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Naomi Campbell in Den Haag : Das Model und der Diamant

Das Mannequin Naomi Campbell im Juni dieses Jahres in Paris Bild: AFP

Naomi Campbell, Supermodel und bekannt für Schönheit wie Jähzorn, soll 1997 vom damaligen liberianischen Staatschef Charles Taylor einen Diamanten geschenkt bekommen haben. An diesem Donnerstag wird sie dazu vor dem Sondertribunal für Sierra Leone in Den Haag befragt.

          Das Gespräch endet so, wie man es von Naomi Campbell erwarten durfte: mit einem Eklat. Die nunmehr vierzig Jahre alte Britin, eines der Supermodels der neunziger Jahre, wurde bekannt für ihre starken Schultern, ihre schmalen Hüften, ihre schier endlosen Beine, ihren forschen Gang – und für ihren Jähzorn. Sie bespuckte Polizisten, zerschlug Möbel auf der Yacht eines Freundes und warf einem missliebigen Dienstmädchen ein Handy an den Kopf.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Als eine Reporterin des amerikanischen Fernsehsenders ABC sie im April dieses Jahres fragt, ob sie 1997 von dem damaligen liberianischen Staatschef Charles Taylor nach einem Abendessen bei dem damaligen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela einen Diamanten geschenkt bekommen habe, antwortet Campbell: „Ich habe keinen Diamanten bekommen und ich werde nicht darüber sprechen, vielen Dank.“ Habe sie nicht mit Charles Taylor zu Abend gegessen? „Ich habe mit Nelson Mandela zu Abend gegessen, vielen Dank.“ Seien danach nicht Männer zu ihr gekommen und hätten ihr einen Diamanten gebracht? Campbell dreht den Kopf weg. Nächste Frage: Man habe gehört, sie habe den Anklägern im Verfahren gegen Taylor nicht gerade geholfen? Campbell steht auf, sagt „vielen Dank, auf Wiedersehen“ – und schlägt im Hinausgehen dem Kameramann seine Kamera aus der Hand.

          Am Donnerstag wird Campbell abermals zu dem Diamanten befragt

          An diesem Donnerstag soll Naomi Campbell abermals nach jenem Abendessen im September vor bald 13 Jahren in Pretoria, nach Taylor und vor allem nach dem Diamanten gefragt werden. Doch wenn es dazu kommt, sollte sie sich dieses Mal nicht so einfach herauswinden können. Denn sie soll als Zeugin in Den Haag aussagen, wo sich Taylor seit drei Jahren vor dem „Sondertribunal für Sierra Leone“ verantworten muss, einem auf sierra-leonischer Rechtsprechung basierenden Tribunal, das von den Vereinten Nationen unterstützt wird und sich der Aufklärung eines der grausamsten Bürgerkriege der neunziger Jahre widmet: dem in Sierra Leone.

          Von 1991 bis 2001 wurden dort etwa 120.000 Menschen getötet, Millionen vertrieben, Tausende verstümmelt. Taylor, der von 1997 bis 2003 Präsident Liberias war, wurde nach der Anklageerhebung 2003 zunächst von Nigeria aufgenommen. 2006 wurde er festgenommen und nach Den Haag überstellt. Die Anklage gegen ihn umfasst auf 30.000 Seiten elf Punkte, unter anderem Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen, Plünderung, Vergewaltigung und die Rekrutierung von Kindersoldaten. In dem Bürgerkrieg in Liberias Nachbarland Sierra Leone soll Taylor die Rebellen der „Revolutionary United Front“ (RUF) unterstützt haben.

          Der mittlerweile 62 Jahre alte Taylor behauptet hingegen, er habe versucht, auf Frieden im Nachbarstaat hinzuarbeiten. „Wir hörten, dass Menschen getötet und Frauen vergewaltigt wurden. Wir konnten das nicht verstehen“, sagte Taylor vor einem Jahr in Den Haag. „Für mich ist so etwas inakzeptabel.“ Kein Mensch glaube, dass er mit der RUF gehandelt habe. Er habe vielmehr sein Leben lang für das gekämpft, was er für richtig und im Interesse der Gerechtigkeit gehalten habe. „Ich habe nie Diamanten bekommen, weder in Mayonnaise-Gläsern noch in Kaffeedosen“, sagte Taylor, ein Selbstdarsteller, der auch als baptistischer Laienprediger wirkte. In einem Gespräch sagte er einmal, auch Jesus Christus sei angeklagt gewesen, ein Mörder zu sein.

          Bislang haben die Ermittler kein Geld gefunden

          Aus Sicht der Opfer – und nicht nur dieser – ist das blanker Hohn. Die Vernehmung der zunächst 91 Zeugen der Anklage wurde im Februar vergangenen Jahres abgeschlossen, viele schilderten schreckliche Erlebnisse. Eine Frau etwa berichtete, wie sie in einem Sack abgeschlagene Köpfe transportieren musste, darunter den ihres Kindes. Aber die Anklage tut sich schwer damit, den Vorwurf zu beweisen, dass nämlich Taylor der RUF Waffen und Munition geliefert und im Gegenzug Diamanten aus dem Nachbarland bekommen habe. Schon die Suche nach den Millionen, die Taylor aus seinem eigenen Land abgezweigt haben soll, gestaltet sich schwierig – bislang haben die Ermittler nach einem Bericht der „International Herald Tribune“ kein Geld gefunden, das auf einem Konto auf Taylors Namen ruht.

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