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Narendra Modi : Ins Herz der indischen Macht

Beliebt und umstritten: Narendra Modi Bild: AFP

Dem Regionalpolitiker Narendra Modi werden Pogrome angelastet - seinem Aufstieg zu einem der wichtigsten Oppositionspolitiker Indiens schadet das nicht. In der regierenden Kongresspartei verbreitet sich Unruhe.

          Am Stand von Kishan Lal werden nicht nur Hülsenfrüchte gehandelt, sondern auch politische Alternativen. Lal nimmt ein Päckchen Linsen in die Hand und sagt: „85 Rupien – wer soll das noch kaufen?“ Vor ein paar Jahren war das Kilo für 40 Rupien zu haben. Unternehmerisch betrachtet, leidet Lals Geschäft unter den Transportpreisen, die sich wegen des teuren Benzins fast verdoppelt haben. Politisch macht Lal einen anderen Schuldigen aus: die Kongresspartei und die von ihr geführte Regierung. „Es gibt nur einen, der uns aus dieser Misere rausholen kann“, sagt Lal: „Modi – der würde einen Unterschied machen.“

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Es ist unmöglich, auf Delhis bekanntem Lebensmittelmarkt „I.N.A.-Market“ einzukaufen, ohne Klagen über die Gandhi-Familie und Premierminister Manmohan Singh zu hören. Sie vernachlässigten die einfachen Leute und erlaubten ihren Ministern, sich zu bereichern, heißt es allenthalben. So geht das Lied schon länger, aber jetzt hat es einen neuen Refrain: „Modi ist stark! Modi ist die Nummer eins!“, heißt es bei Rishi Pal, der zwei Gassen weiter Küchenutensilien verkauft.

          Selbst die Landwirtschaft ist rentabel

          Die Begeisterung für Narendra Modi, den hindunationalistischen „Chief Minister“ des Bundesstaats Gujarat, kann erstaunen, auch befremden. Modi regiert einen Bundesstaat, der drei Flugstunden von Delhi entfernt liegt. Wegen seiner Vergangenheit ist der Ministerpräsident umstritten wie kein zweiter Politiker im Land. Außerdem steht er außerhalb seines Bundesstaats gar nicht zur Wahl – weder ist ein Termin für die Nationalwahlen in näherer Sicht, noch hat sich die oppositionelle Indische Volkspartei (BJP) bislang getraut, Modi an ihre Spitze zu berufen. Dass der Regionalpolitiker aus Gujarat dennoch zum Hoffnungsträger aufsteigen konnte, erklärt ein langjähriger Beobachter mit „schierer Verzweiflung“. Nach acht Jahren im Amt stünde die Kongress-Regierung für Untätigkeit und Korruption, weshalb die Inder nach jemandem Ausschau hielten, der „anders“ sei – nach einem „eisernen Mann“.

          Der Bundesstaat Gujarat im Nordwesten Indiens

          An Durchsetzungsfähigkeit mangelt es Modi, der einen kargen Lebensstil pflegt, nicht. Im Frühjahr 2002 wurde sein Bundesstaat zum Schauplatz von Pogromen, bei denen zwischen 1000 und 2000 Menschen ums Leben kamen; mindestens drei Viertel von ihnen waren Muslime. Bis heute beugen sich Richter über die Frage, ob Modis damals noch junge Regierung die Mörder gewähren ließ, sie womöglich gar anstachelte. Dass die Polizei in vielen Fällen wegschaute, zum Teil sogar die hindunationalistischen Mobs anführte, ist unbestritten. Aber auch nach zehn Jahren lässt sich Modi nichts nachweisen. Statt von der politischen Bühne zu verschwinden, wurde er zum langlebigsten Ministerpräsidenten in der Geschichte Gujarats. Mitte Dezember will er sich für eine weitere Amtszeit wählen lassen. In den Umfragen sieht es gut für ihn aus.

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