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Wahlsieger Mohammed Mursi : Ein Muslimbruder

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Mohamed Mursi Bild: dpa

Nach langem Kampf sind die Muslimbrüder am Ziel. Doch nach dem Willen des Hohen Militärrats wird Mohammed Mursi als Nachfolger Mubaraks im Präsidentenamt nicht viel zu vermelden haben.

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          Vorsichtshalber hatte die Armee vor der Bekanntgabe des offiziellen Ergebnisses der Präsidenten-Stichwahl Panzer an wichtigen Plätzen und vor Amtsgebäuden auffahren lassen. Die Anhänger des Kandidaten Ahmed Schafik, des Favoriten des Hohen Militärrates, hatten sich in Abbassija im Norden Kairos versammelt, während die Befürworter des Muslimbruders Mohamed Mursi, der dann amtlich zum Präsidenten erklärt wurde, den zentralen Tahrir-Platz in Beschlag genommen hatten.

          Die Muslimbrüder wollten damit kundtun, dass sie die legitimen Erben jener Volksbewegung seien, die im vorigen Jahr mit ihren Demonstrationen dort Präsident Mubarak nach dreißig Jahren währender Herrschaft zum Amtsverzicht gebracht hatten. Doch vor allem das dritte, bei der ersten Runde der Wahl schon nicht zum Zuge gekommene Lager, das der Revolutionäre der ersten Stunde, sah und sieht dies naturgemäß völlig anders.

          Nach langem Kampf sind die Muslimbrüder am Ziel. Doch manches spricht dafür, dass der erste frei gewählte Präsident Ägyptens seit 1952 nicht besonders viel zu vermelden haben wird; jedenfalls wenn es nach dem Hohen Militärrat unter Führung von Feldmarschall Tantawi geht. Seit Mubaraks Abgang hat das Militär, gelegentlich unterbrochen durch Zugeständnisse, im großen und ganzen die Linie verfolgt, die ihm vorschwebte.

          Dabei spielten zwei Punkte die Hauptrolle: Es will seiner Entmachtung nicht Vorschub leisten, und es hätte ungern einen Muslimbruder an die Spitze des Staates gesehen. So erklären sich viele der unlängst getroffenen Maßnahmen, unter anderem auch die Auflösung des erst vor Monaten gewählten Parlaments, in dem die islamistischen Kräfte mehr als zwei Drittel der Mandate innehatten, durch das Oberste Gericht.

          Die jetzt verfügte drastische Beschneidung der Rechte des Präsidenten macht deutlich, dass das Militär - trotz gegenteiliger Zusagen - nicht gewillt ist, seinen Einfluss aufzugeben. Es fürchtet die Demokraten ebenso sehr wie die Muslimbrüder.

          Angesichts der Stellung, die das mit Abstand bevölkerungsreichste Land der arabischen Welt in der Region - politisch, religiös und kulturell - einnimmt, kommt der künftigen Entwicklung auch für den Fortgang der „Arabellion“ in anderen Ländern große Bedeutung zu. Die Frage ist, ob die wirklich demokratischen Kräfte Ägyptens aufgeben oder weiter für ihre Ziele streiten werden.

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