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Nato : Das Drohnensterben

Begrüßt mit Blasmusik, durchgefallen mit Pauken und Trompeten: Der Euro-Hawk-Demonstrator (Foto: hinter musizierenden Soldaten, 2011 in Manching) und der Global Hawk sind nahezu baugleich Bild: AFP

Der Global Hawk ist der ganze Stolz der Nordatlantikpaktorganisation. Doch nach der Bruchlandung der deutschen Bruderdrohne Euro Hawk bangen die Bündnispartner nun um ihr Lieblingsprojekt.

          6 Min.

          Eigentlich redet die Nato über nichts lieber als über ihr Programm zur Bodenüberwachung. Es ist der ganze Stolz einer Organisation, die als mächtigste der Welt gilt, aber selbst keine Streitkräfte hat und in Baracken residiert. Nur ein paar Awacs-Aufklärungsflugzeuge gehören der Allianz, alles andere muss sie sich im Einsatz von ihren Mitgliedern leihen. Da freuen sich die Beamten und Militärs in den Stäben schon auf ihr nächstes Baby: fünf Aufklärungsdrohnen des Typs Global Hawk. In vier Jahren soll es so weit sein.

          Thomas Gutschker

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Oder doch nicht? Im Brüsseler Hauptquartier der Allianz mag gerade niemand über AGS reden, AGS wie Allied Ground Surveillance. Man sei bei dem Thema „tight-lipped“, sagt einer, also zugeknöpft. Alle warteten auf den Bericht des deutschen Verteidigungsministers am 5. Juni im Verteidigungsausschuss des Bundestags. Dann will, dann muss Thomas de Maizière den Abgeordneten erklären, warum er nicht früher die Reißleine beim Rüstungsprojekt Euro Hawk gezogen hat - und was dieses Scheitern für die Bruderdrohne Global Hawk bedeutet. Schließlich finanziert Deutschland die Nato-Anschaffung zu genau einem Drittel, 483 Millionen Euro. Während Abgeordnete in Berlin schon das nächste Millionengrab wittern und de Maizière fürchten muss, darin beerdigt zu werden, geht in Brüssel das große Fracksausen um. Was, wenn die schönen Drohnen doch nicht kommen oder nicht fliegen dürfen?

          Der Euro Hawk war auch Stangenware

          Da sich niemand mit Zweifeln zitieren lassen mag, bleibt am Ende nur ein Satz übrig, der Gewissheit ausstrahlen soll: Die Beschaffung der Drohnen „ist auf dem rechten Weg, und wir erwarten, dass AGS der Nato um 2017 herum verfügbar gemacht wird“, sagt ein Beamter. Außerdem weist er noch darauf hin, es handle sich bei den Global Hawks um „Ware von der Stange“, die von den Vereinigten Staaten schon verwendet werde. Deshalb sei das Bündnis auch zuversichtlich, dass die Drohnen die volle Zulassung für den Luftverkehr erhielten.

          Klingt gut. Nur hat das eine mit dem anderen nichts zu tun. Der Euro Hawk war auch Stangenware. Die Drohne entsprach der Baureihe 20 des Global Hawk, sie hatte zusätzliche Behälter an den Tragflächen und etwas mehr Platz im Rumpf; der Rest war Signaltechnik an Bord. Der Entwicklungsvertrag sah vor, die Drohne in Deutschland militärisch zuzulassen - nach amerikanischem Luftwaffenstandard. Dafür hätten die verfügbaren Unterlagen und Leistungsnachweise ausgereicht. Ein Jahr nach Vertragsschluss ging der Bundeswehr auf, dass sie strengere Regeln anlegen muss, dieselben wie für bemannte zivile Flugzeuge.  Damit begannen die Probleme, denn plötzlich waren Leistungsnachweise notwendig, die die Amerikaner selbst nicht hatten. Dieses Problem betrifft natürlich auch den Global Hawk der Baureihe 40, den die Nato bestellt hat. Warum sollten deutsche Behörden die eine Drohne durchwinken, nachdem sie die andere gerade zum Absturz gebracht haben?

          Amerikanische Global Hawks stehen auf Sizilien

          Zunächst einmal ist aber die italienische Luftwaffe am Zug. Denn die Global Hawks werden nach einem Nato-Beschluss von 2009 auf dem Luftwaffenstützpunkt Sigonella stationiert. Gemäß Beschaffungsvertrag sollen sie in Italien militärisch zugelassen werden. Dieser Prozess kann politisch beeinflusst werden - weshalb sich amerikanische Diplomaten zuversichtlich geben. Schließlich ist das Boden-Überwachungsprogramm der Nato auch für die Regierung in Rom ein Prestigeprojekt. Außerdem erteilten die italienischen Luftverkehrsbehörden den Amerikanern schon Ende 2009 eine Fluggenehmigung für ihre Global Hawks. Seitdem sind meistens zwei dieser Drohnen auf dem amerikanischen Teil des Stützpunkts Sigonella stationiert. Während des Libyen-Kriegs wurden sie von dort aus zur Gefechtsfeldüberwachung eingesetzt.

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