https://www.faz.net/-gq5-7svel

Vatikan in Sorge : Den Christen im Irak helfen

  • -Aktualisiert am

Jesus-Statue im Fluchtgepäck: Irakische Christen in einer Notunterkunft in Arbil Bild: AFP

Im Vatikan werden die Stimmen lauter, die eine militärische Intervention im Irak fordern. Deutlich wie selten verurteilt die katholische Kirche die barbarische Gewalt der IS-Kämpfer gegen Christen und Yeziden - und fordert Solidarität.

          Kaum ist Papst Franziskus aus Südkorea zurückgekehrt, rückt das Terrorregime des „Islamischen Staates“ (IS) im Irak und in Syrien wieder in sein Blickfeld. Nach eigenem Bekunden wäre er selbst gerne nach Bagdad und in die Kurdengebiete gefahren, um seine Solidarität mit den Christen, Yeziden und Muslimen zu zeigen, die von den Dschihadisten verfolgt und vertrieben werden. Er hatte aber Fernando Kardinal Filoni dorthin geschickt, den Chef der Kongregation zur Evangelisierung der Völker, der zwischen 2001 und 2006 Nuntius in Bagdad war. Nun erwartet er ihn in Rom zur Berichterstattung zurück.

          Die Vertreter der päpstlichen Hilfsorganisation „Kirche in Not“, die den Kardinal begleitet hatten, berichten, dass in Mossul alle 45 Kirchen entweiht und teilweise zerstört sind; eine Kirche ist in eine Moschee umgewandelt worden, eine andere dient dem „Islamischen Staat“ als Quartier. Entweiht sind auch die zehn Kirchen von Karakosch, der bisher größten nur von Christen bewohnten Stadt des Iraks. Allein in Arbil sind in 22 Flüchtlingszentren 80.000 vertriebene Christen untergebracht.

          Gespräch mit dem Islam bedroht

          Der Vatikan stellt nun die Fortsetzung des Gesprächs mit dem Islam in Frage, sollten „Exponenten des interreligiösen Dialogs, insbesondere die muslimischen“, nicht „einmütig und ohne Zweideutigkeit die Verbrechen“ des „Islamischen Staates“ verurteilen. Zu der brutalen Verfolgung äußerte sich erstmals Jean-Louis Kardinal Tauran, der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog und Leiter der Kommission für die Beziehungen zu den Muslimen. Tauran ist als ausgleichender Kirchendiplomat bekannt. Er fordert nun die eindeutige Verurteilung der „unsäglichen kriminellen Handlungen“, durch welche „die Glaubwürdigkeit der Religionen, ihrer Anhänger und Oberhäupter auf dem Spiel“ stehe. Kein Grund, erst recht kein religiöser, könne eine solche Barbarei rechtfertigen, schrieb Tauran laut Radio Vatikan in einer Erklärung.

          Tauran listete die Verbrechen des „Islamischen Staates“ auf: Massaker an Menschen wegen ihrer Religionszugehörigkeit; die grauenhafte Praxis der Enthauptung, der Kreuzigung und des Aufhängens von Leichen an öffentlichen Plätzen; der Zwang für Christen und Yeziden, zu konvertieren, eine Sondersteuer zu zahlen oder aber zu flüchten; die Vertreibung vieler zehntausend Menschen; die Entführung christlicher und yezidischer Frauen als Kriegsbeute; die Zerstörung christlicher und muslimischer Kultorte; die Besetzung und Entweihung von Kirchen und Klöstern; die Zerstörung christlicher und anderer religiöser Symbole; die niederträchtige Gewalt mit dem Ziel, die Menschen zu terrorisieren und sie zu zwingen, sich auszuliefern oder zu flüchten.

          Garantien für sichere Heimkehr

          Christen und Muslime hätten über Jahrhunderte mit Höhen und Tiefen nebeneinander gelebt und auch in der Krisenregion eine Zivilisation geschaffen, „auf die sie stolz sind“, schrieb Tauran. Auf dieser Grundlage habe sich in den vergangenen Jahren auch der christlich-muslimische Dialog zwischen katholischer Kirche und Islam entwickelt. Nun müsse die einstimmige Verurteilung dieser Verbrechen bezeugen, dass die meisten islamischen Institutionen in Religion und Politik das „Kalifat des Islamischen Staates“ ablehnen. Die Religionsvertreter müssten darauf hinwirken, dass die Verbrechen aufhörten, die Täter bestraft würden und in den Krisengebieten ein Rechtsstaat entstehe.

          Vor seinem Abflug nach Südkorea hatte der Papst UN-Generalsekretär Ban Ki-moon an die UN-Charta erinnert und „konkrete Handlungen“ der Solidarität gefordert, um die zu schützen, die „von Gewalt betroffen und bedroht sind“. Die UN müsse in Übereinstimmung mit der UN-Charta handeln, um die humanitäre Katastrophe zu beenden, fordert Papst Franziskus. Zu den konkreten Handlungen der Solidarität zählt der Papst den Schutz vor Gewalt und Vertreibung sowie Hilfe für die Vertriebenen, denen auch eine sichere Heimkehr garantiert werden müsse. Viele wollen aus Furcht aber nur unter internationalem Schutz in ihre Heimat zurückkehren.

          Bisher hatte der Papst stets nur über diplomatische Interventionen gesprochen. Den Krieg mit der Waffe hatte er stets abgelehnt und auch kürzlich den Waffenhandel in Kriegsgebieten. Sein UN-Brief lässt nun auch an militärische Defensiveinsätze denken. Der Vatikanvertreter bei den UN-Organisationen in Genf, Erzbischof Silvano Maria Tomasi, sprach sich schon für ein bewaffnetes Eingreifen aus; und der derzeitige Nuntius in Bagdad, Erzbischof Giorgio Lingua, soll Filoni davon überzeugt haben, dass diesmal selbst der Vatikan für den Waffengang eintreten müsse.

          Topmeldungen

          Bayern-Sieg im DFB-Pokal : Geballte Münchner Klasse

          Nach dem Meistertitel in der Fußball-Bundesliga sichert sich der FC Bayern nun das Double. Die Münchner setzen sich im Pokalfinale gegen RB Leipzig durch. Vorstandschef Rummenigge bestätigt anschließend: Trainer Kovac bleibt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.