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Angriff auf Hilfskonvoi : Russland und Syrien weisen Verantwortung zurück

  • Aktualisiert am

Einer der Lastwagen des Hilfskonvois, der am Montag bombardiert wurde Bild: AFP

Nach der Bombardierung eines Hilfskonvois bei Aleppo stellen die UN alle Hilfslieferungen in Syrien ein. Der Kreml dementiert, dass syrische oder russische Flugzeuge an dem Angriff beteiligt gewesen seien.

          Russland weist jede Verantwortung für die Bombardierung eines Hilfskonvois nahe der syrischen Großstadt Aleppo zurück. Weder russische noch syrische Luftstreitkräfte seien an dem Angriff beteiligt gewesen, teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Dienstag in einer im staatlichen TV-Sender Rossija 24 verlesenen Mitteilung mit. Nur Extremisten, die das Gebiet kontrollierten, hätten über sämtliche Informationen über den Standort des Konvois verfügt.

          Auch die syrische Armee bestritt jede Verantwortung für den Luftangriff. Medienberichte, wonach syrische Flugzeuge einen Hilfskonvoi in der Provinz Aleppo bombardiert hätten, entsprächen nicht der „Wahrheit“, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf Militärkreise.

          Die humanitären Organisationen der UN stellten nach dem Angriff alle Hilfsgütertransporte in Syrien ein. Vor einer Entscheidung über die Wiederaufnahme der Hilfe für Zehntausende Syrer müsse die Sicherheitslage der UN-Mitarbeiter geprüft werden, erklärte das UN-Büro für Nothilfekoordinierung (OCHA) am Dienstag in Genf.

          Sollte sich herausstellen, dass der Angriff am Montag gezielt erfolgte, wäre dies ein Kriegsverbrechen, sagte OCHA-Chef Stephen O’Brien. Der Konvoi war laut UN-Angaben in dem Ort Orem al-Kubra südwestlich von Aleppo von Bomben getroffen worden.

          Die Lastwagen wurden in der Nähe von Urm al-Kubra westlich von Aleppo getroffen.

          Nach Angaben des Roten Kreuzes kamen bei dem Angriff etwa 20 Menschen ums Leben. „Rund 20 Zivilisten und ein Mitarbeiter des Roten Halbmonds wurden getötet, als sie humanitäre Hilfsgüter von den Lastwagen luden", teilte die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften am Dienstagmittag in Genf mit.

          Die amerikanische Regierung stellte nach dem Angriff auf den Hilfskonvoi ihre Zusammenarbeit mit Russland offen in Frage. Das Ziel des Konvois aus Lastwagen der Vereinten Nationen und des Roten Halbmonds sei sowohl der syrischen wie der russischen Regierung bekannt gewesen, sagte der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, John Kirby, am Montag. „Und dennoch wurden die Helfer getötet, während sie versuchten, den Menschen in Syrien beizustehen.“ Die amerikanische Regierung werde die Bombardierung direkt mit Moskau thematisieren, kündigte Kirby an. „Angesichts der ungeheuerlichen Verletzung der Waffenruhe werden wir die weiteren Aussichten einer Zusammenarbeit mit Russland neu bewerten“, fügte er hinzu.

          Schon zuvor hatten sich ranghohe Vertreter der Regierung von Präsident Barack Obama skeptisch über die Chancen geäußert, die mit Russland ausgehandelte Waffenruhe für Syrien nach dem Bombardement noch retten zu können. Die Ereignisse vom Montag hätten erhebliche Zweifel aufgeworfen ob Russland seinen Teil der Vereinbarung zur Befriedung des Landes einhalten könne, sagte ein Vertreter der amerikanischen Regierung vor Journalisten. Russland müsse rasch Klarheit darüber schaffen, ob es sich den getroffenen Vereinbarungen noch verpflichtet fühle, sagte ein anderer ranghoher Vertreter der Regierung.

          Direkt verantwortlich gemacht hat die amerikanische Regierung Russland bislang nicht für den Angriff. Es sei unklar, ob russische oder syrische Kampfflugzeuge für die Angriffe auf die Hilfskonvois verantwortlich seien, sagte ein Regierungsvertreter.

          Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, zeigte sich schockiert von dem Angriff, bei dem nach UN-Angaben mindestens 18 der 31 Lastwagen, die im Auftrag der UN und des syrisch-arabischen Roten Halbmonds unterwegs waren, zerstört wurden. „Unsere Wut über diesen Angriff ist enorm. Der Konvoi war das Ergebnis eines langen Verhandlungsprozesses mit dem Ziel, eingeschlossenen Menschen zu helfen“, sagte eine Sprecherin de Misturas.

          Ein Bild, das vom Syrischen Roten Halbmond verbreitet wurde, soll den bombardierten Hilfskonvoi vor seiner Abfahrt am Montag zeigen. Die LKW tragen das Emblem von Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen.

          Auch die UN machten zunächst keine Angaben zu den Urhebern des Angriffs. Das syrische Militär äußerte sich nicht zu dem Vorfall. Die Regierung in Damaskus hatte die Waffenruhe am Montag für beendet erklärt und dies mit der Verletzung der Vereinbarungen durch den amerikanischen Angriff auf syrische Soldaten begründet.

          Der Angriff auf den Hilfskonvoi, für den syrische oder russische Flugzeuge in Frage kommen, ereignete sich am späten Montagabend in der Nähe von Urm al-Kubra westlich von Aleppo. Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle hatte schon zuvor berichtet, dass syrische oder russische Kampfflugzeuge Angriffe auf Rebellen-Gebiete im Zentrum Aleppos und Dörfer westlich der Stadt geflogen hätten. Dabei habe es zahlreiche Tote und Verletzte gegeben. Russland unterstützt Syrien im Kampf gegen Aufständische.

          Syriens Armee hatte die Waffenruhe am Montagabend nach einer Woche für beendet erklärt. Kampfjets flogen danach mehr als 40 Angriffe auf die Provinz Aleppo und die gleichnamige Stadt. Mindestens 38 Menschen kamen nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte ums Leben. Getroffen wurden in dem Ort Orem al-Kubra den UN zufolge auch Laster eines Hilfskonvois und ein Lagerhaus. Die Laster hatten zuvor Hilfsgüter mehrerer Hilfsorganisationen gebracht.

          Ein Mitarbeiter der syrischen Hilfsorganisation Weißhelme sagte in einem Video aus Orem al-Kubra, ein Hubschrauber des Regimes habe Fassbomben über dem Ort abgeworfen. Dafür gab es zunächst keine unabhängige Bestätigung.

          Jets hätten ein Gebiet nördlich der Großstadt Aleppo bombardiert, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Südlich der Stadt kam es zwischen Anhängern der Regierung und Regimegegnern zu Kämpfen um eine Versorgungsroute. Syrische und russische Jets hätten das Gebiet bombardiert.

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