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Eskalation in Nahost : Höhepunkt der Kampfhandlungen scheint noch nicht erreicht

Raketen aus Gaza am 11. Mai Bild: AFP

Etwa 200 Raketen aus Gaza haben den Großraum Tel Aviv erreicht, die meisten davon wurden noch in der Luft abgeschossen. Während die Kriegshandlungen weitergehen, brechen in vielen Städten in Israel Unruhen aus.

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          Gegen neun Uhr am Abend und drei Uhr in der Nacht heulten auch in der Innenstadt von Tel Aviv die Sirenen. Etwa 200 Raketen erreichten den Großraum der israelischen Metropole, die Raketenbatterien des Abwehrsystems „Iron Dome“ schossen die allermeisten Geschosse aus Gaza noch in der Luft ab. Zeitweise im Sekundentakt leuchteten die Feuerbälle der Explosionen über Tel Aviv, deren Wucht viele Häuser erschütterte. Es war ein Szenario, das die um den Gazastreifen gelegenen israelischen Ortschaften und Städte leidvoll gewohnt sind. Doch ein direkter Angriff auf Tel Aviv, das wirtschaftliche und intellektuelle Herz des Landes, dem Sitz der israelischen Streitkräfte, war für die Hamas und andere Milizen im Gazastreifen ein Wirkmittel größerer Tragweite.

          Jochen Stahnke
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die Islamisten hatten sich zu dem Angriff entschlossen, nachdem die israelischen Luftstreitkräfte jeweils kurz zuvor ein Hochhaus in Gaza zum Einsturz gebracht hatten. In diesen auch als Wohngebäude genutzten vielgeschossigen Häusern soll die Hamas Büros etwa ihres Geheimdienstes unterhalten haben.

          „Bereit für eine Eskalation“

          Vor dem Angriff hatten israelische Drohnen sogenannte Klopf-Bomben ohne Sprengmittel auf die Dächer geworfen und Hausverwalter anrufen lassen, um die Bewohner so zum Verlassen des Gebäudes vor dem eigentlichen Angriff zu veranlassen. In der Logik der Kriegsparteien wollten die Milizen in Gaza diese Angriffe daraufhin gleich mit gleich vergelten. Sie hatten Angriffe auf Tel Aviv im Falle einer Hochhausattacke auf Gaza angekündigt und ihrerseits Minuten vor dem Beschuss Warnungen an die israelische Bevölkerung verbreitet. Israels Streitkräfte nahmen den Beschuss von Tel Aviv in Kauf und weiteten anschließend auch ihre Vergeltungsangriffe aus.

          Bild: dpa

          Hamas-Politbürochef Ismail Hanije sprach Dienstagnacht von einem neuen „Gleichgewicht der Kräfte“ mit Israel und rief einen „Sieg im Kampf um Jerusalem, der Verteidigung Jerusalems“ aus. Dort hatten sich in den vergangenen Wochen überwiegend junge Ostjerusalemer Palästinenser und palästinensische Israelis Auseinandersetzungen mit den Polizeikräften um die Al-Aqsa-Moschee und das von Zwangsräumungen bedrohte Jerusalemer Viertel Scheich Jarrah geliefert. Dies hat die Hamas für sich ausgenutzt und befeuert, ohne dass die Islamisten jedoch an der Spitze der Demonstrationen standen.

          Hanije sagte weiter „wir sind bereit für eine Eskalation und bereit für Ruhe, unter der Bedingung dass sie (Israel) ihre Aggression gegen Jerusalem beenden“. Diese Worte und die Sprache, man habe einen Sieg errungen, mochten manche als Bereitschaft für einen Waffenstillstand deuten, den Vermittler unter anderem der UN, aus Ägypten und aus Qatar herbeizuführen versuchen. Doch feuerten die Milizen auch am Mittwochmorgen weiter, wobei die Hamas mit dem Abschuss einer Panzerabwehrrakete mindestens einen Israeli tötete.

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