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Syrien : Tote bei Luftangriff auf UN-Hilfskonvoi

  • Aktualisiert am

Bild: dpa, EPA/Syrischer Roter Halbmond

Waren es Russen oder syrische Regierungsflugzeuge? Bei einem Angriff auf Lastwagen mit Hilfsgütern nahe Aleppo sind zahlreiche Menschen getötet wurden. Die UN sprechen von einem Kriegsverbrechen.

          Die Vereinten Nationen haben mit Abscheu und Fassungslosigkeit auf den tödlichen Luftangriff auf einen von ihr organisierten Hilfskonvoi in Syrien reagiert. Sollte sich der Angriff vorsätzlich gegen die Helfer gerichtet haben, „dann läuft dies auf ein Kriegsverbrechen hinaus“, sagte der Chef der UN-Hilfseinsätze, Stephen O’Brien, am Montag in New York. Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, brachte seine „enorme Empörung“ über den Vorfall zum Ausdruck.

          Die UN-Vertreter betonten, dass der Konvoi der Lastwagen mit Hilfsgütern für die Region Aleppo in intensiven Verhandlungen mit den dortigen Kriegsparteien vorbereitet worden und klar als humanitärer Transport gekennzeichnet gewesen sei. Es gebe „keine Erklärung und keine Entschuldigung, keinen Grund und keine Rechtfertigung dafür, Krieg gegen tapfere und selbstlose humanitäre Helfer zu führen“, sagte O’Brien. Er forderte eine Untersuchung.

          Russland verantwortlich gemacht

          Die Vereinigten Staaten richteten derweil Vorwürfe an Moskau und Damaskus. Als Verantwortliche für den Angriff auf den Konvoi kämen nur die Luftwaffe der syrischen Regierung oder deren Verbündeter Russland in Frage, sagten ranghohe Vertreter des amerikanischen Außenministeriums. „Russland steht nun in der Pflicht, schnell und nachdrücklich zu demonstrieren, dass es sich dem Friedensprozess verpflichtet fühlt“, sagte einer der Vertreter.

          „Die Russen haben die Verantwortung, selbst solche Aktionen zu unterlassen, aber sie haben auch die Verantwortung, das Regime davon abzuhalten“, sagte er weiter. Der Angriff auf den Konvoi sei ein „schwerer Schlag für unsere Bemühungen, Syrien Frieden zu bringen“.

          18 Wagen getroffen

          Den UN zufolge wurden am Montag mindestens 18 Lastwagen mit Hilfsladungen bei Angriffen in Orum al-Kubra westlich von Aleppo beschädigt. Sie gehörten zu einem Konvoi von 31 Fahrzeugen der UN sowie des Roten Halbmonds, die 78.000 Menschen in Orum al-Kubra versorgen wollten.

          Dieses Bild, verbreitet von einer syrischen Organisation, soll die Auswirkungen des Luftangriffs auf den Konvoi zeigen.

          Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden zwölf Mitarbeiter des Roten Halbmonds und Fahrer der Lastwagen getötet. Die UN wollten diese Bilanz zunächst nicht bestätigen.

          UN-Vertreter O’Brien sagte, bei dem Angriff seien auch ein Lagerhaus des Syrischen Roten Halbmonds sowie eine Klinik getroffen worden. Der Konvoi habe Güter für „dringend hilfsbedürfige Menschen“ an Bord gehabt.

          Waffenruhe gescheitert

          Auch Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault verurteilte den Angriff auf das Schärfste. Der Vorfall zeige „die dringende Notwendigkeit für ein Ende der Kämpfe in Syrien“, sagte Ayrault. Russland und die Vereinigten Staaten hatten in der vergangenen Woche eine Waffenruhe für Syrien ausgehandelt. Diese wurde am Montag aber von der syrischen Armee für beendet erklärt. Sie sei von den Aufständischen „in keinem einzigen Punkt eingehalten worden“. Die Rebellen hätten die Feuerpause mehr als 300 Mal verletzt, hieß es. Die Waffenruhe hätte „eine reale Gelegenheit sein können, das Blutvergießen zu stoppen, aber die bewaffneten terroristischen Gruppen haben das Abkommen missachtet“.

          Schon vor der Erklärung der syrischen Armee hatte der russische General Sergej Rudskoj gesagt, die „einseitige Einhaltung“ der Waffenruhe durch die syrischen Regierungstruppen habe „keinen Sinn“ mehr.

          Neue Kämpfe um Aleppo

          Insgesamt wurden bei Luftangriffen in der Provinz Aleppo am Montagabend nach Angaben von Aktivisten der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte 32 Zivilisten getötet, darunter sechs Menschen in der Stadt Aleppo. Ein AFP-Reporter in Aleppo berichtete von ununterbrochenen Bombardierungen, Krankenwagen mit heulenden Sirenen rasten durch den östlichen Teil der umkämpften Stadt.

          Das russische Militär, das die syrische Führung unterstützt, erklärte, die Aufständischen hätten einen Großangriff auf Stellungen außerhalb von Aleppo gestartet, die von der Regierung gehalten werden. Darauf hätten die Regierungstruppen mit „massiver Artillerie“ reagiert.

          Opposition klagt an

          Vor einem Treffen der internationalen Syrien-Unterstützergruppe (ISSG) in New York warf die syrische Opposition der Weltgemeinschaft Versagen vor. „Die Welt begnügt sich damit, zuzusehen ohne einzuschreiten“, sagte der Koordinator des oppositionellen Hohen Verhandlungskomitees (HNC), Riad Hidschab, am Montag in New York. Amerikas Außenminister John Kerry und sein russischer Kollege Sergej Lawrow werden an dem Treffen diesem Dienstag teilnehmen.

          Nach der Aufkündigung der Waffenruhe durch die syrische Armee gehe das Blutvergießen unvermindert weiter, klagte Hidschab. „Russland und der Iran vergießen syrisches Blut, das Regime bombardiert Krankenhäuser, es wirft tausende Fassbomben und andere geächtete Bomben ab - und die Welt schaut zu.“ Die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats seien alle „vergeblich“ gewesen.

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