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Sunniten und Schiiten : „Spaltung des Iraks könnte die Lösung sein“

  • Aktualisiert am

Klare Worte zum Irak: der scheidende amerikanische Heeres-Generalstabschef General Raymond Odierno am Mittwochabend im Pentagon Bild: AP

Wieder hat es in Bagdad einen verheerenden Selbstmordanschlag auf schiitische Einwohner gegeben. Der amerikanische Heeres-Generalstabschef Odierno will daraus nun endlich Konsequenzen ziehen.

          Angesichts der schwierigen, immer wieder von blutigen Gewalttaten gezeichneten Beziehungen von Sunniten und Schiiten im Irak schließt der scheidende amerikanische Heeres-Generalstabschef General Raymond Odierno eine Teilung des Landes nicht mehr aus. Eine Aufspaltung des Iraks zur Trennung der beiden Volksgruppen „könnte die einzige Lösung sein", sagte Odierno am Mittwochabend (Ortszeit) im Pentagon. Eine Aussöhnung der beiden Bevölkerungsgruppen, die unterschiedlichen Strömungen des Islams angehören, werde „jeden Tag schwieriger". In Zukunft werde der Irak darum vielleicht „nicht mehr so aussehen wie in der Vergangenheit".

          Wie zur Bestätigung seiner Worte erschütterte am Donnerstagmorgen eine weitere verheerende Explosion die irakische Hauptstadt Bagdad. Mehr als 60 Personen starben, als gegen sechs Uhr früh ein Sprengsatz in einem Lastwagen auf einem Markt im schiitisch dominierten Stadtteil Sadr-City detonierte. Die umliegenden Krankenhäuser meldeten rund 200 Verletzte. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand, zuletzt hatte die Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) aber  immer wieder ähnliche Anschläge auf schiitische Gebiete im Irak verübt.

          Odierno: Islamischer Staat geschwächt

          Odierno, der zuletzt eine der höchsten Positionen im amerikanischen Militär bekleidet hatte und am Freitag in den Ruhestand verabschiedet werden soll, bezeichnete den Kampf gegen den IS daher als vordringlichste Aufgabe der Vereinigten Staaten in der Region. Die sunnitischen Extremisten hätten durch die mittlerweile auch von der Türkei aus startenden Luftangriffe der amerikanisch geführten Militärallianz immerhin schon „etwas an Schärfe verloren".

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          Der IS habe keine Fortschritte mehr gemacht, seitdem die Alliierten mit ihren Bombenangriffen im Irak und später auch in Syrien begonnen hätten. Viele der obersten Befehlshaber des IS seien getötet worden, das habe die Gruppierung insgesamt geschwächt, sagte Odierno weiter. Erfolgreich seien auch die kurdischen Kräfte gewesen, die die Terrormiliz aus einigen eroberten Gebieten im Irak und in Syrien verdrängt hätten.

          Wichtig sei es nun, die irakischen Streitkräfte für die Offensive gegen die IS-Miliz am Boden zu stärken. Nach Ansicht von Odierno sollten die Vereinigten Staaten überlegen, ob sie amerikanische Militärs in Einheiten der irakischen Sicherheitskräfte einbinden sollten, welche den Islamischen Staat bekämpften, berichtete die Militärzeitung „Stars and Stripes“.

          Irakische Soldaten in der vergangenen Woche in einem Kampf  mit IS-Terroristen in einem Vorort von Ramadi

          Das würde nicht notwendigerweise bedeuten, dass amerikanische Soldaten direkt an Kampfhandlungen teilnähmen. Sie könnten jedoch als direkte Berater kämpfender irakischer Einheiten fungieren. Das könne den irakischen Sicherheitskräften mehr Dynamik verleihen. Nach Einschätzung des amerikanischen Verteidigungsministeriums verfüge der IS derzeit über 20.000 bis 30.000 Kämpfer. Die Terrormiliz sei weiterhin stark auf die Rekrutierung von Kämpfern über soziale Netzwerke angewiesen.

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