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+++ Bagdad Briefing +++ : Krieg an vielen Fronten

  • -Aktualisiert am

Fast unbeobachtet von der Öffentlichkeit schreitet der IS im Irak voran. Auch die Stadt Hit in der Provinz Anbar ist von den Gefechten betroffen Bild: Reuters

Amerikas Militär will bei den Kämpfen um die syrische Stadt Kobane Hunderte Kämpfer des „Islamischen Staats“ getötet haben. Dennoch kann die Terrormiliz die internationale Allianz im Irak vor sich hertreiben.

          Die Verluste sind erheblich. Hunderte Kämpfer des „Islamischen Staats“ (IS) seien seit Beginn der Angriffe auf Stellungen der Terrorgruppe rund um die nordsyrische Stadt Kobane getötet worden, teilte das amerikanische Zentralkommando am Montag mit. Erfolgreich seien Dutzende Positionen und Waffenträger des IS zerstört worden, hieß es aus Tampa Bay in Florida. Nach anfänglichem Zögern haben die Vereinigten Staaten inzwischen 135 Luftangriffe auf die Dschihadisten geflogen, die seit September die Enklave belagern; hinzu kommen Bombardements durch die Luftwaffe Saudi-Arabiens.

          Mit dem Abwurf von Waffen und Hilfsgütern im Zentrum Kobanes am Samstag hat die amerikanische Unterstützung für die Partei der Demokratischen Union (PYD) und ihren bewaffneten Flügel, die Volksverteidigungseinheiten (YPG), eine neue Stufe erreicht. Erst danach stimmte der türkische Außenminister, Mevlüt Çavuşoğlu, der syrisch-kurdischen Forderung zu, irakisch-kurdischen Kämpfern freies Geleit über türkisches Territorium zu geben, um die Schlacht gegen den „Islamischen Staat“ gemeinsam zu bestreiten.

          Doch bislang sind die Peschmerga-Einheiten noch nicht in Kobane eingetroffen, sagen Beobachter vor Ort. Die Abneigung Ankaras, dem syrischen Verbündeten der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) militärisch beizustehen, ist strategisch nicht überraschend: Neben der Absetzung des syrischen Machthabers Baschar al Assad gilt die Verhinderung einer zweiten kurdischen Autonomiezone an der türkischen Grenze als wichtigstes Ziel der Syrien-Politik Staatschef Recep Tayyip Erdogans. Lediglich die irakisch-kurdische Region Präsident Massud Barzanis akzeptiert Ankara.

          „Keine Bodentruppen werden hier kämpfen“

          Der jüngste Fokus auf die syrische Kurdenstadt an der Grenze zur Türkei hat es dem „Islamischen Staat“ ermöglicht, an anderen Fronten im Irak Erfolge zu erzielen. Westlich von Bagdad, in der mehrheitlich sunnitischen Provinz Anbar, sind die Einheiten Abu Bakr al Bagdadis seit Wochen auf dem Vormarsch. Anders als in Syrien beteiligen sich die arabischen Verbündeten Amerikas hier nicht an den Angriffen.

          Iraks Ministerpräsident Haider al Abadi bekräftigte kurz vor seinem Antrittsbesuch in Teheran an diesem Dienstag zudem, dass er eine internationale Invasion ablehne. „Keine Bodentruppen, weder einer Supermacht noch einer internationalen Koalition oder einer Regionalmacht werden hier kämpfen“, sagte der schiitische Regierungschef. Sunnitische Stammesvertreter hatten zuletzt ausländische Bodentruppen gefordert, um die IS-Offensive auf die Städte Hit und Amariya al Falluja in Anbar zu stoppen. „Das ist meine Entscheidung, das ist die Entscheidung der irakischen Regierung.“

          Ohne Aussicht auf ausreichend Unterstützung bleiben somit auch Tausende Yeziden im Sindschar-Gebirge im Nordwesten des Landes. Die Angriffe auf die Gegend im Grenzgebiet zwischen Syrien und Irak hatten seit dem versuchten Genozid im August nie nachgelassen – die internationale Aufmerksamkeit angesichts der Belagerung Kobanes hingen schon. Nun fielen am Montag abermals zwei Dörfer rund um den größten Ort Sindschar; angeblich sollen kurdisch-irakische Peschmerga-Einheiten sich wieder wie im Sommer zurückgezogen haben, weil es ihnen an Nachschub fehlte. Nur noch ein militärisches Eingreifen könne sie retten, sagen Vertreter des Zentralrats der Yeziden.

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