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Namensänderung Nordmazedoniens : Außenpolitik mit schwarzen Kassen

Eine Geldfrage? Mazedoniens Außenminister Dimitrow, Zoran Zaev, Alexis Tsipras und Nikos Kotzias (von links) bei der Unterzeichnung des Abkommens im Juni 2018, mit dem der „Namensstreit“ mit Griechenland beigelegt werden sollte Bild: dpa

Im „Namensstreit“ mit Griechenland wurden Abgeordnete in Skopje von der Justiz eingeschüchtert und bedroht. Hat Athen mit Steuergeldern Parlamentarier bestochen? Auch ein amerikanischer Großinvestor soll seine Finger im Spiel haben.

          9 Min.

          Es muss laut geworden sein in der griechischen Kabinettssitzung am 16. Oktober 2018. An jenem Tag gerieten Verteidigungsminister Panos Kammenos und Außenminister Nikos Kotzias in einen heftigen Streit. Sie bezichtigten einander der Korruption und des Amtsmissbrauchs. Am Tag danach erklärte Kotzias seinen Rücktritt. Er wähnte sich von Regierungschef Alexis Tsipras, der in jener Sitzung für keinen der Streitenden Partei ergriffen hatte, im Stich gelassen.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Was war geschehen? Treffen die Darstellungen griechischer Medien zu, hatte Kammenos, der gern viel und laut redet, schwere Geschütze aufgefahren. Die Athener Zeitung „To Vima“ berichtete unter Berufung auf Kabinettsquellen, Kammenos habe gesagt, dass Kotzias 50Millionen Euro von dem amerikanischen Großinvestor George Soros erhalten habe, um Parlamentarier in Skopje bestechen zu lassen und so sein außenpolitisches Lebenswerk zu sichern: die Annahme des sogenannten Prespa-Abkommens zur Lösung des „Namensstreits“. Dieser Streit zwischen Griechenland und Mazedonien, das seit Jahresbeginn offiziell Nordmazedonien heißt, ist inzwischen überwunden. Der heikelste Moment des maßgeblich von Kotzias entworfenen Lösungsplans war die Billigung des neuen Staatsnamens durch eine Zweidrittelmehrheit des Parlaments in Skopje.

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