https://www.faz.net/-gq5-y4g2

Unruhen in Bahrein, Libyen und Jemen : Neue Proteste und ein „Märtyrer-Begräbnis“

  • Aktualisiert am

Manama: Trauerzug für zwei getötete Demonstranten Bild: dapd

Auch in Bahrein, Libyen und Jemen protestieren die Menschen gegen ihre Regierungen. Es gibt Dutzende Tote und Verletzte. Gaddafi will nun einen seiner Söhne ins Zentrum des Aufstandes schicken. In Kairo feiern indes Tausende das Ende der 30-jährigen Herrschaft Mubaraks.

          4 Min.

          Nach blutigen Zusammenstößen mit Dutzenden Toten gehen die Proteste in der arabischen Welt weiter. Allein im Golfstaat Bahrain versammelten sich am Freitag rund 15.000 Menschen zu „Märtyrer-Begräbnissen“ - der Beisetzung von drei getöteten Demonstranten. Gleichzeitig formierten sich in der Hauptstadt Manama zwei kleinere Demonstrationszüge von Regimegegnern und Anhängern des Königshauses. Auch in Libyen wurden neue Proteste gegen Staatschef Muammar al-Gaddafi erwartet.

          Die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton ist „tief besorgt“ über die Lage im Golfstaat Bahrein. Die Vereinigten Staaten verurteilten Gewalt gegen Demonstranten und unterstützten demokratische Reformen, sagte sie in Washington. Sie habe das Vorgehen der Sicherheitskräfte auch in einem Telefongespräch mit ihrem Amtskollegen, Chalid al-Chalifa, kritisiert. Bundespräsident Christian Wulff sagte einen für Ende des Monats geplanten Besuch in Bahrein ab.

          Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten in Bahrein kamen laut Augenzeugen und Oppositionellen fünf Menschen um Leben. Mehr als 220 Menschen wurden verletzt. In der Hauptstadt Manama zogen Panzer auf. Das Militär erklärte im Staatsfernsehen, die Streitkräfte hätten die Lage unter Kontrolle. Protestveranstaltungen wurden verboten.

          Unruhen in Bahrein, Libyen und Jemen : Neue Proteste und ein „Märtyrer-Begräbnis“

          Armee rechtfertigt hartes Vorgehen

          Ein Armeesprecher in Bahrein rechtfertigte im staatlichen Fernsehen den Einsatz von Soldaten in der Hauptstadt. Dies diene der Sicherheit der Bürger, sagte er. Scheich Ali Salman, der Vorsitzende der schiitischen Wifak-Gesellschaft, verurteilte im arabischen Nachrichtensender Al-Dschazira das harte Durchgreifen der Sicherheitskräfte. Der Lulu-Platz sei geräumt worden, während die meisten Demonstranten schliefen.

          „So darf man nicht mit friedlichen Demonstranten umgehen“, sagte Salman. Seine Organisation, die bei der Parlamentswahl im vergangenen Jahr 18 der insgesamt 40 Sitze errungen hatte, unterstützt die Demonstranten - sie verlangt Reformen und eine Regierung, die gewählt wird und nicht mit Günstlingen des Königs besetzt ist.

          Die anderen Golfmonarchien stärkten König Al-Chalifa bei einem Außenministertreffen in Manama den Rücken. Sie erklärten, die Staaten des Golfkooperationsrates (GCC) seien alle bereit, Mitgliedstaaten zu unterstützen, wenn deren „Sicherheit und Stabilität“ gefährdet sei. Zum GCC gehören Bahrein, Saudi-Arabien, Kuweit, Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate und Qatar.

          Dutzende Tote am „Tag des Zorns“ in Libyen

          In Libyen folgten landesweit tausende Regimegegner dem Aufruf der Opposition zum „Tag des Zorns“. Bei Protesten gegen Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi starben nach unbestätigten Berichten binnen zwei Tagen Dutzende von Menschen. Allein in der Stadt Al-Baidha seien 35 Menschen ums Leben gekommen, berichtete die Oppositionszeitung „Libya al-Youm“ am Donnerstagabend. Human Rights Watch berichtet von mindestens 24 toten Demonstranten. Mehrere Tote soll es auch in der Stadt Bengasi gegeben haben. Nach unbestätigten Berichten von Regimegegnern sollen in der Küstenstadt Derna Darna drei Menschen getötet worden sein. 15 Demonstranten seien verletzt worden, hieß es. Zuvor war von insgesamt 14 Toten bei den Protesten gegen den seit 1969 amtierenden Staatschef die Rede gewesen.

          Auch für den heutigen Freitag werden wieder Proteste erwartet. Aktivisten verbreiteten im Internet einen Aufruf für Demonstrationen gegen Staatschef Muammar al-Gaddafi, die nach dem Freitagsgebet beginnen sollten.

          Topmeldungen

          Rivalität mit Amerika : Was braucht China noch zur Weltmacht?

          Die Geschichte der Menschheit ist geprägt vom Aufstieg und Niedergang mächtiger Reiche und Staaten. Ist Amerikas Absturz unvermeidlich? China zeigt schon jetzt, welche internationale Ordnung es sich vorstellt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.