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Weitere Eskalation : Türkei greift kurdische Stellungen in Syrien an

  • Aktualisiert am

Aufmarsch an der Grenze zu Syrien: Türkische Panzer stehen bereit Bild: AP

Die türkische Armee setzt ihren Einsatz in Syrien mit aller Härte fort. Nachdem kurdische Stellungen bisher von türkischen Jets und Artillerie angegriffen wurden, haben nun erstmals auch türkische Panzer in die heftigen Gefechte auf syrischem Boden eingegriffen.

          Im Kampf gegen kurdische Milizen und Dschihadisten des Islamischen Staates (IS) dringen die Türkei und ihre Verbündeten immer weiter nach Nordsyrien vor. Türkischen Sicherheitskreisen zufolge wurden am Sonntag Stellungen der Kurdenmiliz YPG mit Kampfflugzeugen und Artillerie angegriffen.

          Nach Angaben der Streitkräfte kamen dabei 25 kurdische Kämpfer ums Leben. Bei den Kämpfen wurden zudem Zivilisten getötet, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete. Im Dorf Dschub al-Kusa waren es demnach 20 und in Al-Amarna 15. Die türkische Offensive richte sich bislang vor allem gegen Aufständische, die mit kurdischen Einheiten verbündet seien.

          Die türkische Armee und mit ihr verbündete Rebellengruppen hatten am Mittwoch die Grenze nach Syrien überquert, um nach eigener Darstellung dort gegen die Terrormiliz IS zu kämpfen und zu verhindern, dass kurdische Rebellen weitere Gebiete von den Dschihadisten erobern.

          Die Türkei befürchtet, dass ansonsten kurdische Aufständische im eigenen Land erstarken. So wurde Medienberichten zufolge der Flughafen Diyarbakir in der Nacht zum Sonntag von mutmaßlich kurdischen Extremisten mit Raketen angegriffen. Tote und Verletzte gab es demnach nicht.

          Zu den Kämpfen in Syrien äußerte sich die YPG-Miliz zunächst nicht. Mit ihr verbündete Rebellen erklärten aber, die YPG habe sich schon vor Beginn der Offensive aus den jetzt angegriffenen Gebieten zurückgezogen. Nach Erkenntnissen der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle konnte die türkische Allianz die Ortschaften Dschub al-Kusa und Al-Amarna einnehmen. Sie hätten dabei gegen Rebellen gekämpft, die dem Bündnis SDF nahestünden, in dem die Kurden eine wichtige Rolle spielen. Das Vorgehen des Nato-Staates Türkei in Syrien ist heikel, weil die Vereinigten Staaten die SDF-Allianz im Kampf gegen den IS unterstützen.

          Die Türkei setzte der Beobachtungsstelle zufolge auch am Sonntag Panzer ein. Bereits am Samstag war ein türkischer Panzer nach offiziellen Angaben von einer Rakete getroffen worden. Ein Soldat sei dabei ums Leben gekommen. Das Geschoss wurde der Türkei zufolge von einem Gebiet aus abgefeuert, das die YPG kontrolliert.

          Türkische Offensive vorrangig gegen Kurden

          Die türkische Allianz will verhindern, dass die Kurden westlich des Flusses Euphrat weitere Gebiete erobern. Ein Kommandeur der Gruppe Sultan Murad sagte der Nachrichtenagentur Reuters, man rücke in Richtung Manbidsch nach Süden vor. Kurdische Kämpfer hatten die Stadt erst in diesem Monat mit Unterstützung Washingtons vom IS erobert. Der Kommandeur erklärte weiter, man wolle auch gegen den IS weiter im Westen vorgehen.

          Die Türkei wird immer wieder von IS-Anschlägen erschüttert. So sollen die Islamisten für die Attacke auf eine Hochzeitsgesellschaft in Gaziantep nahe der Grenze verantwortlich sein. Dabei kamen in diesem Monat 54 Menschen ums Leben. Präsident Recep Tayyip Erdogan wollte am Sonntag in die Stadt reisen, um den Angehörigen der Opfer seinen Respekt zu bekunden.

          Baumaschinen heben Graben bei Kobane aus

          Weiter östlich überquerten türkische Panzer bei der Stadt Kobane die Grenze. Sie begleiteten Baumaschinen, die auf syrischem Boden begannen, einen Graben auszuheben, wie ein Kurdensprecher berichtete. Die Türkei wolle eine Blockade über die Region verhängen.

          Die Vereinigten Staaten und Russland verständigten sich unterdessen grundsätzlich über Schritte zu einer Waffenruhe zwischen Anhängern des Regimes und Rebellen, die sich in anderen Regionen Syriens gegenüberstehen. Besonders umkämpft ist dabei die nordsyrische Stadt Aleppo.

          Allerdings müssten bis zu einer Waffenruhe noch eine Reihe von Einzelheiten geklärt werden, sagten die Außenminister beider Länder am späten Freitagabend nach mehr als zwölfstündigen Verhandlungen in Genf. In diplomatischen Kreisen hieß es, trotz der langen Gespräche sei „lediglich ein kleiner gemeinsamer Nenner bestätigt worden“. Experten beider Länder sollten jetzt offene Fragen klären.

          „Wir wollen keine Vereinbarung, die nicht durchsetzbar wäre“, sagte der amerikanische Außenminister John Kerry bei einer Pressekonferenz mit seinem Amtskollegen Sergej Lawrow. Zu den offenen Fragen gehört nach Angaben beider Politiker das Vorgehen gegen terroristische Gruppierungen wie die Miliz Dschabhat Fatah al-Scham, die bis vor Kurzem unter dem Namen Al-Nusra-Front Teil des Terrornetzwerks Al-Kaida war.

          In Syrien tobt seit 2011 ein blutiger Bürgerkrieg, in den das Regime von Präsident Baschar al-Assad, etliche Rebellengruppen, die Kurden und der IS involviert sind. Der Konflikt hat nach UN-Angaben rund 400.000 Menschen das Leben gekostet und Millionen in die Flucht getrieben. Zudem leben noch etwa 600.000 Menschen unter Belagerung.

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