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Koloniale Verbrechen : Namibia-Sonderbeauftragter weist Kritik an Abkommen zurück

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Sollen Nachfahren von Völkermord-Opfern in Namibia direkte Reparationen erhalten? Demonstranten in Berlin geht das geplante Versöhnungsabkommen nicht weit genug. Bild: dpa

Ruprecht Polenz, der Namibia-Sonderbeauftragte der Bundesregierung, widerspricht dem Vorwurf, die vom deutschen Völkermord betroffenen Volksgruppen seien beim Versöhnungsabkommen nicht eingebunden worden.

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          Der Namibia-Sonderbeauftragte der Bundesregierung, Ruprecht Polenz (CDU), hat Kritik an dem geplanten Versöhnungsabkommen zur Aufarbeitung der blutigen deutschen Kolonialgeschichte zurückgewiesen. Polenz widersprach am Samstag im Sender Bayern 2 dem in Namibia geäußerten Vorwurf, die von den deutschen Gräueltaten betroffenen Volksgruppen seien in die Verhandlungen der beide Regierungen nicht ausreichend eingebunden gewesen. „Es haben bei jeder Verhandlungsrunde Vertreter der Herero und Nama mit am Tisch gesessen“, sagte Polenz.

          Die Kritik komme vor allem von jenen, „die gerne am Tisch gesessen hätten, wo die namibische Regierung aber anders entschieden hat und andere Herero und Nama an den Tisch gesetzt hat“, sagte Polenz. „Sowas kommt vor.“ Die Zahl der unterschiedlichen Gruppierungen innerhalb der Volksgruppen sei eben sehr groß. „Wir haben natürlich keinen Anspruch auf Versöhnung“, sagte der Sonderbeauftragte. „Aber ich denke, dass das Abkommen eine gute Grundlage ist, auch gesellschaftliche Versöhnungsprozesse einzuleiten.“

          Aufbauprogramm für 1,1 Milliarden Euro

          Polenz verwies auf den noch teils unveröffentlichen Verhandlungstext: „Ich glaube, wenn man dann auch den Text liest, der die Verbrechen von damals beschreibt, sie beim Namen nennt, die Konzentrationslager, die Zwangsarbeit, die Erniedrigung und eben auch den Völkermord, dann sieht man schon, dass es uns ernst ist, als Bundesrepublik Deutschland für diese Verbrechen um Entschuldigung zu bitten.“

          Am Freitag war bekannt geworden, dass Deutschland die Verbrechen deutscher Kolonialtruppen an den Volksgruppen der Herero und Nama im heutigen Namibia Anfang des 20. Jahrhunderts offiziell als Völkermord anerkennen und die Nachkommen der Opfer um Entschuldigung bitten wird. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) kündigte 1,1 Milliarden Euro für ein Wiederaufbauprogramm an.

          Namibia war unter dem damaligen Namen Deutsch-Südwestafrika von 1884 bis 1915 deutsche Kolonie. Zwischen 1904 und 1908 wurden unter der deutschen Kolonialherrschaft zehntausende Angehörige der Herero und Nama von Truppen des deutschen Kaiserreichs getötet. Historiker sprechen vom ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts.

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