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Nato-Abzug aus Afghanistan : Was wollen die Taliban?

Vertreter der Taliban bei den innerafghanischen Gesprächen in der qatarischen Hauptstadt Doha Mitte September 2020 Bild: Reuters

Nach Bidens Abzugsentscheidung stehen die Islamisten in Afghanistan vor einer triumphalen Rückkehr an die Macht. Über ihre politischen Vorstellungen halten sie sich weiter bedeckt – auch um interne Differenzen zu überdecken.

          7 Min.

          Bis zuletzt haben sich die Taliban nicht in die Karten blicken lassen. Stattdessen sprachen sie wie üblich in vagen Formulierungen und Drohungen. Dass die Amerikaner schon mit dem Abzug der letzten in Afghanistan verbliebenen Truppen begonnen haben, wie der Oberkommandierende General Austin Miller am Sonntag verkündete, sei „lobenswert“, hieß es in einer Erklärung der Aufständischen von Mittwoch zwar. Im selben Atemzug ermahnten sie die Vereinigten Staaten jedoch abermals, das vor einem Jahr geschlossene Doha-Abkommen umzusetzen und sich vor allem an dessen Zeitplan zu halten. Der besagt, dass bis zum 30. April alle ausländischen Truppen das Land verlassen müssen.

          Christian Meier
          Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.

          Das aber wird nicht geschehen. Auch am 1. Mai werden noch mehrere tausend Soldaten der Nato-geführten Mission „Resolute Support“ in Afghanistan sein. Was dann passiert, weiß niemand so genau. Werden die Taliban – unmittelbar oder spätestens nach dem Ende des Ramadans Mitte Mai – wieder angreifen, so wie sie es mehrmals schon angedroht haben? Oder wird zum ersten Mal in der afghanischen Geschichte „einer ausländischen Invasorentruppe freies Geleit gewährt“, wie ihr Verhandlungsführer Sher Mohammad Abbas Stanikzai im Januar es in Aussicht stellte? Die militärischen Vorbereitungen zeigen, dass die Verbündeten nicht davon ausgehen. Die amerikanische Regierung zieht zur Sicherheit sogar einen Teil ihres Personals aus der Botschaft in Kabul ab.

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