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Nato-Eingreiftruppe : Kostümprobe mit Schützenpanzern

Kostümprobe: Tschechische Soldaten bei der ersten Speerspitzen-Übung der Nato vor mehreren Wochen Bild: dpa

Wie schnell gelingt die Verlegung von Soldaten nach Osteuropa? Die Nato testet gleich mit drei Großmanövern die Verteidigungsbereitschaft ihrer neuen Eingreiftruppe.

          Für die Nato beginnt an diesem Dienstag der betriebsamste Manövermonat, den sie jemals in den osteuropäischen Mitgliedsländern der Allianz veranstaltet hat. Rund 15.000 Soldaten aus 19 Nato-Staaten und drei weiteren Partnerländern werden an drei großen Übungen teilnehmen; die Manöverräume reichen von der Ostsee über das Baltikum bis nach Polen; außerdem findet eine Stabsübung im Nato-Hauptquartier Neapel statt.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Deutsche Einheiten sind an allen drei Großmanövern wesentlich beteiligt. Schiffe und Boote der deutschen Marine üben bis zum 20. Juni in der von amerikanischen Streitkräften geleiteten Operation „Baltops“ in der Ostsee eine ganze Reihe maritimer Aktionen: das Stoppen und Durchsuchen anderer Schiffe, U-Boot-Abwehr, Luftabwehr und Abwehr von Angriffen anderer Schiffe, und nicht zuletzt auch eine amphibische Landung, also das Absetzen von Kampftruppen am Strand.

          Wie schnell klappt die Verlegung einer Truppe?

          Das Landmanöver „Saber Strike“ (Säbelhieb), das gleichzeitig im Baltikum und im Osten Polens stattfindet, wird ebenfalls von der amerikanischen Armee konzipiert. In diesem Jahr soll vor allem das Zusammenwirken der teilnehmenden Armeen gestärkt werden; das sind neben den gastgebenden baltischen Streitkräften und der polnischen Armee auch Kontingente der skandinavischen Länder Norwegen, Dänemark und des Nato-Partnerlandes Finnland sowie Infanteriekräfte aus Deutschland, Großbritannien, Kanada und den Vereinigten Staaten.

          Aus der Perspektive der Bundeswehr ist die dritte große Übung am bedeutsamsten: das Manöver „Noble Jump“ (der edle Sprung). Hier übt die Nato erstmals die rasche Verlegung einer größeren Kampftruppe aus mehreren Mitgliedsländern in einen osteuropäischen Mitgliedstaat. Es ist der erste Realitätstest für die sogenannte Speerspitze, die Vorhut der Nato-Eingreiftruppe, die in Brigade-Stärke binnen fünf Tagen mobilisiert werden kann.

          Bundeswehr spielt eine zentrale Rolle

          Diese Speerspitze bildet das wichtigste Element der neuen „Rückversicherungs“-Strategie, welche die Staats- und Regierungschefs der Allianz auf ihrem letzten Gipfeltreffen vor neun Monaten in Wales beschlossen haben, um einerseits für die osteuropäischen Mitgliedsländer Zeichen der militärischen Verteidigungsbereitschaft zu setzen und andererseits gegenüber Russland Beispiele an Verteidigungsfähigkeit zu demonstrieren. Die Speerspitze wird künftig aus jenen Truppenteilen herausgeschmiedet werden, die jährlich von den Mitgliedsländern in die seit Jahren schon bestehende Bereitschaftstruppe der Nato (Nato Response Force) gemeldet werden.

          Da 2015 das Deutsch-Niederländische Korps in Münster als Führungsstab der Bereitschaftstruppe vorgesehen und das Panzergrenadierbataillon 371 (Marienberg) als Truppenteil gemeldet worden war, spielt die Bundeswehr nun eine zentrale Rolle in der Testphase der neuen Speerspitze. Im April übten die Marienberger Grenadiere, so wie niederländische und tschechische Infanterieeinheiten auch, zunächst die „Herstellung der Verlegebereitschaft“. Binnen vier Tagen waren die Panzergrenadiere marschbereit.

          Im zweiten Abschnitt des „Noble Jump“ werden die Teile der Speerspitze nun aus ihren Herkunftsländern an einen gemeinsamen Zielort verlegt. An dieser Übung nehmen außer dem deutschen Bataillon und den Tschechen und Niederländern auch Einheiten aus Norwegen teil. Die deutschen und norwegischen Soldaten werden vom norddeutschen Truppenübungsplatz Bergen aus per Lastwagen, Eisenbahn und Flugzeug binnen dreier Tage auf einen polnischen Übungsplatz in der Nähe von Sagan (Niederschlesien) transportiert.

          Die Speerspitze, die sich dort in den nächsten Tagen versammelt, wird mehr als 2000 Soldaten umfassen und nach ihrer Ankunft erstmals gemeinsam im Gelände operieren.

          Speerspitze soll 3000 Soldaten umfassen

          Das Manöver bietet auch die erste Erprobungsmöglichkeit für die neuen ständigen Vorauskommandos der Nato, die in sechs osteuropäischen Mitgliedsländern stationiert werden sollen. Das in Polen errichtete „Nato Force Integration Units“ hat in der aktuellen Übung nun seinen ersten Einsatz: Die Soldaten dieses Vorauskommandos sollen den ankommenden Nato-Truppen logistische und Ausrüstungshilfe leisten und sicherstellen, dass die verlegten Soldaten rasch handlungsfähig sind.

          Die Erfahrungen aus dem großen Verlegemanöver werden von den Verteidigungsministern der Nato Ende des Monats ausgewertet - anschließend soll das endgültige Konzept der „Speerspitze“ beschlossen werden. Den Nato-Strategen schwebt eine permanente Rotation vor: Um eine jährlich wechselnde Rahmennation, ein größeres Nato-Mitgliedsland, gruppieren sich die militärischen Beiträge der kleineren Nato-Mitglieder und bilden gemeinsam eine Speerspitzen-Streitmacht in Brigadestärke (etwa 3000 Soldaten), die innerhalb der Fünf-Tage-Frist marschbereit ist.

          Jene Nato-Truppenteile, die als Bestandteile der Speerspitze des folgenden Jahres nominiert sind, halten sich schon im Vorbereitungsjahr in einem höheren Bereitschaftsgrad, die Speerspitzen-Teile des vorhergehenden Jahres bleiben in einem höheren Bereitschaftsgrad. Auf diese Weise sollen künftig - unterschiedlich rasch - insgesamt drei Brigaden der Nato zügig mobilisiert und innerhalb des Bündnisgebiets verlegt werden können.

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