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Nahost-Reise : Große Erwartungen vor Obama-Rede

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Freundliche Begrüßung: Ägyptens Präsident Mubarak und Barack Obama Bild: REUTERS

Der amerikanische Präsident Barack Obama ist zu seiner Kurzvisite in Kairo eingetroffen, wo er am Mittag seine mit Spannung erwartete Rede an die islamische Welt halten will. Auch wenn Obamas Berater die Hoffnungen dämpfen, sind die Erwartungen an den Auftritt groß.

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          Der amerikanische Präsident Barack Obama hat bei einem Kurzbesuch in Kairo am Donnerstag die Bereitschaft seines Landes zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit den Staaten des Nahen Ostens bekräftigt. Nach einem Gespräch mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak sagte Obama, er habe diesem versprochen, sich für einen umfassenden Frieden im Nahen Osten einzusetzen. „Ich freue mich darauf, diese Fragen in den kommenden Jahren mit Präsident Mubarak zu diskutieren“, sagte Obama. Im Mittelpunkt des Treffens im Kubba-Palast hätten darüber hinaus der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern gestanden, so Obama weiter. Er würdigte Mubarak als Politiker mit jahrzehntelanger Erfahrung. Dieser wirkte nach dem Treffen jedoch ungewöhnlich ernst.

          Im Anschluss an das Gespräch mit Mubarak wollte Obama in Kairo eine Moschee besichtigen und in einer Universität seine mit Spannung erwartete Rede an die islamische Welt halten. Zwischen beiden Seiten gebe es „mehrere große Missverständnisse“, hatte Obama kurz vor Beginn seiner Nahostreise erklärt. Beratern zufolge wollte der amerikanische Präsident in der Rede der Hoffnung auf ein besseres gegenseitiges Verständnis Ausdruck verleihen, aber auch klare Worte über die Werte der Demokratie, die Frauenrechte und über wirtschaftliche Chancen äußern.

          Bis zuletzt habe Obama an dieser lange angekündigten „Rede an die islamische Welt“ gearbeitet, sagt der Redenschreiber des Präsidenten, Ben Rhodes. Grundlagen der Beziehungen zwischen dem Westen und der islamischen Welt seien der gegenseitige Respekt und die gemeinsamen Interessen, so der Obama-Berater. Obama werde nicht „irgendeinen detaillierten Plan“ für den Nahen Osten präsentieren, aber offen ansprechen, dass alle Beteiligten ihren Verpflichtungen nachkommen müssten, damit es Frieden geben könne. Der Präsident wisse auch, dass „eine Rede nicht genug ist“, deswegen bemühe er sich kontinuierlich seit seinem Amtsantritt um neue Vertrauensbildung und neuen Dialog. In den vergangenen Tagen bemühte sich Obama, die Bedeutung der von vielen Muslimen mit Spannung erwarteten Rede etwas zu relativieren. „Eine Rede wird nicht alle Probleme im Nahen Osten lösen“, sagte er in einem Interview. „Die Erwartungen sollten in gewisser Weise bescheiden sein.“

          Obama winkt auf dem Flughafen von Riad vor dem Abflug nach Kairo

          Grundsatzrede wird in 13 Sprachen übersetzt

          Gleichwohl setzt die arabische Welt große Hoffnungen in Obamas Rede. So schrieb der Herrscher von Dubai, Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktum, in einem Artikel, der am Donnerstag von mehreren Medien veröffentlich wurde: „Die Araber schätzen, dass sich Präsident Barack Obama entschieden hat, in einem islamischen Land eine Grundsatzrede über die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und den Muslimen zu halten, von denen sich viele in den vergangenen Jahren von der amerikanischen Außenpolitik abgestoßen gefühlt hatten.“

          Um möglichst vielen Menschen einen Zugang zu der Rede zu ermöglichen, plante das Weiße Haus einen Live-Webcast auf seiner Internetseite. Ferner sollte die Rede in 13 Sprachen übersetzt werden, Auszüge sollten darüber hinaus bei MySpace, Twitter und Facebook veröffentlicht werden. Obama hatte die Grundsatzrede bereits im Präsidentschaftswahlkampf angekündigt. Sein Versprechen, sich schon in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit an die islamische Welt zu wenden, konnte er allerdings nicht einhalten.

          Obama war zum Auftakt seiner vierten Auslandsreise seit seinem Amtsantritt am Mittwoch in Riad vom saudischem König Abdullah begrüßt worden. Bei den Gesprächen ging es nach Angaben des Weißen Hauses unter anderem um den Nahost-Konflikt, den Iran, die Lage in Pakistan und Afghanistan sowie Energiefragen. Nahost-Experten glauben, dass die von Obama erwartete neue Initiative zu einem Nahost-Frieden den Friedensplan Abdullahs aus dem Jahr 2002 zum Kern haben könnte. Demnach bietet die arabische Welt Israel Frieden und Anerkennung an, falls sich Israel aus allen 1967 besetzten Gebieten zurückzieht.

          Chameini: Unsere Nationen hassen Amerika zutiefst

          Begleitet wurde der Reiseauftakt Obamas von neuen Botschaften der Terrororganisation Al Qaida. In einer Botschaft, die Usama bin Ladin zugeschrieben wird, wird Obama beschuldigt, die gleiche verfehlte Politik wie sein Vorgänger Bush zu verfolgen. Al-Qaida-Vize al-Sawahiri beschimpfte Obama als „Verbrecher“, der mit der Führung des „Folterstaates“ Ägypten unter einer Decke stecke.

          Auch Irans geistliches Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei griff Amerika scharf an. „Die Nationen in diesem Teil der Welt ... hassen Amerika zutiefst“, sagte Chamenei am Donnerstag in einer im Fernsehen übertragenen Rede. „Auch wenn sie süße und schöne Reden vor den muslimischen Ländern halten, ändert dies nichts.“ Auf Worte müssten auch Taten folgen, forderte Chamenei.

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