer und Kanada seit 2015 in ihre Verteidigung investiert haben. Doch bei aller Mühe hat Emmanuel Macron den Familienfrieden mit seiner Interviewaussage, die Nato sei „hirntot“ empfindlich gestört. Natürlich wurde Donald Trump gleich bei seinem ersten Termin in London danach gefragt. Er hatte gerade mit Stoltenberg gefrühstückt.

          Und Trump feuerte aus allen Rohren: Das sei eine „sehr, sehr gemeine Äußerung“ gewesen, die 28 Mitgliedstaaten „beleidigt“ habe. Dabei brauche niemand die Nato mehr als Frankreich. Deshalb sei sogar „gefährlich“, was Macron gesagt habe. Es schien dem amerikanischen Präsidenten sichtlich zu gefallen, dass nicht er im Zentrum der Kritik stand. Kurz nach seinem umstrittenen Interview hatte Macron noch behauptet, er habe in einem Telefonat mit Trump „viele Übereinstimmungen“ gefunden. Trump äußerte gar, er sei ein „größerer Fan der Nato geworden, weil sie so flexibel gewesen ist“. Worauf er das bezog, blieb offen.

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