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Weiter schwere Gefechte : Türkei schließt Grenze zu Syrien

Syrische Regierungstruppen haben Oppositionellen und Anwohnern zufolge am Mittwoch eine Vorstadt von Damaskus schwer unter Beschuss genommen. Bild: reuters

Angesichts der sich verschärfenden Kämpfe im Nachbarland hat die Türkei ihre letzten noch offenen Grenzübergänge zu Syrien geschlossen. Das Assad-Regime versuchte unterdessen, die Rebellen aus der Millionenstadt Aleppo zurückzutreiben.

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          Die Türkei hat ihre letzten drei zuvor noch offenen Grenzübergänge zu Syrien vorübergehend geschlossen. Aus dem türkischen Wirtschaftsministerium hieß es allerdings am Mittwoch, die Schließung gelte nicht für Lastwagen, die Syrien als Transitland nutzen wollten. Ebenso ausgenommen seien Fahrzeuge, die Güter zur Versorgung der Zivilbevölkerung transportieren. Eine Sprecherin des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen ergänzte, die Regierung in Ankara habe zugesichert, die Sperre gelte auch nicht für Flüchtlinge aus Syrien.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.
          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Flüchtende gelangen indes ohnehin nicht auf den offiziellen Übergängen in die Türkei. Die Entscheidung zur teilweisen Schließung der Grenzübergänge ist nach offizieller Darstellung eine Reaktion auf Gewaltakte gegen türkische Lastwagenfahrer in Syrien. Die Wiedereröffnung hänge „von der weiteren Entwicklung ab“, zitierten türkische Medien am Mittwoch einen namentlich nicht genannten Regierungsvertreter.

          In Syrien versuchte das Assad-Regime die Rebellen aus der nur etwa 60 Kilometer von der Grenze entfernt liegenden Millionenstadt Aleppo zurückzutreiben. Von dort wurden am Mittwoch heftige Kämpfe gemeldet. Ein Sprecher der oppositionellen Freien Syrischen Armee sagte, das Regime verlege Truppen aus der nordwestlichen Provinz Idlib in die Stadt, die als wichtigstes Wirtschaftszentrum des Landes gilt und strategisch von großer Bedeutung ist. Von Tausenden Soldaten und Panzern war am Mittwochnachmittag die Rede.

          Übergänge und Flüchtlingslager entlang der syrischen Grenze
          Übergänge und Flüchtlingslager entlang der syrischen Grenze : Bild: F.A.Z.

          Auch aus dem Umland Aleppos wurden Kämpfe gemeldet, nach Angaben von Aktivisten sollen Dörfer mit Artillerie beschossen worden sein. Der Sender BBC zeigte Bilder von Kampfflugzeugen, die über Aleppo kreisten; demnach beschossen sie mit Bordwaffen Stellungen der Aufständischen. Nach Angaben des Syrischen Nationalrats, des größten Dachverbandes der Opposition, wurden Ziele in Aleppo und der Stadt Rastan bombardiert. Der Einsatz von Kampfflugzeugen durch das Regime ist eine weitere Eskalation im syrischen Bürgerkrieg, in dem das Assad-Regime inzwischen um sein Überleben kämpft. Mehrere ausländische Regierungen vertreten die Auffassung, ein Sturz des syrischen Machthabers sei unausweichlich.

          Die Führung in Damaskus, die am Mittwoch noch immer um die Kontrolle wichtiger Machtzentren wie Aleppo und der Hauptstadt Damaskus kämpfte, hat die Kontrolle über Teile der Grenzregionen verloren. Die Schließung der Grenzübergänge durch die Regierung in Ankara fällt mit neuerlicher scharfer türkischer Kritik an Damaskus zusammen: Demnach habe das Assad-Regime das Grenzgebiet Syriens zur Türkei kurdischen Freischärlern übergeben, die der verbotenen kurdischen Terrororganisation PKK nahestehen. In Ankara wird seit langem befürchtet, dass sich der andauernde Kampf gegen die PKK künftig auch auf das türkisch-syrische Grenzgebiet erstrecke und die Kurdenfrage durch die Entstehung einer „Westkurdischen autonomen Region“ eine neue Dimension erhalte.

          In den Grenzprovinzen der Türkei zum Irak und zu Iran kommt es regelmäßig zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen türkischen Sicherheitskräften und kurdischen Freischärlern. Erst am Mittwoch wurde in türkischen Medien wieder von Kämpfen in der besonders unruhigen Grenzprovinz Hakkari berichtet, bei denen am Dienstag und in der Nacht zum Mittwoch angeblich 15 PKK-Terroristen getötet und drei türkische Soldaten schwer verwundet wurden.

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