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Namensstreit : Balkanische Petitesse mit Folgen

Protest unter mazedonischer Flagge: „Unser Name steht nicht zum Verkauf” Bild: AFP

Seit mehr als 15 Jahren fechten Griechenland und Mazedonien einen bizarren politischen Streit um den Namen „Mazedonien“ aus. Er ließe sich als abstruse balkanische Petitesse abtun, hätte er nicht ernsthafte politische Folgen.

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          Seit mehr als 15 Jahren fechten Griechenland und Mazedonien einen bizarren politischen Streit aus: Athen macht der ehemals Jugoslawien zugehörigen Republik das Recht auf den eigenen Namen streitig, da dieser allein der gleichnamigen Provinz im Norden Griechenlands gebühre. Außerdem betreibe der balkanische Kleinstaat Mazedonien eine irredentistische Politik und könne eines Tages gar Anspruch auf die griechische Provinz Makedonien erheben. Die slawischen Mazedonier hingegen sehen durch die griechischen Forderungen, sich von ihrem Namen loszusagen, das Recht auf ihre Identität verletzt.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Der Streit ließe sich als abstruse balkanische Petitesse abtun, hätte er nicht ernsthafte politische Folgen. Vor dem Nato-Gipfel in Bukarest vom 2. bis zum 4. April steuert das griechisch-mazedonische Duell auf einen neuen Höhepunkt zu. Alle Mitgliedstaaten des Verteidigungsbündnisses wollen Mazedonien, das ein Nachbartstaat des Kosovos ist und schon deshalb als entscheidend für die Stabilität in der Krisenregion des westlichen Balkans gilt, in die Nato einladen. Griechenland droht jedoch, ein Veto gegen die Aufnahme einzulegen, sollte Mazedonien sich nicht einen neuen Namen zulegen.

          Zwar hat Athen auch als Folge des geschlossenen internationalen Unverständnisses für die griechische Position die ursprüngliche Forderung, der 1991 unabhängig gewordene Nachbarstaat müsse gänzlich auf die Bezeichnung „Mazedonien“ als Namensbestandteil verzichten, inzwischen aufgegeben. Die auch von der griechischen Opposition unterstützte Vetodrohung gegen einen Nato-Beitritt Mazedoniens steht jedoch.

          Um eine Einigung in letzter Minute zu erreichen, hat ein Unterhändler im Namen der Vereinten Nationen unlängst mehrere Vorschläge vorgelegt, die den Staat Mazedonien von der griechischen Provinz unterscheiden sollen: „Demokratische Republik Mazedonien, Konstitutionelle Republik Mazedonien, Unabhängige Republik Mazedonien, Republik Neu-Mazedonien und Republik Ober-Mazedonien“. Zyniker dürften in diesen Ideen gewisse Vorteile erkennen - einige eignen sich hervorragend als künftige Werbung für die mazedonische Fremdenverkehrsbehörde („Neu-Mazedonien! Jetzt noch besser!“). Für andere ließen sich zumindest historische Vorbilder anfügen. In Afrika gab es einst ein Obervolta (obschon von einem Untervolta nur wenig bekannt wurde) - warum soll es da nicht auch ein Ober-Mazedonien auf dem Balkan geben?

          Doch ob nun Neu-, Nord- oder Ober-Mazedonien: Die slawischen Einwohner Mazedoniens behaupten weiterhin, sie seien Mazedonier ohne Zusätze und Adjektive. Und warum, fragen sie, nenne sich das erst 1830 nach Jahrhunderten osmanischer, römischer und sonstiger Fremdherrschaft wieder unabhängig gewordene Griechenland eigentlich nicht Neu-Hellas?

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