https://www.faz.net/-gpf-9y3n2

Nato besorgt : Nutzt das russische Militär die Corona-Krise aus?

Nato-Generalsekretär Stoltenberg Bild: Reuters

Nato-Generalsekretär Stoltenberg sagt, die Gesundheitskrise dürfe nicht zu einer Sicherheitskrise werden. In der Nordsee kreuzten russische Kriegsschiffe.

          2 Min.

          In der Nato wächst die Besorgnis, dass Russland die Corona-Pandemie ausnutzt, um die Sicherheit der Mitgliedstaaten zu untergraben. „Es ist unser vorrangiges Ziel sicherzustellen, dass aus dieser Gesundheitskrise nicht eine Sicherheitskrise wird“, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Mittwoch in Brüssel. Die Allianz beobachte „bedeutsame militärische Aktivitäten“ nahe ihren eigenen Grenzen. Er nannte ein neues russisches Manöver im westlichen Militärdistrikt und russische Kriegsschiffe in der Nordsee. „Wir müssen weiterhin zu Land, zur See und in der Luft präsent sein“, sagte Stoltenberg bei seiner Pressekonferenz vor der Videokonferenz der Nato-Außenminister an diesem Donnerstag. Die Minister wollen dann eine eigene Erklärung beschließen, in der sie Russland vor weiteren Provokationen warnen und ihre Einsatzbereitschaft bekräftigen.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Gegenüber der F.A.Z. präzisierte der Nato-Generalsekretär: „Unser Fokus liegt darauf, die Coronavirus-Krise zu bestehen. Obwohl Russland zu einem Stopp militärischer Aktivitäten aufgerufen hat, sehen wir, dass seine Aktivitäten auf dem üblichen saisonalen Niveau bleiben.“ Das Manöver, auf das Stoltenberg sich bezog, wurde von Präsident Wladimir Putin für den 25. bis 28. März angeordnet, um, wie es offiziell hieß, zivile Anstrengungen in der Corona-Krise zu unterstützen. Es betraf bis zu 80 000 Soldaten, darunter nuklear bewaffnete Einheiten. „Nach unserer Einschätzung sollte es auch ihre Kampfbereitschaft demonstrieren, ungeachtet von Covid-19“, erläuterte Stoltenberg. Seither seien die militärischen Aktivitäten „etwas vermindert“ worden. Offenbar ist das Manöver aber noch nicht vorüber.

          Beschattet von britischen Kriegsschiffen

          Die Allianz ist auch wegen eines Vorfalls in der Nordsee beunruhigt. Dort hielten sich zuletzt sieben russische Kriegsschiffe mehrere Tage lang auf, die normalerweise auf ihrem Weg von der Marinebasis Murmansk ins Mittelmeer ohne Stopp den Ärmelkanal durchqueren. Es handelte sich um zwei Fregatten, drei Korvetten und zwei Landungsboote. Die russischen Schiffe wurden von neun britischen Kriegsschiffen beschattet, ehe sie am vorigen Donnerstag weiterfuhren.

          Stoltenberg verwies zudem darauf, dass im März mehrere strategische Langstreckenflugzeuge der russischen Luftwaffe über dem Atlantik abgefangen wurden. Die Flugzeuge flogen zwar im internationalen Luftraum, allerdings ohne ein eigenes Signal zu senden. Zwei Tu-142-Seeaufklärer wurden daraufhin von französischen und spanischen Kampfflugzeugen eskortiert. Zwei Flugzeuge gleichen Typs wurden vor der Küste Alaskas von amerikanischen Kampfflugzeugen begleitet. Auch über der Ostsee werden fast täglich russische Militärflugzeuge ohne Transpondersignal gesichtet und begleitet. Aus Sicht der Nato versucht Russland so, die Einsatzbereitschaft der Allianz zu testen.

          Stoltenberg wandte sich auch gegen Versuche, die Corona-Krise für „Desinformation und Propaganda“ zu nutzen. Die amerikanische Nato-Botschafterin Kay Bailey Hutchison sagte am Mittwoch, ihre Regierung sei „sehr besorgt“ über Desinformation und „böswillige Einflussnahme“ aus Russland und China.

          Weitere Themen

          Biden betont Bedeutung der Nato für die USA Video-Seite öffnen

          Brüssel : Biden betont Bedeutung der Nato für die USA

          Bei einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Brüssel hat US-Präsident Joe Biden die Bedeutung des Bündnisses für die USA hervorgehoben und auf neue Herausforderungen durch Russland und China verwiesen.

          Fallen bald die Masken?

          F.A.Z.-Frühdenker : Fallen bald die Masken?

          In Brüssel hoffen die NATO-Staaten auf einen Hauch Normalität. Deutschland entspannt sich – aller Unsicherheiten zum Trotz. Und die DFB-Elf bereitet sich auf ihr erstes EM-Gruppenspiel vor. Der F.A.Z.-Newsletter für Deutschland.

          Topmeldungen

          Spricht er auch Deutsch? Ein Imam betet in der Hamburger Centrum Moschee.

          Imam-Ausbildung in Deutschland : Frei vom Einfluss Ankaras

          In deutscher Sprache und auf dem Boden des Grundgesetzes: In Osnabrück startet das erste Projekt zu Ausbildung von Imamen in Deutschland. Die Erwartungen sind groß.
          Konziliant im Ton, in der Sache aber auch mit einigem einverstanden, was Donald Trump veranlasste: der amerikanische Präsident Joe Biden am Montag in Brüssel

          Biden und die EU : In Trumps langem Schatten

          Am Dienstag trifft der amerikanische Präsident die Spitzen der EU. Die Europäer wollen endlich Trumps Strafzölle loswerden, doch Biden zögert das hinaus. Fortschritte gibt es dagegen auf anderen Feldern.
          Eriksen-Nachricht aus dem Krankenhaus: „Ich fühle mich okay“

          Däne Eriksen meldet sich : „Ich fühle mich okay“

          Noch immer sind die Ursachen für seinen Zusammenbruch unklar, und auch, ob er Folgeschäden davongetragen hat? Einstweilen meldet sich der dänische Fußball-Profi Eriksen aber gutgelaunt zu Wort.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.