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Videoaufnahmen aus Raqqa : Gefilmt unter Lebensgefahr

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Seit vergangenem Jahr ist im syrischen Raqqa nichts mehr wie zuvor. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ hat den Ort besetzt und zu ihrer Hauptstadt gemacht. Eine junge Frau hat den Alltag heimlich gefilmt - bevor Barack Obama Luftangriffe auf die Terroristen befahl.

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          Eine Studentin hat ihr Leben riskiert, um in Raqqa im Nordosten Syriens Szenen aus dem Alltagsleben zu filmen. Seit fast 18 Monaten ist die Stadt in den Händen der Terrogruppe „Islamischer Staat“.

          Die selbsternannten Dschihadisten haben dort die radikalen Regeln ihrer Terrorherrschaft durchgesetzt. Menschenrechtsgruppen berichten von Enthauptungen und Kreuzigungen. Wer in den Augen des IS irrgläubig ist, wird ermordet.

          Die junge Frau muss heimlich unter einem schwarzen Niqab drehen, einem Gesichtsschleier, der in Kombination mit einem Ganzkörperschleier getragen wird und in Raqqa Pflicht ist, seit die IS-Miliz dort herrscht. An einer der Stelle des Videos ruft ein Mann die Frau zu sich und fordert sie auf, sich besser zu verschleiern - er könne einen Teil ihres Gesichts sehen. Die Bilder zeigen auch junge Männer und Frauen mit schweren Waffen in den belebten Straßen von Raqqa.

          Bisher gab es kaum Einblick in die Hochburg der Dschihadisten - abgesehen vom Propagandamaterial des IS selbst und einer Reportage der Internetseite „Vice News“. Das nun veröffentlichte Video, das von einer Studentin, die anonym bleibt, zwischen Februar und April dieses Jahres gedreht worden sein soll, wurde von dem französischen Sender „France 24“ ausgestrahlt.

          Raqqa war neben Mossul das Zentrum des transnationalen Terrorstaats, den die Terrormiliz im Juli zum „Kalifat“ erklärt hatte. Nach Luftangriffen der amerikanischen Armee in den vergangenen Tagen sollen inzwischen viele Menschen aus Raqqa geflohen sein. „Jetzt, wo wir sprechen, gibt es einen Exodus aus Raqqa...Die Leute fliehen aufs Land“, sagte ein Einwohner der Nachrichtenagentur Reuters. Bewohner von Raqqa  berichteten auf Twitter von schweren Explosionen und wiederholten Überflügen von Militärflugzeugen.

          Die IS-Extremisten waren offenbar schon unmittelbar nach der Ankündigung der Angriffe durch den amerikanischen Präsidenten Barack Obama untergetaucht, hatten Gebäude evakuiert, schwere Waffen verlegt und ihre Familien aus der Stadt gebracht, wie Einheimische berichteten. „Sie versuchen, immer in Bewegung zu bleiben“, sagte ein Einwohner. „Sie treffen sich nur noch in sehr kleinen Gruppen“.

          Seine Waffen soll der IS Berichten von kurdischen Flüchtlingen zufolge in das Gebiet um Kobani an der Grenze zur Türkei gebracht haben. „Die haben schwere Waffen. Wir laufen vor denen weg“, sagte der 60 Jahre alte  kurdische Flüchtling Ahmed Hassan der Agentur Reuters. Die kurdischen Kämpfer dagegen hätten keine schweren Waffen und benötigten deswegen Unterstützung.

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