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Nahost-Politik : Nach elf Minuten und für alle Ewigkeit

Feiern in Flaggen: Israelis begehen den Gründungstag in Jerusalem Bild: AP

Zum 60. Jahrestag der Gründung Israels ist Präsident Bush abermals in den Nahen Osten gereist. Er will den Friedensprozess vorantreiben und bekräftigt die amerikanisch-israelische Freundschaft. Sie besteht so lange wie der Staat Israel selbst.

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          Außenministerin Condoleezza Rice nahm die Einladung selbstverständlich an: Beim feierlichen Auftakt zum 102. Jahrestreffen des „American Jewish Committee“ (AJC) hielt sie vor wenigen Tagen die Eröffnungsrede. Die Teilnehmer der Jahrestagung applaudierten ihr zur Begrüßung im Stehen. Ordnungsgemäß pries die Ministerin in ihrer Rede das AJC für dessen mehr als ein Jahrhundert währendes Engagement für Pluralismus und Menschenwürde. Von 1948 an habe das AJC „das Band gestärkt, das uns mit den Bürgern Israels verbindet“, und deshalb werde es für sie „eine persönliche Freude sein“, Präsident George W. Bush auf dessen Besuch anlässlich des 60. Jahrestages der Gründung Israels zu begleiten.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Amerikaner und Israelis, die Vereinigten Staaten und Israel gehen von Anfang an wie Freunde miteinander um, obwohl es bei Beziehungen zwischen Staaten und Völkern bekanntlich keine Freundschaften, sondern nur Interessen gibt. Am 14. Mai 1948 rief David Ben-Gurion den Staat Israel aus, und ganze elf Minuten nach der Unabhängigkeitserklärung erkannte in Washington die Regierung unter Präsident Harry Truman das neue Mitglied der Staatengemeinschaft an - als erstes Land der Welt. Dieser symbolträchtige Akt prägt bis heute das besondere Verhältnis Amerikas zu Israel.

          „Einzigartig unter allen Nationen“

          Unter Präsidenten beider Parteien flossen von der demokratischen Schutzmacht Amerika Hunderte Milliarden Dollar an Militär- und Wirtschaftshilfe an den demokratischen Schützling Israel. Dies geschah gewiss aus geostrategischem Interesse an einer für die Sicherheit und die Energieversorgung der Vereinigten Staaten kritischen Region, aber mindestens ebenso sehr aus Gründen einer tiefen weltanschaulichen Verbundenheit. Harry Truman, Präsident von 1945 bis 1953, sah Israel als die „Verkörperung der großen Ideale unserer Zivilisation“, John F. Kennedy (1961 bis 1963) pries Israel als „Schild- und Schwertträger von Demokratie und Freiheit“, Bill Clinton (1993 bis 2001) bezeichnete die amerikanisch-israelischen Beziehungen als „einzigartig unter allen Nationen“.

          Auf dem Weg in den Nahen Osten: George W. Bush
          Auf dem Weg in den Nahen Osten: George W. Bush : Bild: AP

          In der arabischen Welt und auch in Europa wird diese Bruderschaft weithin als ungerechte Voreingenommenheit Washingtons zugunsten Israels angeprangert: Die Vereinigten Staaten könnten deshalb nicht die Rolle des Vermittlers zwischen Israelis und Palästinensern spielen. Vor gut zwei Jahren haben die Politikwissenschaftler John Mearsheimer und Stephen Walt mit ihrem Essay „Die Israel-Lobby und die amerikanische Außenpolitik“ mit diesem Tenor für Aufruhr gesorgt. Sie sehen die amerikanische Außenpolitik so stark dem sinistren Einfluss der jüdischen Lobby in Washington ausgesetzt, dass sich die Supermacht im Nahen Osten gegen ihre eigenen Interessen vor den Karren Israels spannen lasse. Ohne die gefährliche Israel-Lobby hätte es keinen amerikanischen Einmarsch im Irak gegeben und wäre der Ruf Amerikas in aller Welt nicht so gründlich ruiniert worden, lautet Mearsheimers und Walts Philippika.

          Verpflichtet zum Schutz Israels

          Gegen diese Verschwörungstheorie wurde mancherlei eingewandt, etwa die Tatsache, dass schon unter Trumans Nachfolger Dwight Eisenhower (1953 bis 1961) die amerikanisch-israelischen Beziehungen eher frostig waren. Nach dem Angriff israelischer Truppen - mit Unterstützung Großbritanniens und Frankreichs - gegen ägyptische Stellungen auf der Sinai-Halbinsel Ende Oktober 1956 drohte Washington mit wirtschaftlichen und politischen Sanktionen und zwang Israel, seine Truppen von der Zone am Suez-Kanal wieder abzuziehen: Die Suez-Krise entschied Washington zugunsten Ägyptens und gegen Israel.

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