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Kampf gegen den IS : Wenn Mossul fällt, was dann?

Gepanzerte Fahrzeuge der irakischen Armee fahren durch den Ort Bartella östlich von Mossul. Eine irakische Eliteeinheit hat den Ort vom IS befreit. Bild: dpa

Der Kampf gegen den IS im Irak macht Fortschritte. Begonnen hat nun auch das Ringen um die Nachkriegsordnung. Kurden, Sunniten und Schiiten wollen Rechnungen begleichen.

          Die Offensive zur Rückeroberung der nordirakischen Millionenstadt Mossul kommt wie erwartet voran – und das heißt auch: wie erwartet langsam. Während die kurdischen Peschmerga-Truppen im Osten bereits auf wenige Kilometer an das Stadtgebiet herangerückt sind, ist die irakische Armee im Süden noch rund 30 Kilometer von der einstigen Metropole entfernt. Die Gegenwehr des „Islamischen Staates“ (IS) nehme zu, je weiter man sich der Stadt nähere, heißt es aus der internationalen Anti-IS-Koalition. Zugleich gibt es Berichte aus Mossul, dass viele IS-Kämpfer sich in den Westen der Stadt zurückzögen – wohl mit Blick auf Fluchtrouten nach Westen, in Richtung der Stadt Tal Afar.

          Christian Meier

          Redakteur in der Politik.

          Auch wenn ein rascher Zusammenbruch des IS unwahrscheinlich ist – die Gegner der Dschihadisten denken schon daran, was nach dem Fall Mossuls kommt. Vertreter des Anti-IS-Bündnisses kündigten beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel eine baldige Offensive auf die andere verbliebene IS-Hochburg an, das syrische Raqqa. „Sie startet in wenigen Wochen“, sagte der amerikanische Verteidigungsminister Ashton Carter diese Woche.

          Vor allem aber sind es die politischen Kräfte und Volksgruppen im Irak selbst, die sich darauf vorbereiten, mögliche Gelegenheiten zu nutzen, die der Fall Mossuls bieten dürfte. Denn darin sind sich alle einig: Das Ende des IS wird nicht das Ende der Probleme im Irak sein. So formulierte es der Außenminister der kurdischen Autonomieregion, Falah Mustafa, diese Woche auf einer von dem irakischen Forschungsinstitut Meri veranstalteten Konferenz in der Regionalhauptstadt Arbil, die zahlreiche führende Politiker des Landes versammelte.

          Streben die Kurden eine Loslösung vom Irak an?

          Ganz abgesehen von der noch immer immensen Herausforderung durch die Terrororganisation IS, die seit dem Beginn der Offensive bewiesen hat, dass sie weiterhin über die Mittel zu Gegenschlägen verfügt, gibt es grundlegende Probleme im Verhältnis zwischen den großen Volksgruppen des Iraks. Sie wurden teilweise beiseitegelegt, um überhaupt erst die Koalition zur Rückeroberung Mossuls schmieden zu können, dürften dafür aber bald umso verschärft zutage treten.

          Kurden, Sunniten und Schiiten werden ihren Lohn für die Beteiligung an der Militäraktion einfordern, alte Rechnungen begleichen wollen und neue aufmachen. So sagt der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident des Iraks Rafe al Esawi Kämpfe zwischen Sunniten und Schiiten nach dem Fall Mossuls voraus, wenn es keinen „Versöhnungsprozess“ gebe nach den Gewalttaten der vergangenen Jahre. Esawi forderte die schiitisch dominierte Zentralregierung auf, die Sunniten nicht zu marginalisieren, und beschuldigte die schiitischen Milizen der Verbrechen an sunnitischen Zivilisten.

          Ein Referendum gab es nie

          Mehr noch aber geht es um die Aspirationen der Kurden, die lange Zeit für einen eigenen Staat gekämpft haben, nachdem ihre Volksgruppe nach dem Ersten Weltkrieg auf andere Länder aufgeteilt worden war. Nach der Errichtung einer Flugverbotszone 1991 und dem erzwungenen Sturz des Regimes von Saddam Hussein 2003 schien es fast so weit, die Kurden erhielten 2005 weitreichende Autonomierechte im Norden des Landes, der irakischen „Region Kurdistan“. Es gab seither jedoch immer wieder Streit mit der Zentralregierung in Bagdad, etwa über die Verteilung der Öleinnahmen oder die Kontrolle über die Peschmerga.

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