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An der libanesischen Grenze : Zwei israelische Soldaten bei Hizbullah-Beschuss getötet

Auf den Golanhöhen verstärken die israelischen Truppen ihre eigene Artillerie. Bild: Reuters

Bei einem gezieltem Raketenangriff der Hizbullah-Miliz sind zwei israelische Soldaten getötet worden. Bei anschließenden Vergeltungsschlägen kam auch ein UN-Blauhelmsoldat ums Leben.

          Der Angriff am Mittwochmittag erinnerte an den 12. Juli 2006. Damals eröffneten Hizbullah-Kämpfer das Feuer auf eine israelische Militärpatrouille an der libanesischen Grenze und entführten zwei Soldaten. Kurz darauf begann der zweiteentführten zwei Soldaten. Kurz darauf begann der zweite Libanon-Krieg, der nach einem Monat mit fast 1500 Toten zu Ende ging. Am Mittwoch versuchte die Hizbullah offenbar nicht, wie 2006 israelische Soldaten zu entführen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Aber ihrem bewaffneten Arm gelang es, an der libanesischen Grenze zwei israelische Soldaten zu töten und sieben weitere zu verletzen. Der offenbar länger vorbereitete und präzise ausgeführte Raketenangriff auf einen angeblich nur unzureichend gesicherten israelischen Militärkonvoi war einer der schwersten Grenzzwischenfälle seit dem Libanonkrieg vor fast neun Jahren.

          Bei den folgenden israelischen Artillerieangriffen kam ein spanischer Soldat der UN-Truppe Unifil ums Leben. Mit dem Ort des Anschlags weitete die Hizbullah-Miliz die Kampfzone aus, die sich zuletzt auf den syrischen Teil der Golanhöhen beschränkt hatte. Dieses Mal griffen ihre Kämpfer von einem Gebiet aus an, dass nicht nur die Hizbullah, sondern auch die Regierung in Beirut für den Libanon beanspruchen. Die Gegend um die „Scheba-Farmen“ hält Israel seit dem Krieg im Juni 1967 besetzt. Die Grenzziehung zwischen dem Libanon und Syrien aus der Zeit der französischen Mandatsherrschaft ist bis heute strittig; Israel rechnet das Gebiet zu Syrien. Die libanesische Miliz bezichtigte sich sofort des Angriffs, kurz darauf kam auch schon das Lob der iranischen Revolutionsgarden.

          Netanjahu droht mit massiver Reaktion

          Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drohte mit einer massiven militärischen Reaktion. Wer Israel an seiner Nordgrenze herausfordere, sollte sich an den Gaza-Krieg im vergangenen Sommer erinnern. „Damals musste die Hamas den schwersten Schlag seit ihrer Gründung hinnehmen“, sagte Netanjahu. Außenminister Avigdor Lieberman forderte eine „sehr starke und unverhältnismäßige“ Reaktion.

          Die Hizbullah bezeichnete den Angriff am Mittwoch als Antwort auf die Eskalation, die am 18. Januar auf dem syrischen Teil der Golanhöhen unweit von Quneitra begonnen hatte. Dort kamen bei einem Israel zugeschriebenen Luftangriff sechs Libanesen und sechs Iraner um; unter ihnen waren ein General der iranischen Revolutionsgarden und zwei Hizbullah-Kommandeure. Iran und die Hizbullah drohten danach mit Vergeltung. Erst am Dienstag wurden vom syrischen Teil der Golanhöhen vier Raketen in Richtung Israel abgefeuert. Zwei davon schlugen unweit des Skigebiets im Hermon-Gebirge auf offenem Gelände ein.

          Dieses Mal schwieg die Hizbullah, doch in der israelischen Armee geht man davon aus, dass die Miliz dahintersteckte. Zwei Mal beschoss die israelische Armee syrische Militärstellungen auf dem Golan. Israel macht generell die syrische Regierung unter Präsident Baschar al Assad für alles verantwortlich, was auf syrischem Staatsgebiet geschieht, selbst wenn syrische Soldaten unbeteiligt waren.

          Vor der tödlichen Attacke auf die Armeepatrouille bei Metulla war in Israel die Sorge gewachsen, dass der Raketenangriff am Dienstag der Startschuss für die größere Vergeltungsoffensive der Hizbullah und einen längeren Zermürbungskrieg bedeuten könnte. In israelischen Sicherheitskreisen geht man davon aus, dass die Hizbullah – unterstützt von Iran und mit der Billigung der syrischen Regierung – auf dem Golan eine neue Front gegen Israel eröffnen will. Treibende Kraft hinter diesem Plan soll der am 18. Januar getötete Hizbullah-Kommandeur Dschihad Mughnijeh gewesen sein, der Sohn des 2008 ermordeten Militärführers der Miliz.

          Baut die Hizbullah neue Tunnel?

          Bis zu dem Angriff am Mittwoch vermutete man jedoch in Israel, dass die Hizbullah die neue Konfliktzone auf den syrischen Teil des Golans begrenzen wollte und so den Libanon von möglichen israelischen Vergeltungsaktionen zu verschonen. Dort hat die Miliz ein riesiges Raketenarsenal angehäuft und spielt innenpolitisch eine wichtige Rolle. Das militärische Engagement der Hizbullah im syrischen Bürgerkrieg, auf der Seite von Präsident Assad, wird im Libanon von vielen kritisiert. Gleichzeitig scheint sich die Hizbullah jedoch für neue Terrortaten zu rüsten.

          Bewohner entlang der Grenze berichteten von verdächtigen unterirdischen Geräuschen, die sie nachts hörten. Sie befürchten, dass die Miliz Tunnel nach Israel gräbt, wie es die Hamas in Gaza im Sommer für Angriffe auf Israel getan hatte; mehr als 30 solcher Gänge zerstörte die israelische Armee damals. Jetzt nahm die Armee diese Sorgen ernst und begann in der Nähe von Zarit mit schwerem Gerät nach unterirdischen Gängen zu suchen, die aus dem Südlibanon nach Israel führen.

          Die Vereinigten Staaten haben nach dem Angriff der Hizbullah „Israels legitimes Recht auf Selbstverteidigung“ betont. Zugleich verurteilte das Außenamt in Washington den Beschuss durch die Miliz und rief alle Konfliktparteien zur Zurückhaltung auf. „Wir fordern alle Parteien auf, von Aktionen abzusehen, die zu einer Eskalation der Lage führen könnten“, betonte Außenamtssprecherin Jen Psaki in einer schriftlichen Erklärung am Mittwoch.

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