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Nationalsozialismus : Westliche Geheimdienste deckten Adolf Eichmann

  • Aktualisiert am

April 1961: Eichmann wartet auf seinen Prozeß Bild: AP

Deutsche und amerikanische Geheimdienste wußten schon 1958, daß der NS-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann in Argentinien lebte. Dennoch blieb er unbehelligt - aus Sorge, er könnte über die Nazi-Vergangenheit des umstrittenen Staatssekretärs Hans Globke auspacken.

          Deutsche und amerikanische Geheimdienste wußten schon 1958, daß der NS-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann in Argentinien lebte. Dennoch blieb Eichmann unbehelligt - aus Sorge, er könnte Details über die Nazi-Vergangenheit des umstrittenen Staatssekretärs Hans Globke offenbaren. Das geht aus Dokumenten hervor, die die CIA jetzt freigeben mußte.

          Globke verfaßte im Dritten Reich einen Kommentar zu den Nürnberger Rassengesetzen. Nach dem Krieg wurde er Staatssekretär unter Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) und half den Vereinigten Staaten bei ihren antikommunistischen Aktivitäten im damaligen Westdeutschland.

          Als „Clemens“ in Argentinien untergetaucht

          In einem Vermerk deutscher Geheimdienstler vom 19. März 1958 an die CIA hieß es, laut Berichten halte sich Eichmann seit 1952 unter dem Namen „Clemens“ in Argentinien auf. Der ehemalige SS-Obersturmbannführer, der für die Umsetzung der sogenannten Endlösung zur Ermordung der Juden verantwortlich war, wurde 1960 vom israelischen Geheimdienst Mossad nach Israel verschleppt, dort zum Tode verurteilt und 1962 hingerichtet.

          Eichmann in Uniform: Archivbild ohne Datum

          „Das neu veröffentlichte CIA-Material deutet darauf hin, daß es auf höchster Ebene der Regierung von Konrad Adenauer Sorgen vor Aussagen über enge Mitarbeiter des Kanzlers gab, falls Eichmann festgenommen würde“, sagte der Historiker Timothy Naftali von der Universität von Virginia.

          Journalisten unter Druck gesetzt

          Nach seiner Enttarnung übte die CIA Druck auf Journalisten aus, um Hinweise auf Globke zu unterdrücken. Davon war etwa das amerikanische Magazin „Life“ betroffen. „Gesamtes Material wurde gelesen. Eine unklare Erwähnung von Globke, die 'Life' auf unsere Forderung hin wegläßt“, schrieb der damalige CIA-Direktor Allen Dulles am 20. September 1960 in einem internen Memorandum, nachdem das Magazin „Life“ die Erinnerungen des Nazis erworben hatte.

          Die 27.000 Seiten, die vom Nationalarchiv nun freigegeben wurden, werfen Licht in die Schattenwelt des Kalten Krieges, in der amerikanische Geheimdienste frühere Nazis als Agenten anheuerten. Kriegsverbrecher seien damals mit Klatsch und Gerüchten hausieren gegangen - um der Strafe für ihre Taten zu entgehen, für Söldnerlohn oder aus politischen Gründen, die sich nicht immer mit den amerikanischen Interessen gedeckt hätten, sagte Robert Wolfe, Fachmann für deutsche Geschichte, bei der Freigabe der Dokumente.

          Tricks und Täuschungen

          Die Unterlagen enthalten auch Informationen über den früheren SS-Obersturmführer Heinz Felfe, der als Mitarbeiter der Organisation Gehlen und später des BND Doppelagent der Sowjetunion war. Die CIA hat demnach auch Mitte der siebziger Jahre die amerikanischen Einwanderungsbehörden über die Rolle ihres Agenten Tscherim Soobzokov und seine Verwicklung in Kriegsverbrechen der Nazis getäuscht.

          Die Veröffentlichung der Dokumente geht auf ein Gesetz aus dem Jahr 1999 zurück, dem sich die CIA widersetzt hatte. Es regelt die Freigabe von Regierungsunterlagen, die im Zusammenhang mit deutschen und japanischen Kriegsverbrechen stehen. Die Dokumente zu Japan sollen in diesem Sommer veröffentlicht werden.

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